Holzkirchner Bürgerversammlung
“Wahnsinn, oder?”

von Benno Kirschenhofer

Am Mangel an Themen lag es nicht, dass der Oberbräusaal bei der gestrigen Bürgerversammlung nur zur Hälfte besetzt war. Weltfrauentag, Starkbieranstich am Nockherberg oder der Schnürlregen haben Olaf von Löwis wohl Publikum gekostet.

Gut 100 Minuten hat er gedauert, des Bürgermeisters Streifzug durch alle Lebens- und Politikbereiche, die den Markt Holzkirchen Stand heute beschäftigen und bewegen. Klingt lange, aber für immerhin rund 30 Tagesordnungspunkte muss man Olaf von Löwis bescheinigen, dass er sich nicht verzettelt und sich auf Schwerpunkte beziehungsweise harte Fakten konzentriert hat.

Eine Bürgerversammlung kann kein Brainstorming und Workshop der Visionen sein – vielmehr eine Gelegenheit, die gefühlte Dynamik und die vermuteten Sachzwänge in der Marktgemeinde mit belastbaren Zahlen zu unterfüttern: 16.734 Bürgerinnen und Bürger zählt der Marktflecken derzeit, das einst errechnete jährliche Einwohnerplus von rund 100 Menschen pro Jahr stößt bereits jetzt an seine Grenzen. Die Zahl der Kinder, die in Holzkirchner Einrichtungen betreut werden, kratzt an der Tausendermarke – Tendenz steigend, wie übrigens auch beinahe an allen Schulen in der Gemeinde. Außer an der Mittelschule, für deren Wert in der Ausbildungslandschaft von Löwis eines seiner wenigen Plädoyers am gestrigen Abend ansetzt und vor einem ungerechtfertigten Nimbus dieser Schulform warnt.

Mehr Bürger, mehr Wachstum

Doch nicht nur auf die pädagogische Infrastruktur in Holzkirchen wird der Druck in Zukunft weiter steigen, seit die Prognosen zum erwarteten Zuzug hier im Münchner Umland mit Zahlen belegt sind. Auch in Sachen Ortsentwicklung, Verkehr und Wohnungsbau würde, so von Löwis, in den kommenden Jahren an einem Wachstum kein Weg mehr vorbeigehen.

Auch wenn es am gestrigen Abend natürlich noch wenig Konkretes zu verkünden gab, wie der Bahnhof 2020 aussehen wird, welche verbindlichen Regelungen für den hausgemachten und auswärtigen Verkehr zu treffen sind oder wie Verkehr und Verweilqualität im Ortskern zukünftig austariert werden sollen.

Appell an die Vermieter

Zum Ortskern und den darin frisch wiederbelegten Leerständen kann sich unter dem ersten lauten Applaus des Abends von Löwis eine Bemerkung nicht verkneifen:

Wenn Sie mir meine persönliche Sicht dazu erlauben, halte ich die Neubelegung der jüngsten Leerstände in der Ortsmitte für alles andere als attraktiv. Ich appelliere da wirklich an die Makler und Vermieter, stärker mit unserer Standortförderung zusammenzuarbeiten und das große Ganze auch ein bisschen im Blick zu behalten.

Im Übrigen ging es strukturiert überblickshaft durch alles derzeit Anhängige und Kontroverse in der Marktgemeinde: Durch den Aufschub der Degression der EEG-Einspeisevergütung auf 2020 hat das Geothermieprojekt zumindest etwas planerische Sicherheit gewonnen, beim Thema Wohnen und Integration von Geflüchteten geht – soweit es die langsamen Mühlen und die administrativen Barrieren zulassen – alles soweit seinen Gang.

1.111 – die Zahl des Abends

Auch in die Gänge kommt noch in diesem Jahr der Radlweg nach Otterfing und wie schon im letzten Jahr soll die “Reform” und Modernisierung der Holzkirchner Jahrmärkte konsolidiert werden.

Gesellig und zünftig wird es in diesem Jahr ohnehin durch die Gründungsfeierlichkeiten von 1.111 Jahren Holzkirchen im Juli und 1.200 Jahren Föching im September. Dazu präsentierte von Löwis augenzwinkernd eine letzte Zahl:

Die geplante Holzkirchner Feiermeile vom Marktplatz zum Bahnhof misst genau 1.111 Meter. Wahnsinn, oder?


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