Hörst du es auch?
Wie die Weihnachtsbotschaft auf märchenhafte Weise ins Tegernseer Tal kam

Vor langer, langer Zeit begab es sich, dass die Weihnachtsbotschaft auch die Tiere im Tegernseer Tal erreichte. Zuerst war es nur ein ganz leises Rauschen, als der Wind in dieser Winternacht sacht durch die letzten braunen Blätter der ältesten Eiche im Tal fuhr. Doch allmählich wurde er stärker und heftiger, bis sein unerbittliches Rütteln an den Ästen und Zweigen die kleinen Tannenmeisen weckte.

Das Märchen der Weihnachtsbotschaft. / Foto: Redaktion

„Was ist hier los?“, tschilpten sie aufgeregt durcheinander. „Ich habe eine wichtige Nachricht für euch“, brummte die tiefe Stimme des Windes in ihren Ohren. „Lauscht! Lauscht von ganzem Herzen, dann könnt ihr sie hören …“ Und mit einem letzten lauten Rascheln der Blätter zog der Wind weiter.

„Was hat er gemeint?“ „Was wollte er uns sagen?“ Die kleinen Meisen riefen wild durcheinander.

„Pssst“, flüsterte auf einmal eine leise Stimme hinter ihnen. Ein kleiner Waldkauz legte die längste Feder seines Flügels auf seinen Schnabel: „Ihr müsst ganz still sein, dann könnt ihr es vielleicht hören …“

Angestrengt horchten die kleinen Vögel in die Nacht hinaus. Da vernahmen sie ein feines Klingen und Läuten, wie von winzigen himmlischen Glocken. Und als sie in den wolkenlosen Himmel blickten, da war ihnen, als würden die Sterne noch heller blinken als sonst. So hell, dass sie sich tausendfach im Dunkel des ruhenden Sees widerspiegelten.

„Was könnte das bedeuten?“, fragte die kleinste der Tannenmeisen schüchtern. Selbst in ihren winzigen, schwarzen Augen funkelte das Licht der Sterne. „Lasst uns die Eule fragen“, rief eine der anderen und schon flogen sie tief ins Dunkel des Waldes am Ringberg hinein.

„Hey, wohin so schnell?“, ertönte auf einmal ein heller Ruf aus dem Dickicht. Eine Geiß trat mit ihrem Rehkitz hervor. „Hast du es auch gehört? Das Rauschen, das Klingeln?“, riefen die Meisen durcheinander. Die Geiß drehte verwundert ihre Ohren in alle Richtungen. Auf einmal hielt sie den Kopf ganz still und nickte. „Der Wind hat gesagt, das sei eine wichtige Botschaft für uns. Aber wir können sie nicht deuten. Deshalb wollen wir die Eule befragen. Komm doch mit uns!“ Und so kam es, dass die Geiß mit ihrem Kitz den Meisen durch den Wald folgte, um die Eule zu suchen.

Sie waren nicht weit gekommen, als sie ein Fuchs aus seinem Bau heraus argwöhnisch beäugte. „Wohin lauft ihr? Und wisst ihr, warum die heutige Nacht so anders klingt als alle anderen Nächte?“ „Vielleicht kann es uns die Eule sagen! Komm doch einfach mit!“, zwitscherten ihm die kleinen Vögel zu und der Fuchs schloss sich den Meisen und den Rehen an.

Endlich erreichten sie die alte, verwachsene Linde, in dessen Astgabel die Eule wohnte. „Eule, wo bist du?“, riefen die kleinen Meisen so laut sie konnten. Ganz langsam erkannten sie ein waches Augenpaar, das sie aus dem Baum heraus beobachtete und schließlich streckte die Eule ihren Kopf ein kleinwenig aus ihrer Höhle hervor. „Was wollt ihr hier?“, fragte sie überrascht, als sie die ungewöhnliche Zusammenkunft von Meisen, Rehen und dem Fuchs entdeckte. „Dich fragen, ob du uns sagen kannst, von welcher Botschaft der Wind zu berichten weiß und die Sterne am Himmel mit ihrem Klingeln erzählen.“

Die Eule schaute erst horchend in den Himmel, dann schloss sie kurz die Augen, als würde sie nun in sich hineinhorchen. „Nun“, sagte sie dann, „es ist nicht so einfach zu erklären, wenn ihr es nicht schon selbst in euch vernommen habt.“ Die Eule machte eine kurze Pause. Dann sagte sie: „Ich kann es euch nicht sagen, wenn ihr es selber nicht spürt.“ Die kleinen Meisen, die Geiß mit ihrem Kitz und der Fuchs sahen die Eule mit rätselndem Blick an. „Gut“, seufzte die Eule, „vielleicht versteht ihr es, wenn ihr es mit euren Augen seht. Kommt mit!“

Und so machten sie sich alle auf den Weg, den ihnen die Eule zeigte. Sie kamen schließlich zu einer kleinen, armseligen Hütte, in der ein flackerndes Licht brannte. Die Tiere drückten ihre Gesichter an die Scheibe und blickten nach drinnen. Eine junge Frau saß auf einem einfachen Strohlager und hatte ein neugeborenes Kind im Arm. Ein Mann kam zu ihr herüber, nachdem er für das Feuer im Ofen Holz nachgelegt hatte. Im hinteren Teil der Hütte standen ein Ochs und ein Esel und zupften Heu aus einem Büschel.

„Hm, und jetzt?“, brummte der Fuchs etwas unwirsch, „was soll ich jetzt hier Besonderes sehen?“ Die Eule schwieg wieder für einen kurzen Moment, dann flüsterte sie: „Horcht genau hin! Am besten mit eurem Herzen. Dann werdet ihr verstehen …“

Die kleinen Tannenmeisen sperrten ihre winzigen Öhrchen soweit auf, wie sie konnten. Die Geiß und ihr Kitz spielten mit ihren großen Lauschern, um jedes noch so kleine Geräusch aufzufangen. Und auch der Fuchs drehte und wendete seinen Kopf in alle Richtungen und horchte … Da war es wieder, dieses Rauschen und dieses Klingeln. Und da war noch etwas. Es klang wie ein Gesang des Himmels …

Und auf einmal sahen sie es: Es war nicht der Wind und auch nicht die Sterne, sondern es war eine riesige Schar kleiner Engel, die am Himmel mit ihren Flügeln schlugen, goldene Glöckchen erklingen ließen und dabei vom himmlischen Frieden auf Erden sangen. In unzähligen Strophen priesen sie die unendliche Güte und Liebe Gottes, die den Menschen jeden Tag geschenkt würden, rein und bloß wie ein neugeborenes Kind. Und allen, die in jener Nacht ihre Augen, Ohren und ihr Herz dafür öffneten, wurde das Wunder der Weihnacht offenbar.

Als die Tiere des Waldes schließlich wieder heimkehrten, blieb diese Botschaft für immer in ihre Herzen geschrieben. Und sie erinnerten sich stets daran, ob beim Flügelschlag der kleinen Meisen oder beim Funkeln der Sterne in ihren Augen. Vor allem aber beim leisen Rauschen des Windes in den Zweigen. Und wer in diesen Nächten ganz still danach lauscht, der kann sie vielleicht auch in seinem Herzen hören, die himmlische Botschaft der Heiligen Nacht vom Geschenk der ewigen göttlichen Liebe.

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