Suche nach einem Verkehrskonzept fürs Tegernseer Tal

Weg vom Auto – hin zum Fahrrad

Staus – mal kürzer, mal länger – sind ein tägliches Problem im Tegernseer Tal. Um dieses in den Griff zu bekommen, sucht die Politik nach einem Verkehrskonzept. Jetzt wurde bekannt, welche Ansätze oberste Priorität genießen. Nur so viel: Die Ringbahn ist es nicht.

Damit Autofahrer ihren Wagen in der Garage lassen, soll unter anderem das Radwegenetz gestärkt werden.
Damit Autofahrer ihren Wagen in der Garage lassen, soll unter anderem das Radwegenetz gestärkt werden.

Bis zu 30.000 Autos fahren täglich ins und im Tegernseer Tal. Dabei macht der Ausflugsverkehr nur einen Teil des Problems aus. Vor allem die Autofahrer, die aus dem Tal sind und sich auch dort bewegen, verstopfen laut verschiedenen Studien die Straßen.

Ein Verkehrskonzept soll hier Abhilfe schaffen. Nach einem großen Workshop im Herbst 2013 in Waakirchen lud Landrat Wolfgang Rzehak gestern zu einem Informationsgespräch, um über den aktuellen Stand zu informieren.

Radwegenetz verbessern

„Der Landkreis sollte sich zunächst auf Maßnahmen konzentrieren, die er selbst in der Hand hat. Es hat keinen Sinn, Luftschlösser zu errichten“, sagt Professor Dr. Jürgen Schmude von der LMU München. Schmude berät den Landkreis derzeit in Sachen Verkehrskonzept. Dabei haben die Verantwortlichen vor allem kurz- und mittelfristige Maßnahmen im Blick.

So soll in diesem Jahr das Radwegenetz am Tegernsee, aber auch im gesamten Landkreis weiter ausgebaut, besser beschildert und Lücken beseitigt werden. Über eine direkte Vernetzung mit dem Angebot des RVO und der BOB sollen die Bürger so dazu gebracht werden, auf ihr Auto zu verzichten. Auch in Bussen soll es künftig möglich sein, das Fahrrad mitzunehmen.

Darüber werden zeitnah Gespräche mit den RVO-Verantwortlichen geführt. „Über den Ausbau des Radwegenetzes schlagen wir mehrere Fliegen mit einer Klappe. Es ist umweltfreundlich, verkehrsschonend und ein touristischer Pluspunkt“, so Landrat Wolfgang Rzehak. Gleichwohl plädierte er dafür, dem Bürger die Möglichkeiten, die Bus und Bahn bieten, noch mehr zu verdeutlichen.

Kein Zehn-Minuten-Takt möglich

Zuletzt hatte der RVO Schlagzeilen gemacht, weil Busverbindungen aus dem Tal nach München stark reduziert wurden. Außerdem müssen Skigäste, die mit BOB und Bus von München in die Sutten wollen, nun zweimal statt bisher einmal umsteigen.

Auf Einladung von Landrat Wolfgang Rzehak wurde gestern Nachmittag über Lösungswege aus dem Verkehrschaos gesprochen.
Wege aus dem Verkehrschaos – die Aufgabe wird nicht einfach.

„Unser Ziel muss es sein, auch die Touristen noch stärker über öffentliche Verkehrsmittel in den Landkreis zu bringen. Dafür müssen Lücken im Netz beseitigt werden“, so der Geschäftsführer der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS), Harald Gmeiner. Die Gäste sollen künftig noch besser über die Verbindungen informiert werden.

Im vergangenen Jahr hatte der RVO begonnen, Haltestellen mit elektronischen Anzeigen auszustatten, daran wird nun angeknüpft. Zudem kommen einzelne Haltestellen auf den Prüfstand, um zu sehen, ob diese an der jetzigen Stelle weiter Sinn machen. Über den Wunsch einer Taktverdichtung der Busse sagt Wolfgang Rzehak:

Einen Zehn-Minuten-Takt wie in der Großstadt werden wir uns im Landkreis nicht leisten können.

Neben der Stärkung öffentlicher Verkehrsmittel soll auch das „Car-Sharing-Modell“ im Landkreis bekannter werden. „Wir wollen das Prinzip der Mitfahrgelegenheiten auch auf regionaler Ebene voranbringen“, so Florian Brunner von der Standortmarketing Gesellschaft des Landkreises (SMG). Auch die „intelligente Ampelschaltung“ zur besseren Steuerung in stauträchtigen Situationen ist weiter eine Option. Hier müsse man sehen, was finanzierbar sei, so Peter Schiffmann vom Landratsamt Miesbach.

Der Gmunder Verkehrsexperte Anton Grafwallner hatte zuletzt immer wieder die Ampel an der Kreuzstraße als neuralgischen Punkt ausgemacht. Dort wird in diesem Jahr eine Ampel für Linksabbieger von Bad Tölz in Richtung Holzkirchen errichtet. Ein Unfall hatte dort vor wenigen Tagen wieder für Aufregung gesorgt.

Ringbahn bleibt Wunschtraum

Die Ringbahn um den Tegernsee bleibt indes weiter eher eine Wunschvorstellung als ein realistisches Ziel. Hier fehlt es vor allem zwischen Tegernsee und Rottach-Egern an den nötigen Flächen. Als wichtiges Fernziel gab Landrat Wolfgang Rzehak zunächst einmal die Elektrifizierung der BOB-Strecke aus.

In den nächsten Monaten sollen nun weitere Workshops zum Thema Verkehr stattfinden. Koordiniert werden diese durch eine kleine Steuerungsgruppe bestehend aus Vertretern von SMG, ATS, Energiewende Oberland und dem Landkreis. Bis die Staus im Tegernseer Tal aber eingedämmt werden, dürften wohl noch einige Workshops ins Land gehen.


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