Konfliktpotential freilaufende Hunde

Wider den tierischen Ärger

Von Anita Westphal

Im Frühling zieht es viele Menschen wieder stärker in die Natur. Das sorgt auch für Konflikte. Es geht um freilaufende Hunde, gefühlte Gefahren und immer wieder Ärger mit Hundekot. Ein Blick auf die Fronten – und ein Appell zur gegenseitigen Rücksichtnahme.

Wie man seinen Hund richtig erzieht, zeigen unter anderem die Hundefreunde Thann
Wie man seinen Hund richtig erzieht, zeigen unter anderem die Hundefreunde Thann.

Zwei Seiten widmet das aktuelle Holzkirchner Gemeindeblatt dem Thema „Hunde in der Öffentlichkeit“. Aktuell gebe es jedoch nicht mehr Beschwerden als sonst, sagt Hans Bachhuber, Chef des Ordnungsamtes. Aufgegriffen wurde das Thema „aufgrund der permanenten Aktualität solcher Fälle“.

Bürger fühlten sich von freilaufenden Hunden bedroht. Das ist verständlich, wenn ein Riesenschnauzer herrenlos auf jemanden zustürmt. Und ein klassischer Satz trägt sicher nicht zur Beruhigung bei: „Der tut nix; der will nur spielen!“

Gisela Eichacker, zweite Vorsitzende der Hundefreunde Thann kennt die Konflikte aus langjähriger Erfahrung und stellt klar: „Wenn Hunde ohne Begleitung frei im Ortsbereich laufen, ist das nicht in Ordnung.“ Dennoch könne kein Hund immer an der Leine gehen. Wichtig sei, er müsse vom Hundeführer „abrufbar“ sein, gerade wenn eine fremde Person Angst zeige.

Hundemeuten und ratschende Besitzer

Die Fachfrau sieht mehrere Ursachen für die gefühlte Bedrohung. Einmal würden die Begegnungen zwischen Menschen und Hunden wegen der dichten Besiedelung immer häufiger. Dazu komme aber auch, dass viele Leute den unbefangenen Umgang mit Tieren nicht mehr gelernt hätten. Kurz: Wer Signale nicht deuten kann, hat schneller Angst. Natürlich gebe es Situationen, in denen ein Lebewesen nicht so akkurat steuerbar sei wie eine Maschine.

Sie hält nur wenig von morgendlichen „Riesen-Hundemeuten“ auf den klassischen Spazierwege-Routen am Holzkirchner Ortsrand. Solche Rudel hätten nur sehr erfahrene Hundeführer unter Kontrolle. Auch für Hunde könne die Menge unter Umständen Stress bedeuten, der sich an anderer Stelle entlade.

Ebenso kritisch sieht sie die Praxis, die Hunde einfach laufen zu lassen, mit Herrchen oder Frauchen ratschend hinterdrein.

Im Normalfall ist ein Hund nur dann gefährlich, wenn er sich bedroht fühlt.

Eichacker appelliert vor allem an die Verantwortung der Hundehalter: „Es ist dringend geboten, dass man sich Hilfe bei der Erziehung holt – nicht nur aus Büchern, sondern in der Praxis.“ Dazu gebe es Vereine und eine Menge gewerbliche Angebote: „Hauptsache, die Leute gehen irgendwo hin.“

Gerne würde sie aber auch das Personal in der Gemeinde geschult wissen gegen den Anordnungs-Reflex: „Alles über 40 Zentimeter Schulterhöhe ist groß, böse und muss angeleint sein.“ Sie plädiert für Rücksicht und Augenmaß bei allen Beteiligten.

In Grünanlagen nur angeleint

Geltendes Recht ist, dass ein Hund in Seh- und Rufweite von Herrchen oder Frauchen weitgehend frei laufen darf. Laut gemeindlicher Satzung dürfen die Vierbeiner allerdings in öffentlichen Grünanlagen, wie Herdergarten oder Krankenhauspark, nur angeleint mitgeführt werden. Kinderspielplätze und auch Friedhöfe sind generell tabu, außer für Blindenhunde.

Die STVO regelt, dass Hunde von der Straße fern zu halten sind. Im Wald können herrenlose Hunde vom Jäger sogar erschossen werden. Zwar drohen für derartige Ordnungswidrigkeiten Geldbußen bis zu 1.000 Euro. Dazu müssen die Halter aber erst ermittelt werden. „Und auch dann versuchen wir eine verständnisvolle Regelung zu finden“, so Bachhuber.

Wenn es Spaziergängern und Anwohnern stinkt

Weiteres Konfliktpotential bergen die Hinterlassenschaften der Vierbeiner: Hundekot auf Geh- und Spazierwegen, öffentlichen oder privaten Flächen stinkt Spaziergängern wie Anwohnern. Einmal ist es klar verboten, dass Hunde ihr Geschäft auf Flächen verrichten, wo sich häufig Menschen bewegen. Doch auch wo es noch nicht verboten sei, sollte man die unappetitlichen Haufen nicht einfach zurücklassen, heißt es von Seiten des Ordnungsamtes: „Gerade innerörtlich ist es ein Gebot der Rücksicht und des Anstandes, den Kot seines Hundes selbst zu entsorgen.“

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Richtig gefährlich ist der Hundekot für Kühe oder Pferde. Nur Bruchteile im Futtergras erhöhen dauerhaft das Risiko für Fehl- und Totgeburten. Die Gemeinde hat an den beliebten Spazierrouten Tütenspender für Hundekot mit dazu gehörigen Abfalleimern aufgestellt. Denn es ist nur unwesentlich besser, die gefüllten Päckchen als Tretminen am Wegrand oder in der Wiese abzulegen. Und niemand freut sich über fremde Kottüten in seiner privaten Mülltonne.

Die Holzkirchner Hundeschule „Pfotentreff“ bringt es auf den Punkt. Gleich beim Aufruf der Website erscheint die „dringende Bitte an unsere Mitglieder und Besucher: Bitte sammelt die Hinterlassenschaften Eurer Hunde am Platz und rund um den Hundeplatz ein. Kottüten NICHT auf den Wegen liegen lassen, sondern in der Pfotentrefftonne entsorgen!“


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