Ein Besuch im Rottacher Tierheim
Was wünschen sich Felix und Strolchi zu Weihnachen?

von Marion Bürkner

Gerade in der Vorweihnachtszeit wollen viele Menschen helfen. Auch die Tiere im Rottacher Tierheim können jede Unterstützung gebrauchen. Wir haben die Bewohner mal besucht.

Der Schäfermischling Strolchi hat fast sein ganzes Leben lang in einer dunklen Wohnung leben müssen. Der acht Jahre alte Rüde ist dominant, freundlich und ruhig. Er braucht allerdings unbedingt einen erfahrenen Hundehalter, am besten einen, der sich mit Schäferhunden auskennt / Marion Bürkner

Alle Jahre wieder ist die Vorweihnachtszeit auch die Zeit des Spendens und des Mitgefühls. Wie wäre es dieses Jahr mit einem Herz für Tiere, die bisher noch nicht viel Glück in ihrem Leben hatten. Im Tierheim in Rottach warten derzeit acht Hunde (zwei Hunde werden auf Pflegeplätzen betreut), 13 Katzen, vier Stallhasen und zwei Wellensittiche auf ein neues und glückliches Zuhause. Daneben leben im Tierheim zwei Ziegen und sechs Wildvögel.

Die Tiere sind allerdings kein Weihnachtsgeschenk und vor allem kein Festtagsbraten. Man möchte es kaum glauben, dass Markus Glanz, der Leiter des Tegernseer Tierheims tatsächlich in den letzten Tagen von Menschen am Telefon gefragt wurde, ob die Stallhasen auch zu verkaufen seien, sie würden zu Weihnachten gerne Hasenbraten essen. Auch sonst sind die Tiere, die sich momentan in der Obhut von Markus Glanz und seinem Team befinden, keine niedlichen Kuscheltiere. Sie alle haben eine meist traurige Geschichte hinter sich und sind oft traumatisiert. Aber gerade diese armen Wesen verdienen einen warmen und liebevollen Platz, wo sie den Rest ihres Lebens artgerecht und glücklich leben dürfen.

Und genau das ist es auch, was sich Strolchi, Karlo, Paloma, Felix und die anderen vom Christkind wünschen. „Wir veranstalten hier im Tierheim über die Feiertage kein großes Brimborium“, erklärt Markus Glanz. „Die Tiere, die zu uns kommen, brauchen vor allem Zeit, Ruhe und einen geregelten Tagesablauf, um selbst zur Ruhe zu kommen und wieder Vertrauen und Sicherheit zu gewinnen. Unsere Schützlinge bekommen von uns jeden Tag ausreichend optimales Futter, Streicheleinheiten und Zuwendung und hin und wieder auch ein Leckerli.“

Geld-, Zeit- und Futterspenden immer erwünscht

Wer den Tieren und dem Tierheim helfen möchte, macht das am besten mit einer Geld- oder Futterspenden. So wie die Mittelschule Fischbachau und die Montessorischule in Hausham. „Sie haben einfach einen Wunschzettel geschickt, auf den ich schreiben sollte, was wir im Moment am dringendsten benötigen“, erzählt Markus Glanz. „Das ist super und hilft uns wirklich.“ „Für Geldspenden ist ein Tierheim immer dankbar, neben Futter- und Unterkunft entstehen viele andere Kosten. Tiere, die in unsere Obhut genommen werden, sind manchmal in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand, was im ersten Moment nicht erkennbar ist.

Für einen Hund fielen neben den Fixkosten für die tierärztliche Versorgung und zwei notwendige Operationen über 15.000 Euro an“, erklärt Johanna Ecker-Schotte, erste Vorsitzende des Tierheims und des Tierschutzvereins Tegernseer Tal e. V. Wer lieber Zeit und Liebe spenden möchte, ist im Tierheim in Rottach-Egern ebenfalls herzlich willkommen. „Viele unserer Tiere sind verängstigt und haben Schlimmes erlebt; sie müssen erst wieder Vertrauen zu Menschen aufbauen. Da hilft es uns, wenn jemand sich die Zeit nimmt, einfach in der Nähe des Tieres zu sein, sein Vertrauen zu gewinnen und es dann auch streichelt und mit ihm redet.“

