Wallachen, Watten und Grasobern – drei urbayerische Spiele vom Aussterben bedroht

Müssen wir uns um die Existenz unserer traditionellen Kartenspiele fürchten? Während Schafkopf regional nichts an seiner Popularität verloren hat, kennen nur noch wenige Menschen die genauen Regeln der bayerischen Spiele Wallachen, Watten und Grasobern. Doch wie Schafkopf verdienen sie ihren Platz auf regionalen Stammtischen. Und es lohnt sich. Die Regeln sind einfach und der Spaßfaktor hoch.

Wallachen

Wallachen ist ein einfaches Kartenspiel für drei Personen. Gespielt wird natürlich mit dem deutschen Blatt, traditionell mit bayerischem Bild. Allerdings müssen die Sechser aussortiert werden. Das Ziel des Spiels ist, mindestens sechs oder mehr Stiche zu machen. Die maximal mögliche Stichzahl ist dabei zehn. Die Hauptstrategie beim Wallachen ist, die Zahl der Stiche, die der Spieler erzielen kann, anhand der verteilten Karten richtig einzuschätzen und danach dementsprechend zu reizen.

Das Spiel läuft folgendermaßen ab: Der Geber verteilt jeden Spieler zwölf Karten. Die ersten zehn Karten dürfen angeschaut werden, während die restlichen beiden verdeckt bleiben. Danach wird gereizt. Wer die höchste Zahl der Stiche kündigt, spielt gegen die anderen zwei Spieler. Anschließend werden die verdeckten Karten angeschaut und gemäß der eigenen Taktik mit der Hand gemischt. Die wertlosesten zwei Karten werden wieder zugedeckt, so dass jeder Spieler wieder zehn Karten in der Hand hat. Nach diesem Vorgang entscheiden die Spieler, ob sie ihre vorher angekündigte Strategie beibehalten oder auf Bettel oder Mord gehen. Bei Bettel darf kein einziger Stich gemacht werden, bei Mord dagegen alle. Die als Erstes ausgespielte Karte entscheidet über die Trumpffarbe. Sind alle Karten ausgespielt, werden die Stiche gezählt. Gewinner der Runde ist derjenige, der sich an seine angekündigte Stichzahl gehalten hat. Es sollte nicht vergessen werden, dass beim Wallachen Farb- und Stichzwang herrscht.

Watten

Wie Wallachen ist auch Watten ein urbayerisches Spiel. Gespielt wird mit vier Personen, wobei jeweils zwei Spieler zusammen ein Team bilden. Ziel ist es, als Paar drei Stiche zu erlangen. Das Teamspiel sollte genauer erläutert werden. Watten zählt zu den wenigen Kartenspielen, bei denen ein starrer Gesichtsausdruck nicht von Vorteil ist. Normalerweise benötigen Spieler ein Pokerface, um ihre Hand vor den gegnerischen Spielern zu verbergen. Doch der Erfolg beim Watten baut auf die Mimik und Gestik des Teammitglieds. Vor dem Spiel können die Mannschaften Geheimzeichen für bestimmte Stiche und Karten festlegen, die dann die nonverbale Kommunikation zwischen den Spielerpaaren ermöglichen. Also beim Spielen nicht die Augen vom Mitspieler lassen!

Beim Watten haben Karten unterschiedliche Wertigkeiten. Die drei wertvollsten Karten heißen „Kritische“. Diese sind der „Max“, die Herz-König, die „Belli“, die Schelle 7 und der „Spitz“, die Eichel 7. Die Wertfolge der restlichen Karten richtet sich nach der Trumpfkarte. Festgelegt wird diese, indem der Geber eine Kartenfarbe und der Spieler links von ihm ein Kartenwert bestimmt. Dieser Wert ist von der Hand des ansagenden Spielers abhängig und muss mindestens doppelt so hoch sein.

Nach diesem komplizierten Prozess, kann endlich gespielt werden. Jeder Spieler erhält fünf Karten. Die Person mit der höchsten Karte bekommt den Stich. Hat ein Team drei Stiche erreicht, kann die Runde für sich schreiben. Beim Watten ist es möglich, die Runde sofort für sich zu entscheiden. Dieser Zug wird „Maschine“ genannt und ist möglich, wenn eine Person alle „Kritische“ in der Hand hält.

Grasobern

Grasobern ist ein bayerisches Stichspiel für vier Personen, das ohne Trümpfe auskommt. Die höchste Karte ist das Ass bzw. die „Sau“ des bayerischen Decks. Danach wird beginnend mit dem König abwärts gezählt. Ziel von Grasobern ist, den ersten, den letzten und den Stich mit der Karte Gras-Ober zu vermeiden.

Zu Beginn bekommt jede Person acht Karten. Danach kann sich jeder Spieler zwischen drei Strategien entscheiden: Normalspiel, Mord und Bettel. Beim Normalspiel spielt jeder gegen jeden. Im Mordspiel ist die ansagende Person der Meinung, dass er alle Stiche erlangen kann. Zudem hat er das Recht eine Karte von seinen Gegnern zu rufen und diese gegen eine schlechte Karte umzutauschen. Eine weitere Besonderheit ist, dass alle Spieler gegen den Mordspieler agieren. Entscheidet sich jemand für das Bettelspiel, dar er keinen einzigen Stich in der Runde machen. Auch hier wird einer gegen drei gespielt. Eine weitere Option beim Grasobern ist der Schleichmord. Dieser kann angesagt werden, wenn ein Spieler von Anfang alle Stiche für sich entschieden hat und glaubt, dass er auch die Restlichen erlangt.

Wallachen, Watten und Grasobern sind drei urbayerische Kartenspielen, die leider immer weniger ihren Platz auf deutschen Stammtischen finden. Als Teil der bayerischen Kultur verdienen sie jedoch wie das Kartenspiel Schafkopf die Aufmerksamkeit der bayerischen Bevölkerung. Nimmt man sich die Zeit die Regeln zu erlernen, ist der Spaßfaktor garantiert.

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