Tegernseerstimme
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Ein Tegernseer kämpft seit Jahren für mehr Sicherheit rund um den See

Wo der Radfahrer zum Hindernis wird

Mehr Häuser, mehr Autos, mehr Verkehr, mehr E-Bikes. Wohin das führt? Zu Engpässen auf Tegernsees Straßen. An den vielen Radlern kommt selbst der flotteste Autofahrer so mancherorts im Tal nicht so leicht vorbei. Der Tegernseer Albrecht von Perponcher sucht seit Jahren nach einer Lösung. Mit ihm haben wir eine Tour um den See gemacht.

Radfahrer haben nicht überall rund um den Tegernsee die Möglichkeit, auf sicheren Wegen zu fahren. / Fotos: Nicole Kleim

Albrecht von Perponcher ist Tegernseer, leidenschaftlicher Biker und der Meinung, dass verschiedene Straßenabschnitte rund um den Tegernsee für Radfahrer verbessert werden könnten und müssten. Durch den zunehmenden Verkehr habe sich die Gefahr sowohl für Rad- als auch für Autofahrer im Laufe der Jahre erhöht, gibt er im Hinblick auf eine gute, sichere und zukunftsorientierte Lösung zu Bedenken.

Während in anderen Städten und Gemeinden keine Kosten und Mühen gescheut werden, um verkehrsberuhigende Lösungen zu finden, würde das Thema „Radwege“ am Tegernsee noch sehr stiefmütterlich behandelt werden. Von seinem Balkonfenster in Tegernsee Süd zählt Perponcher bei schönem Wetter viertelstündlich 250 bis 300 Radfahrer – ein Schnitt von 1.000 Radlern pro Stunde.

Sein Vorschlag: Ein doppelseitiger Radweg rund um den Tegernsee. Gut findet er auch einen etwa ein Meter breiten, auf der Fahrbahn aufgemalten roten Radfahrstreifen zwischen Gehweg und fließendem Verkehr, so wie es die Stadt Rosenheim handhabt.

Radler im Wechslerstress

Dort wurde die Diskussion um einen durchgängigen Schutzstreifen auf der Fahrbahn neu entfacht, als eine Radfahrerin von einem Lkw überrollt wurde und mehrere Trümmerbrücher erlitt. Auch am Tegernsee ist die Sicherheit von Radfahrern gefährdet, wenn sie an einigen Stellen von der Fahrbahn auf den Gehweg wechseln müssen und umgekehrt. Wo genau diese Engstellen sind, das hat uns Albrecht von Perponcher am vergangenen Samstag gezeigt.

Mit ihm sind wir einmal um den See gefahren. Los ging’s von Seeglas in Gmund in Richtung Kaltenbrunn. Zwischen Bahnhof und Bahnübergang – in Höhe Strandbad-Parkplatz – wird der Radweg auf der rechten Seite zum Fußgängerweg. Die erste kritische Stelle. Wenn Radler diesen Weg befahren, dann tun sie dies also verbotenerweise. Perponcher schlägt hier eine Straßenerweiterung zur Seeseite vor.

Links der fehlende Radweg Höhe Strandbad-Parkplatz, rechts der Weg, der zum Fußgängerweg wird. / Foto: N. Kleim

Ab Kaltenbrunn ist der Radweg dann nur noch auf der linken Seite befahrbar. Hier gebe es laut Perponcher die Möglichkeit, auf der rechten Seiten einen zusätzlichen, bergseitigen Radweg zu schaffen, der bis zur Wiesseer Spielbank reicht. Vorausgesetzt, die dort ansässigen Grundstückseigentümer wären einverstanden, einen kleinen Streifen von ihrer Fläche abzutreten. Ebenso wäre auf der relativ breiten Straße ein roter Radfahrstreifen direkt auf der Fahrbahn möglich.

Rechts vom Fahrstreifen könnte man einen etwa ein Meter breiten Streifen laut Perponcher ebenfalls für Radfahrer ausweisen. / Foto: N. Kleim

Strecke ab Ringsee völlig vernachlässigt

Ab Ortseingangsschild Bad Wiessee wird es für Radfahrer holprig. Obwohl eine Alternative am See entlangführt, ist es für Radfahrer, die lieber an der Straße entlang fahren wollen, relativ schwierig, auf diesem unebenen Weg mit Tempo zu fahren. Nächste Engstelle ist der Lindenplatz. Bei dessen Neugestaltung sei überhaupt nicht mehr an Radfahrer gedacht worden, bedauert Perponcher.

