Kommentar zum "Brenner Park"
Wer informiert, sollte auch kommunizieren

von Steffen Greschner

Auf der Pressekonferenz zum Brenner Park am letzten Dienstag war viel Enttäuschung zu spüren. Unverstanden und unfair behandelt fühlten sich die Initiatoren. “Da ist viel Falsches in den Kommentaren geschrieben worden. Das ist irgendwann schon auch verletzend, wenn man das alles liest – und dann auch noch anonym” so Thomas Radmers Meinung zu den intensiven Diskussionen um das umstrittene Bauvorhaben.

Gesagt hat der zukünftige Bauherr das vor einer Hand voll Journalisten. Und genau da liegt vielleicht auch der Hund begraben.

Das Bauvorhaben und die Kritik der Bürger wurden mit wenigen Journalisten auf einer Pressekonferenz diskutiert.

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Die Initiatoren um den Rottacher Bauunternehmer Thomas Radmer und den Wiesseer Gastronom Jupp Brenner haben auf der Pressekonferenz zum geplanten Bauprojekt “Brenner Park” unter anderem versucht auf die Vorwürfe der unzähligen Kommentare einzugehen und diese zu entkräften.

Dabei offenbarte sich das eigentliche Problem: Die Angesprochenen, also die Kritiker und Kommentatoren, waren überhaupt nicht eingeladen. Anwesend war ausschließlich die Presse, bestehend aus fünf Journalisten.

Stille Post statt offener Kommunikation

Die Art der gewählten Kommunikationsform gleicht dabei der berühmten Stillen Post: Die Kritik steht in den Kommentaren der lokalen Medien und gärt an den Stammtischen. Die Reaktion von Seiten der Investoren erreicht jedoch nur die lokalen Journalisten – in der unausgesprochenen Hoffnung, dass diese die Diskussionen beenden, steuern oder durch die zusätzlichen Informationen wieder in Wohlgefallen auflösen können.

Doch in diesem Denken steckt ein kleiner Fehler mit nicht unerheblichem Frustpotential: Nicht die Medien machen die Meinung. Sie spiegeln sie lediglich wider. Beispielsweise in Form von Leserkommentaren oder in stark gefilterter Form durch Leserbriefe in der Zeitung. Ein Austausch, eine echte Kommunikation zwischen den Beteiligten ist so nur schwer möglich, außer die Verantwortlichen klinken sich in die Diskussion ein. Das wiederrum passiert nicht, weil man “mit den anonymen Kritikern” nichts zu tun haben möchte.

Für den interessierte Bürger fehlen Infos aus erster Hand

Dabei dürfte eines klar sein: wer wirklich kommunizieren und transparent informieren möchte, muss auch die bestehenden Möglichkeiten dazu nutzen. Hier liegt allerdings noch manches im Argen. So kann und muss man die Frage stellen, warum bei einem 40 Millionen Euro schweren Bauvorhaben gerade an diesen Punkten gespart wurde:

  • Warum gibt es keine eigene Webseite für das Projekt, auf dem sich Bürger umfassend über das Bauvorhaben informieren können?
  • Warum zeigt man sich erstaunt über anonyme Kritik in Kommentaren auf externen Medienseiten, wenn man selbst keinerlei Möglichkeit zum Austausch anbietet?
  • Warum informiert man ausschließlich die Presse über das Projekt anstatt die breite Öffentlichkeit bei der Darstellung der eigenen Standpunkte mit einzubeziehen?
  • Warum sucht man nicht aktiv das direkte Gespräch mit den Kritikern und zeigt Bereitschaft zum Austausch?

Immer öfter sehen sich Investoren, Bauträger und Gemeinden durch unangepasste Kommunikation mit dem Vorwurf der Intransparenz konfrontiert. Die Vorwürfe reichen von „Mauschelei“, bis zu „das wurde alles heimlich und unter Ausschluss der Öffentlichkeit entschieden“. Schnell ist dann vom Vorwurf der „persönlichen Bereicherung“ die Rede oder davon, dass die Gemeinden bei Bauvorhaben großer Investoren den “Schwanz einziehen”, während sie privaten Bauherren das Leben schwer machen.

