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TS-Aufruf an die Kandidaten: Was sie für uns in Berlin machen müssen

Was sich ändern muss. Was wir wollen.

Von Redaktion

Die Bundestagswahl steht vor der Tür und einige Direktkandidaten aus unserem Landkreis haben gute Chancen auf Berlin. Doch was nehmen sie mit in die Hauptstadt? Welche Themen sind Menschen, die hier in der Region leben, wichtig? Die Tegernseer Stimme hätte da acht Punkte, die man sich selbst in Berlin noch merken kann…

Auch in einer vermeintlich perfekten Postkarten-Idylle gibt es Themen, die die Menschen bewegen. / Quelle: TS-Archiv

Ein Aufruf an die Direktkandidaten: Sieben Punkte, die sie immer im Kopf haben sollten:

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1. Der Verkehr muss reduziert werden. SO geht das nicht weiter. Wir ersticken in Blech. Wochenende für Wochenende staut sich der Zugang zum Tal, verpesten Individualfahrer in übergroßen Karossen unsere Heimat. Setzt Euch nicht für mehr Straßen ein. Denn: mehr Straße bedeutet mehr Autos. Das Schienennetz muss modernisiert, die Fahrten günstiger und häufiger werden. Mehr Aufladestationen für E-Autos müssen her. Unterstützt crazy Ideen, aber lasst nicht einfach zu. Das ist auch Bundesangelegenheit. Das hat der schlechteste Minister der Regierung (CSU) verpennt.

2. Die Mieten sind zu hoch, der Wohnraum zu knapp. Familien und Menschen aus der Mittelschicht, Handwerker und einfache Angestellte finden bei uns Arbeit, aber keine Wohnung oder gar ein Haus. Wir brauchen bessere Bauprogramme, Entbürokratisierung beim kommunalen Wohnungsbau, eine stärkere öffentliche Hand, die gezielt Wohnraum erwirbt und somit den Mietspiegel auf einen bezahlbaren Level hält.

3. Die aktuelle Erbschaftssteuer zwingt Einheimische viel zu oft, Haus und Hof an gierige Bauträger zu verkaufen, um so die staatlichen Abgaben zu bezahlen. Das ist ungerecht, führt in unserer Region zu einem Ausverkauf der Heimat.

4. Föderal hin oder her: Die Starkregen-Katastrophe im Westen hat uns allen vor Augen geführt: Wir sind im Oberland genauso gefährdet. Wir brauchen eine pro-aktive Schutzpolitik. Fragt man die meisten Bürgermeister, bekommt man bestenfalls ein Schulterzucken.  Wald ist nicht Wirtschaftsraum oder Privatangelegenheit von Betonbonzen. Wald ist Menschenschutz. Wenn schon die Landesregierung pennt, dann muss der Bund uns vor Katastrophen stärker schützen. Oder wollt ihr wieder mit neuen Gummistiefeln und ratlosen Gesichtern vor Trümmern laufen?

5. Unsere Öko-Modellregion setzt Maßstäbe. Statt unsere Bauern mit wirren Anbindehaltung-Diskussionen zu in die Ecke zu stellen, nehmt sie als Vorbilder und Standards in andere Gegenden der Republik. Wir sind Aushängeschild. Das müssen wir zeigen und fördern. Ob Naturkäserei oder Öko-Bauernhöfe – so muss unsere Zukunft ausschauen. Mit Bauern, statt gegen sie. Fördern wir jene, die mit Veränderung und Mut eine neue Landwirtschaft aufbauen. .

6. Tourismus muss Grenzen haben. Das Tegernseer Tal steht vor einer gigantischen Bauwelle. In fast jedem Ort wird es in den nächsten zwei Jahren gigantische Baustellen geben, die Nerven kosten, Dreck und Staus erzeugen. Unser Lebensraum wird von Krach und Verkehr massiv beeinträchtigt: Guggemos, Westerhof, Almdorf, Wildbad Kreuth, Grühn-Areal, Kirinius-Tiefgarage, Bachmair-Weissach… Das Tal wird ersticken.

Wir brauchen dringend eine bundesweite Diskussion über Over-Tourism, wenn wenige Touristen-Lobbyisten den Lebensraum von vielen so massiv niedermachen. Auch hier wäre die Landesregierung gefragt, aber ob Aigner oder von Löwis: immer wieder steht das Geldverdienen Weniger im Vordergrund. Hier kann nur der Bund stärker einwirken.

7. Digitalisierung ist kein Neuland mehr – auch nicht für Konservative. Der Netzausbau ist selbst in den Innenbereichen der Gemeinden bisweilen mangelhaft, Druck auf einen schnellen Ausbau wird nicht gemacht. Manch Bürgermeister und Gemeinderat vor Ort geriert sich hinterwäldlerisch (“Dieses 5G ist vielleicht gefährlich. Las ich im Internet”). Firmen sind aber zunehmend, das hat die Pandemie gezeigt, abhängig vom Internet. Verkehr ließe sich reduzieren, wenn ein solides Netz auch home office sicher zuließe. Hotels ohne oder nur schlechtem w-lan sind eine Schande für unsere Region.

Tele-Medizin wird für eine zunehmend ältere Generation lebensverlängernd sein, wenn nicht wirre Gemeinderäte einen Ausbau verhindern. Wir brauchen keine eitlen Damen aus Franken wie Doro Bär, sondern Fachkräfte die diesen Druck auf unsere Hinterwäldler erzeugen, sie zwingen, Fördergelder endlich abzurufen, den Ausbau anzupacken. Zu lange wurden wir auch hier vom schlechtesten Minister der Merkel-Regierung behindert.

8. Menschen ohne Arbeitsnutzen und Wahlstimme sind vergessen. In einem der reichsten Landkreise verrecken alte Menschen in einem Seniorenheim. Ja, verrecken. Es war würdelos und unangemessen, wie wir jahrelang wegschauten. Die Überlebenden werden nun für ihre letzten Tage an andere Orte endgelagert. Aber für jene Alten im Tegernseer Tal, die sich nicht die 24/7-Betreuung aus Rumänien oder Polen im Angestellten-Trakt der Landhausvilla leisten können, wird es zu teuer, hier zu überleben. Mit einer kleinen Rente und ohne Eigentum, werden diese Rentner an günstigere Orte auswandern müssen. Und die, die bleiben, erleben was Pflegenotstand bedeutet, weil Mitarbeiter von Pflegediensten und Heimen nicht mehr hier arbeiten können, weil sie sich das schöne Leben im Tal nicht mehr leisten können. Die Privatisierung des Pflegesektors hat in Schliersee ein böses Fanal erlebt. Das muss in Berlin geändert werden. Hier wird auf lokaler Ebene nur herumgezwergt.

 

Es ist unsere Zukunft. Ihr Kandidaten habt die Verantwortung, unsere Probleme und Fragen mit nach Berlin zu nehmen und für uns zu kämpfen. Vier weitere verschlafene Jahre wären fatal.


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