Weihnachtliche Nachlese: Was Geschenke über den Schenker sagen

Von Toni

Man kann nicht nicht kommunizieren, und auch schenken ist Kommunikation. Das hat die Wissenschaft festgestellt. Genaugenommen der Soziologe Dr. Holger Schwaiger von der Universität Erlangen.

Schwaiger hat eine Doktorarbeit übers Schenken geschrieben und dank dieser ist er gefragter Interviewpartner am 24. und 25. Dezember in den Medien gewesen. Zu spät, als dass wir noch wissenschaftlich korrekt hätten schenken können.

Immerhin können wir nun anhand unserer Geschenke im Nachhinein feststellen, was wir dem Beschenkten mit dem Geschenk noch so alles sagen wollten. Doch wollten wir das überhaupt?

Strahlende Augen, liebevolle Umarmungen…

Wer Gutscheine schenkt, sagt damit laut Dr. Schwaiger, dass der Beschenkte doch die Last und Mühe des Aussuchens selbst übernehmen solle. Und wer sein Geschenk mit dem Kassenbon überreicht sagt dem Beschenkten: „Mein lieber Beschenkter, ich kenne dich eigentlich gar nicht richtig, vermutlich gefällt dir das Geschenk nicht. Du kannst es umtauschen.“

Geldgeschenke sind tabu und gesellschaftlich geächtet, zeigt man damit doch allzu deutlich wie viel der Beschenkte einem Wert ist. Und wenn man mit einem Geschenk komplett danebenlag, dann gibt es immer noch die Chance darüber zu reden. Womit wir wieder beim Kommunizieren wären. Denn nur, wer sich mit der Persönlichkeit des anderen beschäftigt, weiß, was ankommt.

Nun gut, ich habe mich mit der Persönlichkeit der Beschenkten beschäftigt und darüber hinaus manche gefragt, was sie sich wünschen – mal mehr, mal weniger offensichtlich. Taschengeld für eine Reise nach Miami, ein Gutschein für die Seesauna in Tegernsee oder für eine Theaterkarte nach Wahl, so lauteten die Antworten.

Was soll ich sagen, die Beschenkten schienen mir höchst zufrieden. Strahlende Augen, liebevolle Umarmungen – ich glaube an die Echtheit solcher Ausdrucksformen der Freude.

Vielleicht sollte Dr. Schwaiger mal eine wissenschaftliche Untersuchung übers Wünschen schreiben. Die Fragestellung der Arbeit: Was sagen die Beschenkten eigentlich mit ihren Wünschen aus? Vielleicht werden im kommenden Jahr auch Kurse für richtiges Schenken und Wünschen angeboten.

Und wenn es mit der Kommunikation zwischen Schenkendem und Beschenkten, zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter, so gar nicht klappt, kann man ja immer noch einen Kursgutschein oder das Buch von Dr. Schwaiger „Schenken. Entwurf einer sozialen Morphologie aus Perspektive der Kommunikationstheorie“ verschenken.

Nur was sagt ein solches Buchgeschenk über den Schenkenden und erst recht den Beschenkten aus? Was würde wohl Dr. Schwaiger dazu sagen?


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