“Verkaufsargumente” frustrieren viele

Einen nicht unerheblichen Anteil an den – zugegeben nicht immer rationalen und haltbaren Vorwürfen – tragen die Verantwortlichen allerdings selbst. Anstatt sich der Kritik offen und im Vorfeld zu stellen und transparent und ehrlich darauf einzugehen, wird immer wieder versucht, mit manchmal allzu durchschaubaren Gegenargumenten für Ruhe zu sorgen. Immer öfter hat man dabei das Gefühl, dass unter Information und Transparenz lediglich das Verkaufen der eigenen Argumente verstanden wird.

Projekt “Brenner Park”: Viele Kritiker können der Argumentation “Arbeitsplätze und Kaufkraft” nicht folgen.

Einige Beispiele: Von Seiten der Initiatoren argumentiert man beim Brenner Park mit einem Zuwachs an Arbeitsplätzen und einer gesteigerten Kaufkraft für den Ort. Wohlgemerkt, um den Bau von 30 Eigentumswohnungen zu rechtfertigen. Bei der angesprochenen Zielgruppe, wohlhabende Paare, spricht man dabei von etwa 60 neuen Einwohnern für Bad Wiessee. Mobil, unabhängig und flexibel. Dass diese darauf warten, bis sich in Wiessee eine zweite Rottacher Seestraße etabliert, ist nur schwer vorstellbar.

Dabei gehen die zukünftigen Bauherrn hingegen mit keinem Wort auf die oft erhobenen Vorwürfen der ungerechtfertigten Ausweitung der bebaubaren Fläche ein. Kein Wort auch zur großzügigen Änderung des Bebauungsplans.

Kritiker fühlen sich nicht ernst genommen

Bei dieser Argumentation haben viele Bürger, nicht ganz zu Unrecht, das Gefühl, dass man sie nicht ernst nimmt. Die Argumente, mit denen man die “ungerechtfertigte Kritik” aus dem Weg räumen möchte, werden einfach so präsentiert, ohne auf die eigentlichen Vorwürfe einzugehen. Dass eine Hand voll neuer Wohnungen nicht als zukunftsweisendes Infrastrukturprojekt verkauft werden kann, wird den Beteiligten wohl selbst klar sein. Ein geplantes Restaurant hin oder her.

Wohlklingende aber einseitige Argumente alleine erzeugen also noch keine Transparenz und sind noch nicht der Start zu einer ernstgemeinten Kommunikation. Die Gründe für den Bau müssen auch stichhaltig und vor allem glaubwürdig sein. Die meisten Menschen können dabei mit Ehrlichkeit besser umgehen, als mit dem Gefühl, nicht für voll genommen zu werden.

Am Ende fühlen sich durch diese Art der Kommunikation meist alle Beteiligten unverstanden: Bauträger, weil sie der Meinung sind, sich an Regelungen, Gesetze und Vorschriften gehalten zu haben. Die Kritiker, weil sie sich nicht informiert und gelinde gesagt verarscht vorkommen. Die eigentlichen Reibungspunkte bleiben indessen unangetastet.

Neue Öffentlichkeit erwartet ehrliche Kommunikation

In Zeiten einer neuen Öffentlichkeit reicht es nicht mehr nur Bürgermeister, Gemeinderat und Lokalpresse von einem Projekt überzeugen zu wollen. Es geht auch darum, bei den betroffenen Bürgern direkt um Verständnis zu werben und sich mit deren Kritik auseinanderzusetzen.

Ansonsten stehen wohl immer mehr Bauträger vor großen Problemen, die man sich durch ehrliche Information vielleicht hätte sparen können. Zumindest würde man beispielsweise beim Brenner Park heute eventuell bereits über die eigentlichen Kritikpunkte sprechen, anstatt sich gegenseitig mit Missverständnissen und Vorwürfen zu belasten.

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