Ab Wiesseer Rathaus wären die Wege beidseitig der Fahrbahn bis zur Söllbachbrücke laut Perponcher „breit genug für eine Teilung“. Ebenso der darauffolgende Fußweg ab Wiesseer Hof. Danach – ab Ringsee – beginnt das Stück Strecke, das der Kreuther Bürgermeister Josef Bierschneider vernachlässige, wie Perponcher beanstandet.

Ortseingang von Bad Wiessee: Rechts ist der holprige Weg zu erkennen. / Foto: N. Kleim

Kritisch wird es deshalb in Höhe der Ringsee-Bushaltestelle. Dort kommt der Radfahrer kaum bis gar nicht auf die andere Straßenseite. Der dortige Schotterweg müsse ebenso gemacht werden, so Perponcher. Und auch hier gebe es seiner Meinung nach die Möglichkeit, auf beiden Seiten der doch sehr breiten Straße einen Radweg zu schaffen, wenn man das Gespräch mit den Grundstückseigentümern suchen würde.

Breite Straßen würden Autofahrer nämlich zu schnellerem Fahren verleiten, merkt Perponcher an. Wenn aber die Fahrbahn, und sei es nur optisch, durch Fahrradmarkierungen links und rechts schmäler wirkt, fahre man unwillkürlich etwas langsamer. Dieser geschwindigkeitsreduzierende Effekt sei bei Gegenverkehr noch ausgeprägter, so Perponcher.

Zumal in Höhe des nach dem Ringsee folgenden Steges eigentlich alles für einen Weg in Richtung Kreuth beziehungsweise Rottach-Egern vorbereitet wäre, meint der Tegernseer, denn ab der Supermarktkette Aldi setze der Radweg sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seiten seinen Weg fort. „Nichts steht hier einem Radweg im Wege“, meint Perponcher. Er empfindet es als „Schande“, dass nichts gemacht wird.

In Höhe Ringsee geraten Radfahrer in Stress, wenn sie die Straße überqueren wollen. Rechts der erwähnte Steg./ Foto: N. Kleim

Warum der Kreuther Bürgermeister, zu dessen Gemeinde dieses Gebiet gehört, bisher nichts in dieser Richtung unternommen hat, ist ihm schleierhaft. Mehrere Anfragen hat er bereits an Josef Bierschneider diesbezüglich gestellt. Seine Antwort sei immer die gleiche gewesen: Das Straßenbauamt Rosenheim sei für Fahrradwege im Außenbereich zuständig, nicht die Gemeinde.

Wie Bierschneider jedoch in einer Email an Perponcher im März dieses Jahres auf dessen wiederholte Nachfrage erklärt, habe die Gemeinde beim Straßenbauamt einen solchen Fahrradweg angeregt, aber die Antwort erhalten, dass „das Straßenbauamt nach der Fertigstellung des Geh- und Radweges entlang dem Ringsee (östlich der Bundesstraße) keinen dringenden Bedarf mehr sieht, einen zweiten Radweg anzulegen.“

Nadelöhr Rottach – wo Hausfrauen sich per Rad in den Verkehr einfädeln

In Rottach-Egern folgt sodann ein weiteres Nadelöhr. Ab dem Weinhaus Moschner beziehungsweise der Bäckerei Tremmel endet der Bürgersteig und damit auch der Radweg. Autofahrer würden hier zeitweise in Schlangen hinter Radlern hertuckeln, so Perponcher, lautstark hupen und Beschimpfungen aus dem heruntergekurbelten Autofenster grölen. Auch seien auf dieser Strecke viele Hausfrauen unterwegs, deren Sicherheit Perponcher besonders am Herzen liegt.

Perponcher sieht auch hier eine Chance, die Fahrbahn um etwa einen Meter zu verbreitern. Möglich wäre dies durch eine Flächenerweiterung links der Fahrbahn. Laut Perponcher befinden sich die dortigen Grundstücke zum Teil im Besitz der Adelsfamilie Henckel von Donnersmarck, die seiner Ansicht nach sicherlich gesprächs- und verhandlungsbereit wäre.

