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Wiesseer Grüne und FWG sprechen sich für SPD-Kandidaten aus

„Wenn schon nicht grün, dann Kühn“

Von Martin Calsow

In Bad Wiessee gibt es am 29. März 2020 eine Stichwahl für das Bürgermeisteramt. Im Rennen sind noch Robert Kühn von der SPD und Florian Sareiter von der CSU. Kühn bekommt jetzt Rückenwind – und zwar nicht nur von den Grünen in Bad Wiessee.

Sowohl Johannes von Miller (Grüne) als auch Birgit Trinkl (Wiesseer Block) unterstützen SPD-Bürgermeisterkandidat Robert Kühn.

Die Grünen empfehlen mit deutlichen Worten ihren Wählerinnen und Wählern die Wahl vom SPD-Bürgermeisterkandidaten Robert Kühn. So betont Johannes von Miller:

Da es sich bei der Stichwahl um eine Richtungswahl für Bad Wiessee handelt, sind wir der festen Überzeugung, dass sich unser Ort in den kommenden sechs Jahren kein Schlechtreden und keine Gimmick-Disqualifizierung mehr leisten kann.
Unser Aufruf an die Wiesseer Wähler: Wenn schon nicht grün, dann Robert Kühn. Bekennen Sie Farbe zur Stichwahl am 29. März.

Und auch die Freie Wählergemeinschaft Wiesseer Block haben sich klar für Robert Kühn ausgesprochen und ihn ihren Wählern eindringlich empfohlen. Birgit Trinkl, Chefin der FWG und Vermieterin von Ferienwohnungen: „Ich positioniere mich klar hinter Robert Kühn.“ Und weiter: „Ich schätze sehr seine kollegiale Art, seine Gesprächs- und Diskussionskultur, seine klare und ehrliche Haltung.

Kühn würde versuchen, ALLE am Ratstisch immer wieder mitzunehmen. Er kommuniziere offen und transparent. Er sei Unternehmer. Außerdem „steht er zu 1000% hinter Bad Wiessee als Gesundheitsstandort mit neuem Badehaus. Ich traue ihm zu, immer wieder hinzuhören; aber letztlich eine Entscheidung zu treffen und den Hut aufzuhaben.“ Das ist klar und eindeutig und muss die CSU schmerzen.

Warum ist Wiessee zweigeteilt? Ein Analyse

Woran liegt das? Was ist der Grund, dass jemand wie Johannes Hagn aus Tegernsee oder Christian Köck über alle Parteigrenzen hinweg, bei den allermeisten Bürgern und Funktionären Zustimmung und Unterstützung erhalten, und in Bad Wiessee nahezu eine Zweiteilung im Ort über den dortigen CSU-Bürgermeisterkandidaten Florian Sareiter herrscht?

Im letzten Jahr schien es für Sareiter bereits eine gemachte Sache zu sein, in das Amt des Wiesseer Rathauschefs gewählt zu werden. Etwas, das sein Onkel Kurt in seiner über 30-jährigen Ratszeit nie geschafft hatte. Doch dann tauchten erst Robert Kühn und kurz vor der Wahl Johannes von Miller als Gegner im politischen Wettkampf auf. Kühn zeigte sich transparent bei allen öffentlichen Veranstaltungen, selbst als ein Moderator ihn nach seiner sexuellen Orientierung fragte.

Was uns das Wahlergebnis vom 15. März sagt

Auch Von Miller, in seiner auf Sachpolitik und jenseits von politischem Ehrgeiz geprägten Art, konnte von Woche zu Woche punkten. Selbst hartgesottene Konservative ließen hinter vorgehaltener Hand kein gutes Haar am CSU-Kandidaten. Je näher der Termin der Wahl rückte, desto mehr zeigte sich der junge Schuhverkäufer Kühn als politisches Talent, legte einen engagierten Häuserwahlkampf hin, während sich Sareiter auf die Unterstützung der Mutterpartei mit allerlei Flyern und Gimmicks verlassen konnte.

Dann der erste Durchgang am 15. März 2020: 666 Stimmen erhält Robert Kühn, von Miller liegt knapp mit 645 Stimmen dahinter. Sareiter erzielt 1006 Stimmen. Einerseits ein eindeutiger Vorsprung für den Sparkassenmann. Andererseits: 1311 Wähler wollten also keinen Bürgermeister Sareiter sehen. Erstaunlich, denn der 41-Jährige konnte als Einziger der Drei in den letzten Jahren im Gemeinderat Erfahrungen in der Kommunalarbeit sammeln. Als Sparkassen-Angestellter ist er zudem mit Finanzen vertraut, eines der Themenfelder, die in dem Kurort in den nächsten Jahren sicher eine wichtige Rolle spielen wird.

Persönliches Kleinklein

Aber da waren auch die ewigen Streitereien als Lokal-Opposition, die auf Außenstehende zuweilen wie ein Kindergarten-Streit wirkten. Sareiter wollte sich profilieren, aber viele nahmen das als Ego-Trip wahr. Zudem erinnerten sich die Älteren noch an etwas. Eine ähnliche Stichwahl-Konstellation hatte sich schon vor zwölf Jahren ergeben. Da war Florian Sareiters Onkel Kurt mit noch mehr Stimmen (1048) als Erster aus der Wahl gegangen, hatte aber dann in der Stichwahl gegen Peter Höß, der im ersten Durchgang nur 625 Stimmen bekam, verloren. Das soll sich auf gar keinen Fall wiederholen. Wiessee muss in CSU-Hand kommen, koste, es was wolle. So hat man den Eindruck, wenn man sieht, wie jetzt getrommelt wird.

Und gern wird es auch persönlich: Die CSU hat mit dem frisch gewählten Fischer und Freund des Champagners, Christoph von Preysing einen Kenner des guten Lebens.


Alles ok. Aber dann kommt ausgerechnet der Vorsitzende des Kur- und Verkehrsvereins, Daniel Strillinger mit folgendem Post auf Facebook:

Nach der Coronazeit brauchen wir eine starke Führung mit Fachwissen. Da gibt es nur Florian Sareiter. Da sind Arbeitsschuhe gefragt und keine Lackschuhe. Wir brauchen ein gutes Netzwerk und keine Bussi Bussi Spetzlwirtschaft. Bitte gebt uns Eure Stimme.

Und wieder schütteln die Beobachter den Kopf. Es ist nur ein Ortswahlkampf. Warum muss dieser Ton sein?

Bad Wiessee wird auch nach der Stichwahl einen schweren Gang gehen. Das ist umso bedauerlicher, als dass die Corona-Krise die Menschen über alle Gruppen zusammenschweißen sollte, denn was uns in den nächsten Wochen und Monaten im Tal blüht, lässt sich mit persönlichem Kleinklein kaum lösen.


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