Wer nicht mit der Zeit geht – geht mit der Zeit

Von Peter Posztos

Ergänzung vom 06. Oktober / 10:41 Uhr:
In den Kommentaren zum Thema „Meldeschein und Erhebung von Kundendaten“ haben sich einige kritisch zu der Praxis der TTT beziehungsweise der Gemeinden geäußert.

Der Vorwurf, die Verantwortlichen würden unnötig viele Daten von Touristen erheben und möglicherweise sogar ungerechtfertigterweise monetarisieren. Datenschutzmißbrauch sei die Folge.

Dazu die Stellungnahme von Georg Overs, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH:

Wir können beim Meldeschein keine Datenschutzproblematik erkennen, da die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden – dies wird auch durch die zu dieser Frage in Auftrag gegebenen Gutachten und Stellungnahmen bestätigt.

Etliche Regionen verwenden übrigens dieses oder ähnliche Systeme.

Es ist natürlich in keinster Weise beabsichtigt, die Daten anderweitig zu verwenden, oder sie gar zu verkaufen.

Ursprünglicher Artikel vom 4. Oktober:
Die Tourismusbranche befindet sich seit längerem im Wandel. Wer in diesem Zusammenhang nicht bereit ist, sich den Marktgegebenheiten anzupassen, wird in naher Zukunft keine Daseinsberechtigung mehr haben. Davon ist Frank Ebert, seit 2009 selbstständiger Vermittler und Betreuer von Ferienwohnungen, überzeugt.

Im Interview bezieht der Beherbergungsbetriebs-Experte aber nicht nur zum Ausleseprozess in der Branche Stellung. Auch zu Fragen wie Kontrollen von Gästehäusern und Hotels als auch zur Einführung des elektronischen Melderscheinverfahrens sowie zu Online-Buchungssystemen hat Ebert eine Meinung.

Eines vorne weg. Um fit für die Zukunft zu sein, bedürfe es häufig nicht einmal großer Investitionen in das Hotel oder die Gästehäuser selbst. Oft reiche es laut Ebert aus, die neuen technischen Möglichkeiten in der Verwaltung anzupassen und zu nutzen.

Schulungsangebote – für Internetneulinge – werden rund um den See angeboten. Nur wahrgenommen werden diese Kurse viel zu selten.

Herr Ebert: Sie verwalten und betreuen mehrere Ferienwohnungen rund um den See. Wie lief das bisherige Geschäftsjahr?

Ebert: Sehr gut. Speziell jetzt im Sommer musste ich sogar dem einen oder anderen Interessenten absagen. Grundsätzlich verdient man im Sommer immer deutlich mehr in der Tourismusbranche als im Winter. Das ist kein Geheimnis. Das Tegernseer Tal ist nicht gerade für den Herbst- und Wintertourismus bekannt. Da erwarte ich deutlich weniger Buchungsanfragen.

Hat das spezielle Gründe? Wie können Sie dem persönlich gegensteuern?

Ebert: Unsere Destination ist einfach noch nicht in den Köpfen der Touristen als Winterurlaubsort angekommen. Wobei auch für diese Jahreszeit ideale Voraussetzungen herrschen. Die Skipisten beispielsweise sind perfekt für Familien und Touristen im Allgemeinen, die Skifahren nur als Hobby betreiben und nur einmal im Jahr auf Brettern stehen.

Um auch in dieser Jahreszeit eine ordentliche Bettenauslastung zu erzielen, biete ich meine Ferienwohnungen beim Onlineportal der Touristikinformationen an, bei Tiscover an. Ein potenzieller Gast äußert online/telefonisch terminliche Wünsche und Präferenzen. Gibt es Übereinstimmungen mit meinen Ferienwohnungen, leiten die Touristinformationen die Anfragenden an mich weiter. So gewinne ich viele Gäste.

Das kostet mich zwar ein paar Euros. Das Ergebnis rechtfertigt das aber. Im Sommer bewerbe ich die, von mir betreuten Ferienwohnungen, so gut wie gar nicht. Hier gibt es eh einen Nachfrageüberhang.

