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Warum sich Schulen dem Problem stellen

Wenn das Kind zum Mobbingopfer wird

Von Alexander Bronisch

„Bei uns doch nicht“, heißt es gerne, wenn Organisationen, Unternehmen und Schulen gefragt werden, ob es bei Ihnen schon Fälle von Mobbing gegeben hat. Aber dazu kann es überall kommen. Wie man erkennt, ob das eigene Kind ein Opfer von Angriffen ist und wie man sich wehren kann.

Das Tegernseer Gymnasium beschäftigt sich immer wieder mit dem Thema Mobbing -  Tanzstück zum Thema Mobbing im Jahr 2014 / Archivbild
Das Tegernseer Gymnasium beschäftigt sich immer wieder mit dem Thema Mobbing – Tanzstück zum Thema Mobbing im Jahr 2014 / Archivbild

„Man muss gewappnet sein“, forderte Tegernsees Direktor Werner Oberholzer in seiner Begrüßung, denn: „Die letzten, die von Mobbingfällen erfahren, sind die Lehrkräfte und die Eltern.“ Deshalb hat er die Aula des Gymnasiums für den vom Elternbeirat organisierten Vortragsabend zur Verfügung gestellt.

Der Referent Tom Weinert ist Polizist in München und beim dortigen Kriminalkommissariat als Ermittler bei Jugenddelikten tätig. Schon oft hatte er mit Mobbing zu tun. Deshalb hat er sich intensiv in das Thema und in die entsprechende Fachliteratur eingearbeitet.

Nicht jeder Konflikt ist gleich Mobbing

Gleich zu Beginn seines Vortrags über „Mobbing als Verhaltensmuster“ macht Weinert klar: Man muss Mobbing von Konflikten abgrenzen. Nicht immer ist es auf den ersten Blick klar, um was es sich handelt. Denn weder lassen sich Konflikte mit den Methoden für Mobbingfälle lösen, noch kann Mobbing mit Konfliktlösungsstrategien beendet werden. Jeder Fall muss gesondert betrachtet werden.

Typisch sei die Rollenverteilung. Es gibt einen Täter und Mittäter, Helfer, Zuschauer und ein Opfer. Die Täter üben Gewalt aus, die auch körperlich sein kann, die aber in erster Linie die Seele des Betroffenen verletzt. Dieser nimmt häufig die Rolle des Opfers an und lässt sich ausgrenzen. Oft kommt es zu einem Leistungsabfall, zu Schulverweigerung und zu Persönlichkeitsveränderungen. Schließlich muss man auf Anzeichen einer psychischen Traumatisierung achten, die in Ausnahmefällen sogar zu Selbstverletzungen und Suizid führen kann.

24 Stunden Diffamierung über die Sozialen Medien

Besonders schlimm sei, so die Einschätzung Weinerts, das Cybermobbing über soziale Medien wie Facebook und WhatsApp. Herabwürdigungen und Beleidigungen tun ihre Wirkung in diesen Gruppen. Auf diese Weise ist das Opfer den Anfeindungen und Angriffen nicht nur am Arbeitsplatz oder in der Schule ausgesetzt, sondern rund um die Uhr.

Die Lösungsansätze, die der Referent darlegt, beginnen immer mit der Analyse der Situation: Liegt überhaupt Mobbing vor oder kommen andere Ursachen in Betracht? Wer ist beteiligt, wer ist der Täter? Gibt es Beweise? Falls ja, soll man sie unbedingt beispielsweise durch Screenshots sichern. Besonders wichtig, so Weinert, ist es, mit dem Opfer zu sprechen und ihm Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Zahl der Vortragsgäste war überschaubar. Der Abend war von der Beerdigung eines verunglückten Schülers nur wenige Stunden zuvor überschattet. / Foto: Bronisch
Die Zahl der Vortragsgäste war überschaubar. Der Abend war von der Beerdigung eines verunglückten Schülers nur wenige Stunden zuvor überschattet / Foto: Bronisch

Gerade diese Aufmerksamkeit und Anerkennung ist es ja, die dem Betroffenen zunehmend entzogen wird. Ziel müsse es sein, die Mobbingsituation aufzulösen. Das Opfer aus seinem Umfeld herauszunehmen, bringe im Allgemeinen nichts. Die Opferhaltung, die ein Betroffener angenommen habe, mache ihn auch in einem neuen Umfeld zu einer potentiellen Zielscheibe von Anfeindungen.

Auch der Täter muss aus seiner Rolle herausgeholt werden. Gespräche mit den Eltern seien meistens wirkungslos. „Mein Kind tut doch sowas nicht“, sei die Reaktion in 80 Prozent der Fälle. Tatsächlich verfügen viele Mobber über eine hohe soziale Kompetenz und verstehen es, ihr Umfeld zu manipulieren. In jedem Fall sei es geboten, sich Hilfe zu holen: bei den Lehrern, bei Psychologen und in Fällen, in denen es strafrechtlich relevante Taten gebe, auch bei der Polizei.

Ein gutes Schulklima ist das A und O

Noch wichtiger aber sei es, an der Schule oder am Arbeitsplatz Voraussetzungen zu schaffen, unter denen Mobbing nicht gedeihen kann. Am Tegernseer Gymnasium sind viele wichtige Elemente bereits verwirklicht, lobt Weinert. Ganz wichtig sei das Schulklima; dass Schüler die nötige Aufmerksamkeit erfahren, zugleich aber auch Grenzen aufgezeigt werden.

Die Schulleitung und die Lehrerschaft haben das Problem „Mobbing“ erkannt. Neben der Schulpsychologin und der Betreuungslehrkraft gibt es sogar ein Anti-Mobbing Team aus Lehrern, die sich in einer schulinternen Fortbildung speziell mit dem Thema beschäftigt haben. Zum Thema „Mobbing“ hat Tom Weiner über 500 Seiten im Internet gefunden. Für den Einstieg empfiehlt er vor allem drei: www.klicksafe.de, www.schau-hin.info und www.handysektor.de.

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