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Verein Kunstdünger e. V. in Valley

Was ist Kultur wert?

Von Anita Westphal

Ein Haufen Kulturschaffender, der spartenübergreifend hochkarätige, zeitgenössische Kunst auf’s Land holt – so versteht sich der Verein Kunstdünger mit Sitz in Valley. Dabei sind Finanzierung durch Sponsoring und Zuschüsse ein Dauerthema. Die Verantwortlichen stehen oftmals vor der Frage: „Was ist eigentlich Kultur wert?“

Die Finanzierung für Kunst und Kultur sind hier ein Dauerthema -
Die Finanzierung für Kunst und Kultur sind hier ein Dauerthema –

In den vergangenen Jahren stellte der Verein mehrere internationale Bildhauersymposien, Klezmer-, Tanz- und Theaterfestivals rund um das Valleyer Sudhaus oder die Anderlmühle in Hohendilching auf die Beine. Auch bei Ausstellungen oder Projektwochen wurden immer neue Schwerpunkte künstlerischer Arbeit gezeigt. Tanz und Bilder, Malerei und Musik ergänzen einander, insbesondere bei den „Schaustellungen“. Hier können sich die Mitglieder selbst präsentieren.

Gäste sind professionelle Künstler. Die meisten kommen aus dem deutschsprachigen Raum. Aber gerade auch im Bereich Bildhauerei weit darüber hinaus – aus Großbritannien, China und Taiwan. Dabei ist der Rahmen eher familiär und locker. „Eher die Off-Szene“, sagt Christiane Ahlhelm, langjährige Vorsitzende des Kunstdünger e.V. Der Verein bietet ein weites Feld zum Experimentieren. „Wenn jetzt jemand ein Flamenco-Festival anstoßen wollte – kein Problem“, sagt. Eine Jugendgruppe, die „Daltings“, hat sich beispielsweise bereits auf das Filmemachen spezialisiert.

Workshops und Schülergruppen

Generationenübergreifendes Arbeiten und das „pädagogische Element“ – also Mitmachaktionen – sind ein weiteres Anliegen. Oft gibt es im Rahmen der Festivals Workshops oder Ausstellungsführungen. Insbesondere für den Nachwuchs ist immer etwas dabei, seien es Kurse oder Kindervorstellungen. Beim Internationalen Bildhauer-Symposium im Herbst vergangenen Jahres kamen allein 400 Schüler mit ihren Klassen von Valley bis Parsberg, von Holzkirchen über Dietramszell bis Hausham.

„Wir arbeiten nach dem Motto: Da kann man hingehen. Es ist immer gut, auch wenn einem persönlich mal der Zugang fehlt“, sagt Ahlhelm. Selbst ist sie Schauspielerin und Regisseurin mit Schwerpunkt Kindertheater. Gemeinsam ist allen Kunstdünger-Festivals die Idee, Kunst mit den Gästen zu entdecken, zu gestalten, zu diskutieren und gemeinsam zu feiern.

Der Verein hat derzeit um die hundert Mitglieder. Rund 30 Prozent sind selbst Künstler, wie etwa Gründungsmitglied Lizzie Hladig aus Holzkirchen. Sie kommt aus dem Bereich Malerei und Skulptur. Für sie ist seit 2001 insbesondere der Austausch mit Kollegen wichtig, „und der Energieschub, sich gemeinsam für ein Projekt einzusetzen.“ Da ist viel ehrenamtliches Engagement nötig, „vom Kloputzen bis zum Hängen von Bildern.“ Denn der finanzielle Rahmen ist alles andere als üppig.

Kulturförderung: „Noch Luft nach oben“

Grundstock sind die Mitgliederbeiträge von jährlich rund 3.000 Euro, „für Flyer, Porto, Strom, Heizung“. Dazu kommen die Eintrittsgelder. Das Sponsoring der Arco-Brauerei besteht darin, dass das Sudhaus drei bis viermal jährlich mietfrei genutzt werden kann. Die Kreissparkasse unterstützt pädagogische Projekte, die Sparda-Bank und die Standort-Marketing-Gesellschaft haben 2014 das Bildhauer-Symposium gesponsert.

Der „größte Batzen“ kommt seit neun Jahren vom Bezirk Oberbayern. Der erstattet zehn Prozent des Kostenvolumens eines Festivals. „Das waren bisher zwischen 3.000 und 8.000 Euro pro Jahr“, heißt es. Das Geld gehe mehrheitlich in die Gagen. Die Gemeinde Valley dagegen sei bei ihrer Unterstützung eher zögerlich. „Der Stellenwert von Kultur – im Vergleich beispielsweise zum Sport – ist im Landkreis allgemein sehr gering“, stellt Ahlhelm trocken fest: „da ist noch Luft nach oben.“

Die Kunst düngen

Doch es gebe viele Aktionen im Aufbruch. Das Verständnis wachse, dass Kultur ein Teil der Lebensqualität sei. Beispiele seien Veranstaltungsorte wie der Miesbacher Waitzinger Keller oder das Holzkirchner „Kultur im Oberbräu“. Der Kunstdünger-Verein sei Teil der Kulturlandschaft geworden. Die ehemalige Gruppe zugezogener Künstler, Techniker und motivierter Zuschauer hat sich etabliert. Das Ziel ist nach wie vor, die Kunst zu düngen. „Wir fanden den Namen damals witzig und haben gar nicht bedacht, dass „Kunstdünger“ auf dem Land eher negativ besetzt ist.“

Pläne für die nähere Zukunft? „Ob das internationale Bildhauer-Symposium im Juni stattfinden kann, hängt von den Sponsoren ab“, sagt Ahlhelm. Die Jugendlichen planen einen gemeinsamen Film. Ob und in welcher Form die „Schaustellungen“ 2015 stattfinden, bleibt spannend.

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