Die Tourismusbranche insgesamt hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Haben Sie dafür Indizien. Gilt das auch für das Tegernseer Tal?

Ebert: Klar. Speziell der ganzjährige Gesundheitstourismus ist immer stärker im Kommen. Mein persönlicher Eindruck ist auch, dass das Durchschnittsalter der Gäste und Touristen am Tegernsee etwas sinkt. Im Segment der Altersgruppe 40+ gibt es verstärkt Anfragen. Darauf sollte sich die Branche einstellen. Denn hier hat das Tal sehr gute Kompetenzen.

Kontrollen von Beherbergungsbetrieben und das elektronische Meldescheinverfahren

Ebert Interview
Für Frank Ebert ist das Nichtanmelden von Gästen kein Kavaliersdelikt.

Wie sind Ihre Erfahrungen in den Bereichen Kontrollen und das elektronische Meldescheinverfahren? Wurden ihre Ferienwohnungen von den Tal-Gemeinden schon überprüft und was halten Sie von der Umstellung des händischen Gäste-Anmeldescheinverfahrens auf das elektronische?

Ebert: Zum einen muss ich betonen, dass ich es gut heiße, dass neuerdings verstärkt kontrolliert wird. Bei mir war allerdings noch nie ein Kontrolleur. In der Branche gibt es einige schwarze Schafe. Da sind Kontrollen mehr als gerechtfertigt. Vor allem das diese von externem Personal durchgeführt werden, ist unbezahlbar.

Die Umstellung auf das neue Meldescheinsystem ist eine tolle Sache und hat deutlich mehr Vorteile als Nachteile. Beispielsweise erkennt das System von selbst anhand des eingegebenen Geburtsdatums, ob bei einem Gast der volle Kurtaxebetrag oder wie bei Jugendlichen nur ein verminderter Betrag zu entrichten ist.

Darüberhinaus können sämtliche Kundendaten mit einem Klick sortiert und auch exportiert werden. Ich persönlich organisiere so zum Beispiel Rundschreiben an Weihnachten. Die Daten sind – wenn gut gepflegt – richtig viel Geld wert. Klar. Man muss sich die Zeit nehmen und sich mit dem elektronischen Meldescheinverfahren einmal auseinandersetzten. Dann ist es aber ein Kinderspiel.

Bei Ihnen war noch kein Kontrolleur? Das widerspricht den Aussagen von Tegernsees Bürgermeister Peter Janssen, dass alle Beherbergungsbetriebe – also eigentlich auch die von Ihnen betreuten Ferienwohnungen – rund um den See schon mindestens zweimal aufgesucht wurden.

Ebert: Das kann ich nicht bestätigen. Auch von anderen Hotels und Gästehäusern weiß ich, dass seit längerem keine Kontrollen in Bezug auf die korrekte Anmeldung von Gästen durchgeführt wurden. Übrigens: Das Nicht-Anmelden von Gästen als schlechte Meldemoral zu bezeichnen und als Kavaliersdelikt durchgehen zu lassen, ist meiner Meinung nach schlichtweg nicht akzeptabel.

Das ist glatter Betrug und wenn ein Betrieb auffällig wird, sollte es nicht nur zu Bußgeldern kommen, sondern die Vergehen müssen sofort an die zuständigen Ämter weitergeleitet werden.

Um einer „schlechten Meldemoral“ entgegen zuwirken, hoffen die Gemeinde wie auch die TTT, dass Gäste verstärkt nach der „Gästecard“ fragen, um so eine Anmeldung im System zu garantieren. Ohne Anmeldung im System ist keine Freischaltung der Gästecard möglich. Kann das das Problem lösen?

Ebert: Mit der Karte kann rund um den See der Bus umsonst genutzt werden und Gäste erhalten viele weitere Vergünstigungen. Immer mehr Urlauber fragen nach der Gästecard. Diesen Eindruck habe ich schon.

Die Vorzüge und das es die „Gästecard“ überhaupt gibt, wird aber meiner Meinung nach noch zu wenig kommuniziert. Ob so dauerhaft der Nichtanmeldung von Gästen Einhalt geboten werden kann, weiß ich nicht.

Herr Ebert. Vielen Dank für das Interview


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