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Anwohner-Initiative will Gmunder Pläne verhindern

Widerstand gegen Flüchtlingshäuser wächst

Viele Fragen wirft der Sozialbau auf, den Gmund in bester Seeblicklage plant. Warum hier, warum so groß, warum werden wir in die Planungen nicht eingebunden, beklagen die Anwohner. Sie haben inzwischen eine Initiative gegründet und einen Anwalt eingeschaltet.

Gottfried Wandinger vor dem Grundstück für die "Flüchtlingshäuser".
Gottfried Wandinger vor dem Grundstück für die “Flüchtlingshäuser”.

Er ist nicht allein. Inzwischen hat Gottfried Wandinger (79) etwa acht Mitstreiter mobilisiert, die ihrem Widerstand gegen die beiden geplanten „Flüchtlingshäuser“ entsprechenden Nachdruck verleihen wollen. Vergangene Woche gründeten sie eine Initiative. Doch Wandinger ist der einzige, den man zitieren darf und der sich auch öffentlich zu seinem Missmut bekennt.

Wind davon bekam auch die Abendschau des Bayerischen Fernsehens, der der Gmunder Rentner bereitwillig Auskunft gab. Geplant hat die Gemeinde in seiner unmittelbaren Nachbarschaft zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 14 Sozialwohnungen und einer Tiefgarage. Mit 50 neuen Nachbarn rechnet die Initiative. „Nachdem alle künftigen Bewohner der beiden Häuser bei mir vorbei müssen, ist davon auszugehen, dass 50 Menschen mehrmals täglich die Hirschbergstraße rauf und runter marschieren“, beklagt Wandinger die künftige Entwicklung.

Ein anderer Bewohner der Hirschbergstraße sieht es ähnlich, weil viele der vermutlich künftigen Nachbarn dann arbeitslos auf der Straße „rumhängen“ würden. Nur durch ein Gespräch mit dem Bauhofleiter, den er gut kenne, habe Wandinger von den Plänen der Gemeinde frühzeitig erfahren. Dann seien die Medienberichte gekommen, aber keine Information aus dem Rathaus.

Gemeinde schafft „Fakten“

Die Gmunder Informationspolitik kritisiert ein weiterer Betroffener. Wie die meisten seiner Mitstreiter sei er für den sozialen Wohnungsbau, denn „wir alle haben ein gesellschaftliches Problem mit der Integration, um das man sich kümmern muss“. Man wolle nichts verhindern, sei aber frustriert, was hier im Eilverfahren passieren soll, um ja nicht diskutieren zu müssen. Dies entspreche nicht dem Geist von Integration, so ein Betroffener, der vor allem die Gemeinde in der Bringschuld sieht.

Von der Gemeinde bekommen wir mehr oder weniger keine Auskunft. Wir sind nur zur Verkündung des Bauplanes am 10. Mai eingeladen, wie die Bebauung dann aussehen soll. Enttäuscht sind wir darüber, dass zuerst Fakten geschaffen werden und wir erst dann eingebunden werden.

Er wolle das Projekt kritisch hinterfragen: Ist an alles gedacht, ist es in allen Aspekten sozialverträglich? Fragen müsse man angesichts des Grundstücks auch, „ob das Volumen für 50 Bewohner vielleicht zu groß ist“, so ein Nachbar Wandingers.

Noch kein Bebauungsplan, aber baldiger Baubeginn

Dass es dort sehr eng werden wird, wie Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) einem Betroffenen das Bauvorhaben geschildert haben soll, wollen sie sich nicht gefallen lassen. Denn sie wüssten nicht, wie groß die beiden Häuser wirklich werden sollen, ob auch beispielsweise an den Ausbau des Dachgeschosses gedacht ist. „Obwohl sie uns den Bebauungsplan nicht zeigen, wollen sie schon demnächst anfangen“.

Die neue Initiative glaubt, dass es in Gmund auch einen anderen Platz für Sozialwohnungen geben würde. Mancher verliere dann auch seinen Seeblick, für den er beim Erwerb der Immobilie noch einen kräftigen Aufschlag berappen musste. Alle Gesprächspartner verweisen auf das Beispiel Mühltalstraße in Dürnbach. Für sie sei es unverständlich, warum der angebotene Umbau einer Villa zur Asylunterkunft nicht angenommen werde, bevor man zwei große Häuser bei ihnen plane.

Obwohl Vieles noch im Unklaren ist, wird der Hausbau flott vorangetrieben. Die Kosten werden mit 3,4 Millionen Euro kalkuliert. 600.000 Euro davon hat die Gemeinde bereits im Haushalt 2016 eingeplant. Bei der Regierung von Oberbayern liegt zudem ein Zuschussantrag für Gelder aus einem Förderprogramm zur Schaffung von Mietwohnungen. 30 Prozent Fördergelder könnten fließen, zudem gibt’s für 60 Prozent der Kosten ein günstiges Darlehen.

Soziale Spannungen zwischen Wohnungssuchenden und Asylbewerbern?

Doch auch hier hakt die Initiative nach und fragt, wie sich das bei einem Finanzierungsbedarf von 2,5 Millionen Euro und nur 14 Wohnungen rechnen soll? Schließlich würde dann jede Wohnung mindestens 200.000 Euro in der “Herstellung” kosten. Da sei das einige tausend Quadratmeter große Filetgrundstück noch gar nicht mit eingerechnet. Auch eine Tiefgarage mit 30 Stellplätzen in der Hanglage des Grundstücks würde die Kosten „immens“ treiben.

Hier sehen die Initiatoren ein krasses Missverhältnis zur Situation der Menschen, die hier wohnten und sich keinen Wohnraum leisten könnten und denen, die Asyl bekommen. So sei umsichtige Integration schwer vermittelbar.

So könnte die Bebauung nach Ansicht der Initiative mit den Häusern A und B unmittelbar neben dem Bauhof (F) aussehen.
So könnte die Bebauung laut der Initiative mit den Häusern A und B unmittelbar neben dem Bauhof (F) aussehen.

Inzwischen hat die Gemeinde reagiert. In einem Schreiben vom 21. April, das der Tegernseer Stimme vorliegt, informiert Bauamtsleiterin Christine Lang die Anlieger, dass Gmund beabsichtige, für das Vorhaben auf dem 2.200 Quadratmeter großen Grundstück einen Bebauungsplan aufzustellen. Darin werde „geregelt, wie die Bebauung in Größe, Lage und Gestaltung aussehen darf“.

Sollten von den Anwohnern bauliche Maßnahmen wie An- und Umbauten geplant sein, müssten diese bis 6. Mai im Rathaus eingehen. Beigelegt wurde ein Lageplan, in dem allerdings die beiden Häuser der künftigen Bebauung nicht eingezeichnet sind. Somit werden von offizieller Seite die betroffenen Anlieger der Hirschbergstraße im Unklaren gelassen, was eigentlich längst beschlossene Sache im Gemeinderat ist.


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