Wenn der “Rüsselhonig” fließt

von Nicole Kleim

Die Nase läuft, das Auge brennt und die Atmung schnappt nach jedem Strohhalm, der Sauerstoff verspricht. Symptome einer allergischen Reaktion auf Stoffe, die unsere heimischen Bäume momentan in alle Windrichtungen verstreuen. Die Folge: Heuschnupfen.

Hatschi... Nase zu und durch!
Hatschi… Nase zu und durch!

„Krankheit ist ein regelwidriger Zustand des Körpers und des Geistes.“

Ob Baum-, Kräuter- oder Gräserpollen – bei vielen von uns unter uns spielt das Immunsystem verrückt, sobald die Eiweiße aus den Pollen mit ihnen in Berührung kommen. Der Körper stuft die freigesetzten Substanzen in die Kategorie „fremd“ ein und wehrt sich dagegen. Ein oft unnötiger Kampf eines unterforderten Immunsystems durch jahrelange Schonung?

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Sicher ist, dass allergische Reaktionen in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben. Die Gründe vermutet man in übertriebener Hygiene und fehlendem Kontakt mit bestimmten Bakterien. Während Ärzte früher dazu rieten, Allergene zu meiden, empfehlen sie heute, gerade in den ersten Lebensmonaten mögliche Allergie-Auslöser bewusst in Kauf zu nehmen. Im Dreck spielen oder mit der Katze schmusen – kein Grund mehr zur Panik, sondern eine Möglichkeit, das Immunsystem zu stärken.

Angst oder Unverträglichkeit?

Ein Bluttest auf IgE-Antikörper gibt Hinweise auf eine Pollenallergie. Gemessen wird die Menge des Immunglobulin E (IgE). Ein erhöhter Wert deutet auf eine Abwehrreaktion des Körpers auf Allergene hin. Als Standardmethode gilt der Pricktest (englisch: prick test; prick bedeutet Strich). Auf die Innenseite des Unterarms werden verschiedene Allergen-Lösungen getropft. Mit Hilfe einer feinen Nadel wird in die Hautoberfläche gepikst. Rötet sich die Haut nach fünf bis sechzig Minuten, schwillt an oder bildet Quaddeln, weist das auf eine Allergie hin.

Der einzige Weg, um eine Allergie langfristig zu behandeln, ist die Hypersensibilisierung. Dabei gewöhnt man das Immunsystem in kleinen Schritten an den Auslöser. Die meist über mehrere Jahre dauernde Anwendung soll auch das Asthma-Risiko senken.

Weniger Pollenbelastung in den Alpen

Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst stuft die Pollenbelastung über zweitausend Meter und im alpinen Bereich generell deutlich geringer und vor allem kürzer ein als im Binnenland oder an der Küste. Die Gräserblüte dauert hier beispielsweise kaum länger als zwei Wochen, ist dafür aber umso intensiver. Ab Ende Juni fliegt im Alpenbereich so gut wie kaum noch etwas.

Auch die Mitarbeiter von der Marien-Apotheke in Holzkirchen bemerken den Pollenalarm. „Sobald der Winter vorbei ist, stürmen die Allergiker die Apotheken“. Ein Vorrat an frei verkäuflichen antiallergischen Tabletten und Augentropfen, sogenannte Antihistaminika, füllt dort zur Zeit das Medikamentenregal. Antihistaminika schwächen die Wirkstoffe des körpereigenen Botenstoffs Histamin ab, der für die Abwehr körperfremder Stoffe verantwortlich ist.

Allergikern wird daher empfohlen, tagsüber ihre Fenster zu schließen und auf Regen zu hoffen. Wenn die Frühjahrsblüher beginnen, ihre Stoffe in den Wind zu versprühen, bleibt den Sensiblen unter uns nur eines: Nase zu und durch!

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