Die beiden Maine Coon Katzen Paloma und Felix sind zwar schon alt aber sehr verschmust und wünschen sie sehnlichst einen liebevollen Platz für ihren Lebensabend / Tierheim

Ecker-Schotte berichtet von einer jungen Frau mit großem Herz, die den ältesten und kränksten Kater zu sich genommen hat, um ihm in seinem Leben noch ein paar Monate voller Wärme und Zuneigung zu schenken. So einen Engel wünschen sich auch die beiden Maine Coon Katzen, Paloma und Felix. Der blinde Kater (14 Jahre) und seine Mutter (18 Jahre) sind schon etwas älter und sehr verschmust. „Es wäre schön, wenn diese beiden für ihren Lebensabend einen ruhigen Platz mit viel Liebe und Streicheleinheiten finden würden“, so Johanna Ecker-Schotte.

Auflagen und Voraussetzungen

Wer sich für einen Schützling aus dem Tierheim entscheidet, dem sollte klar sein, dass er ein Lebewesen mit Vergangenheit zu sich nimmt. Diese Tiere brauchen eine erfahrene und liebevolle Hand. Daher überprüft Markus Glanz jeden Bewerber gewissenhaft, ob sie oder er für seinen Schützling geeignet ist. Die Voraussetzungen sind nicht ohne. „Wir wollen den richtigen Platz für unsere Tiere“, erklärt Ecker-Schotte.

Glanz verweist vor allem auf die Kostenfrage. Denn ein Haustier verschlingt in seinem Leben doch mehrere tausend Euro an Lebenshaltungskosten, Tierarztrechnungen noch nicht mitgerechnet. Das sollte sich jeder Tierfreund gut überlegen, ob er sich das Tier auch ein Tierleben lang leisten kann. Dafür hat der Tierschutzverein Tegernseer Tal e.V. auf der Webseite des Tierheims einen Eignungstest für zukünftige Tierhalter erstellt und steht auch sonst gerne jedem beratend zur Seite, der sich überlegt, ein Tier anzuschaffen.

Wünsche zu Weihnachten

Und was wünschen sich Markus Glanz und Johanna Ecker-Schotte zu Weihnachten? Natürlich, dass alle ihre Schützlinge bald den für sie besten Platz finden und ein glückliches Tierleben haben. Dann natürlich: Tiere sind kein Weihnachtsgeschenk, sondern eine Entscheidung, die gut überlegt sein soll!

Ein Haustier lebt meist weit über zehn Jahre, macht Arbeit, verursacht Kosten und braucht Zeit und Zuwendung. Ein weiterer großer Wunsch ist der Verzicht auf Böller – Für viele Menschen bedeutet das Feuerwerk zu Silvester Spaß; bei Tieren, die meist ein viel feineres Gehör haben als wir, lösen die lauten Böller Angst und Stress aus. Das betrifft Haustiere genauso wie Wildtiere.

Dieser scheue aber liebe Kater wurde in Otterfing gefunden. Er wird von Tag zu Tag zutraulicher, vor allem zu Kristin Kampe, einer der Mitarbeiterinnen im Tierheim. Er bräuchte ein liebevolles Zuhause mit Freigang als Einzelkatze / Marion Bürkner

Die heimischen Wildvögel sind im Tierheim in den vergangenen Jahren überhaupt ein immer größeres Thema geworden „Den Vögeln geht es nicht so gut. Ihr Lebensraum schwindet“, erklärt Markus Glanz. Im Moment kümmert sich das Tierheim in einer eigenen Außenvoliere um sechs Wildvögel.

Dazu kommen rund 60 bis 70 wilde Vögel, die täglich auf das Gelände des Tierheims am Wald zur Fütterung kommen. Wir alle können den heimischen Wildvögeln helfen, indem wir Meisenknödel und anderes Vogelfutter den Tieren anbieten, damit diese gut über den Winter kommen. Und dabei können wir unsere gefiederten Freunde auch gleich besser kennenlernen.


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