In Rottach-Egern wird’s besonders eng. Hier werden Radfahrer zum regelrechten Hindernis und verursachen Autoschlangen. / Foto: N. Kleim

Der Rottacher Bürgermeister Christian Köck habe bislang allerdings alle Lösungsvorschläge immer mit der Begründung abgelehnt, so Perponcher, die Forderungen der Grundstückseigentümer seien zu hoch. Auf Nachfrage erklärt Bürgermeister Christian Köck jedoch:

Der von Herrn Perponcher geforderte Radweg beziehungsweise Fahrstreifen für Radler, im Bereich von der Kreuzung Karl-Theodor-Str./Kisslingerstraße in Richtung Weißachbrücke bereits bei der Gemeinde angekommen ist.

Auch der zweite Bürgermeister Josef Lang habe dieses Thema schon wiederholt aufgeworfen, betont Köck. Aus diesem Grund werde sich der Gemeinderat im Rahmen seiner nächsten Klausurtagung, die im Frühjahr 2019 geplant ist, nochmals eingehend mit dieser Thematik befassen.

Im Anschluss daran werde ein Verkehrsplaner sowie das Straßenbauamt Rosenheim und die Untere Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt Miesbach mit hinzugezogen, teilt Köck mit. Vermehrte Beschwerden aus Radlerkreisen seien bislang nicht bei der Gemeinde eingegangen, obwohl auch sportlich ambitionierten Radler auf der Straße fahren würden. Ältere Menschen und Kinder dürfen dagegen sogar mit ihren Rädern die vorhandenen Gehwege benutzen, wenn sie dabei Rücksicht auf die Fußgänger nehmen. Köck weiter:

Aller Wahrscheinlichkeit streben wir eine Verbreiterung des bestehenden Gehwegs auf der linken Seite Richtung Weißach an. Dazu müsste der vorhandene Grünstreifen zur B307 hin verschmälert werden. Ein zusätzlicher Streifen für Radler könnte dann angelegt werden. Ich möchte aber nicht der Entscheidung unseres Gremiums vorgreifen, sondern diese mögliche Variante lediglich grundsätzlich nochmals zur Diskussion stellen.

Wenn der Radfahrer zum Hindernis wird

Fährt man weiter nach Tegernsee, so ist die Kurve am Leeberg eine weitere Gefahrenstelle. „Aufgrund der engen Straße kommt man hier an keinem Radfahrer vorbei“, sagt Perponcher. So müsse man dann durch ganz Tegernsee fahren, weil nirgendwo überholt werden könne. Für Radfahrer „unglücklich“ empfindet er nicht nur die schmale Stelle an der Ampel Höhe Rathaus, sondern auch die aufgrund der Parkplätze an der Seesauna verengte Fahrbahn.

Am Leeberg haben Autofahrer keine Möglichkeit, Radfahrer zu überholen. / Foto: N. Kleim

Im Gegenzug dazu würden breite Straßen Autofahrer zu schnellerem Fahren geradezu verführen. Wenn aber die Fahrbahn – und sei es auch nur optisch – durch Fahrradmarkierungen links und rechts schmäler wirke, so Perponcher, so fahre man unwillkürlich etwas langsamer. Dieser geschwindigkeitsreduzierende Effekt sei bei Gegenverkehr noch ausgeprägter.

Lebensgefährlich seien in Tegernsee insbesondere die zur Absicherung des Parkplatzes eingebauten Säulen. Bürgermeister Johannes Hagn kenne die Problematik, so der Tegernseer. Da hier allerdings nahezu alles verbaut ist, wäre es schwierig für ihn, Alternativen zur Verbesserung der Gesamtsituation zu schaffen, was Perponcher nachvollziehen kann.

Er ist aber der Ansicht, dass zumindest die Pflastersteine auf dem linksseitigen Gehweg vom Bastenhaus bis zum Ortsausgang hin – vermutlich als Abgrenzung zur Straße gedacht – eine „künstliche Verengung“ des Weges darstellen, die abgeschafft gehört. Gerade weil auch immer mehr Leute mit E-Bike unterwegs seien, also Leute, die vielleicht sonst nicht Fahrrad fahren würden, sei eine Verbesserung der Situation um den See zwingend erforderlich, meint Perponcher. Er kann nicht nachvollziehen, warum seine Ideen seit Jahren kein bis wenig Gehör finden beziehungsweise nicht umgesetzt werden.

Links: Hier sind die Pflastersteine zu erkennen, die Perponcher als “künstliche Verengung” bezeichnet. Rechts: die Fahrbahnverengung durch die Parkplätze der Seesauna. Die dort installierten Säulen können laut Perponcher gefährlich sein. / Foto: N. Kleim

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