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Tegernseer Versuchskaninchen – Wie der G8 Jahrgang den „normalen“ Zug hinter sich ließ

Der erste G8 Abiturjahrgang hat sich erfolgreich in die Freiheit verabschiedet und erholt sich derzeit von den Strapazen der letzen Monate. Die Erleichterung bei Eltern, Schüler und Lehrern ist groß, alle 66 angetretenen Absolventen haben bestanden.

Nichts desto trotz brachte das erste G8 Model einige Probleme mit sich. Der Jahrgang der „Versuchskaninchen“ hatte mit so manchen Widrigkeiten zu kämpfen. Viele Lehrbücher waren während ihrer Schullaufzeit zunächst nicht vorhanden, weil die Verlage nicht auf die kurzfristigen Änderungen der Lehrpläne reagieren und somit nicht schnell genug liefern konnten.

“Wir mussten in manchen Fächern bis Weihachten ohne Bücher auskommen, was die Vorbereitung auf Klausuren deutlich verkomplizierte”, so ein Schüler des ersten G8 Jahrgangs gegenüber der Tegernseer Stimme.

Auch die Vorbereitung auf die Abiturprüfungen gestaltete sich aus der Sicht einer Schülerin schwierig: “Es gab einfach keine vergleichbaren Übungsaufgaben, man konnte also nicht genau sagen wie die Struktur der Abiturprüfungen aussehen wird.”

“Ob der Aktionismus der Politiker auch immer im Sinne der Schüler ist?”

Erst wenige Wochen vor Beginn der Abiturprüfungen war überhaupt klar, wie das Abitur genau aussieht und wie die Benotungskriterien aussehen Für richtig Chaos sorgte dann aber eine kurzfristige Anordnung des bayerischen Kultusministeriums die Benotungskriterien zu lockern.

Diese erreichte die bayerischen Gymnasien erst einen Tag vor der eigentlichen Bekantgabe der Noten an die Schülerinnen und Schüler und war auch aus Sicht von Werner Oberholzner, dem Direktor des Gymnasiums Tegernsee „sehr kurzfristig und herausfordernd für alle Beteiligten.“

Dr. Werner Oberholzner - der Direktor des Tegernseer Gymnasiums

Das bayerische Kultusministerium reagierte damit auf erste Hochrechnungen, wonach die Durchfallquote der G8ler um ein Vielfaches höher ausfallen könnte als in früheren G9 Jahrgängen. Das Ministerium ersuchte die Lehrerschaft die Arbeiten erneut mittels der nun gelockerten Bewertungskriterien zu untersuchen. Aus „nicht bestanden“ wurde somit in einigen Fällen „bestanden“.

Auch für die Schülerinnen und Schüler des Tegernseer Gymnasiums hatte dies Auswirkungen, wie uns Direktor Oberholzner bestätigte.

Ich musste zunächst vier Schülern mitteilen, dass sie nach gegenwärtigem Stand das Abitur noch nicht bestanden haben, es aber zu einer erneuten Überprüfung ihrer Arbeiten anlässlich der neuen Kriterien kommt.

Glücklicherweise profitierten zwei der vier Schüler von den gelockerten Kriterien, die anderen beiden konnten sich später über die mündlichen Prüfungen retten.

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Exkurs: Wie sahen nun die neuen Bewertungskriterien im Vergleich zu den bisherigen von G9 aus? Ein kurzer Vergleich.

Neue Kriterien für das G8er-Abi warfen einige Fragen auf.

Die Schüler des Neunjährigen Gymnasiums wählten zwei von drei schriftlichen Prüfungsfächern mittels so genanter Leistungskurse selbst. Hinzu kommt ein mündliches Fach, das Kolloquium.

Die Absolventen im G8 werden in fünf Fächern geprüft. Bei den drei schriftlichen sind die Kernfächer Deutsch und Mathematik sowie eine Fremdsprache ein Muss.

Nach den ursprünglichen G8 Kriterien musste in zwei von drei Kernfächern mindestens fünf Punkte- also die glatte Note 4 erreicht werden.

Durch die kurzfristig angeordnete Absenkung der Bewertungsmaßstäbe genügte es nun und auch in Zukunft, wenn der Prüfling einen Kernfach mindestens fünf Punkte und in einen weiteren zumindest vier Punkte erreicht.
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G8: Höhere Durchfallquoten aber auch deutlich mehr Einser vor dem Komma

Statistisch gesehen gibt es sowohl am Gymnasium Tegernsee, als auch im landesweiten Notendurchschnitt auf den ersten Blick keine großen Unterschiede zwischen den Abiturergebnissen von G8 und G9.

Auch hier wurden die Klausuren geschrieben

So liegt der Schnitt der G8ler in Tegernsee mit 2,25 (2,3 bayernweit) nur geringfügig vor den G9ner mit 2,4 (bayernweit 2,4).

Nichts desto trotz sind zwei Auffälligkeiten zu beobachten. Der verkürzte G8 Jahrgang brachte überdurchschnittlich viele Einser-Abiturienten hervor. So hatten in Tegernsee 30% aller Absolventen eine Eins vor dem Komma (bayernweit 16%).

G8 produzierte jedoch im landesweiten Durchschnitt auch deutlich höhere Durchfallquoten. Zwar schafften am Gymnasium Tegernsee alle Abiturienten den Abschluss, landesweit fielen jedoch 2,8% durch. (G9 Durchschnitt bei 0,8%).

Kurzum also viele Durchfaller und viele Einser-Schüler.

Über das gute Abschneiden der Tegernseer zeigte sich Dr. Oberholzner indes sehr erfreut:

Gerade die Tatsache, dass es alle geschafft haben, ist besonders erfreulich und hebt uns vom bayerischen Durchschnitt ab.

Was aber sind nun die Gründe für so viele herausragende Ergebnisse einerseits und andererseits eine bayerweit derart hohe Durchfallquote?

Der Vorsitzende des bayerischen Philologenverbands Max Schmidt begründet diese Spreizung wie folgt:
“Die vielen guten Noten kommen daher, dass die mündlichen und schriftlichen Noten im G8 1:1 gezählt werden.“ Im G9 zählten die schriftlichen Noten immer doppelt.

Die höhere Durchfallquote führt Schmidt auf die Verpflichtung zurück, in Deutsch und Mathematik schriftliche Prüfungen abzulegen, dies konnte man über eine geschickte Wahl der Leistungskurse im G9 noch umgehen. Auch konnten die Schüler im G8 durch die Wahl von Seminaren und Projekten ihre Noten aufbessern, diese Möglichkeit war im G9 nicht gegeben.

Zudem unterstrich der Vorsitzende die Notwendigkeit von vier Wochenstunden in den Kernfächern und die Bedeutung kleinerer Klassen. Gerade mit einem landesweiten Ausbau der Ganztags-Gymnasien könnte dem zukünftig Rechnung getragen werden.

Doch das ist ein ganz anderes Thema, dass die 66 Absolventen nicht mehr interessieren wird. Für die wird spätestens nach Ende des Sommers der “Ernst des Lebens” beginnen. Auch ohne Ganztages-Klassen.

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