Gmunder Fastenpredigt von Florian Oberlechner
Wiesseer Waldorfschüler – Kreidls Grautöne

von Christopher Horn

„Egozentrisch“, „schwer erziehbar“, oder „Konkurrenz zum RTL Dschungelcamp“. Mit diesen und anderen Attributen bedachte Florian „Flickä“ Oberlechner gestern Abend Teile der lokalen Politprominenz. Vor allem die Wiesseer gerieten in dessen Schusslinie. Auch ein „erotisches Signal“ in Waakirchen und ein Bürgermeister mit einem „Mangel an Profilierungssucht“ sorgten für Erheiterung. Hier die besten Stellen der Fastenpredigt.

Florian "Flickä" Oberlechner nahm erneut die Politprominenz auf die Schippe.
Florian „Flickä“ Oberlechner nahm erneut die Politprominenz auf die Schippe.

„Sauft’s ned so vui – trinkt’s lieber a Bier“. Mit diesem Zitat von Karl Valentin begrüßte Florian „Flickä“ Oberlechner gestern Abend die rund 200 Gäste zum 30-jährigen Jubiläum des Starkbieranstichs im Gmunder Gasthaus Köck. Der „Flickä“, selbst zum siebten Mal als Fastenprediger im Einsatz, stürzte sich dann ohne große Umschweife auf die Verfehlungen, Missgeschicke, Possen und Pannen der Politiker im Tal.

Gmunder „Villa Rustica“

Zunächst drehte sich alles ums Gmunder Maximilian. Die „Villa Rustica an der Tegernseer Straße“. Die Bauruine, in der seit über 30 Jahren kein Bier mehr ausgeschenkt worden sei. „Damals war Boris Becker beim Liebesspiel noch alleine auf dem Zimmer“, erinnerte Oberlechner an alte Zeiten.

Dennoch erkannte er an, dass dort jetzt immerhin mit dem Bau der Abbiegespur begonnen wurde. Aber die gebe es am neuen Berliner Flughafen schließlich auch schon zehn Jahre, drückte Oberlechner auf die Euphoriebremse. Andere Gmunder Probleme wie die Frage, ob der Biergarten in Kaltenbrunn pünktlich in diesem Frühjahr wird aufmachen können oder nicht, waren dann aber nebensächlich.

Mit Bad Wiessee machte Oberlechner den aus seiner Sicht spannenden Schauplatz der Lokalpolitik im Tegernseer Tal aus. „Bad Wiessee braucht kein neues Schwimmbad. Die Schwimmen schon jetzt in Schulden“, so Oberlechner zur Zukunft des Bade Parks. Dem Wiesseer Gemeinderat warf er vor, sich statt mit wichtigen Fragen wie der Investorensuche für das Jodbadareal oder der Kaufwut des Franz Haslberger lieber mit sich selbst zu beschäftigen.

Der Wiesseer Gemeinderat sei ein Waldorfgremium: schwer erziehbar, egozentrisch und mit einen Defizit an Umgangsformen.

Werden eure Sitzungen künftig im Internet übertragen, bekommt ihr Probleme mit RTL. Denn dann schaut niemand mehr Sendungen wie „Das Dschungelcamp“ oder „Bauer sucht Frau“.

Wegen seines im Vergleich zu den anderen zweiten Bürgermeistern viermal höheren Gehalts wurde aus dem Wiesseer Rathaus-Vize Robert Huber „Der Rockefeller des Oberlandes“. Huber sei außerdem der ewige Nicht-Landrat, so oft wie er schon im Recall von „Miesbach sucht den Landrat“ gewesen sei, spielte der „Flickä“ auf Hubers vergebliche Versuche, Landrat zu werden, an.

Rzehak als Störmeldung im Atomkraftwerk

Auch den Wahlkampf zum Landrat, aus dem Wolfgang Rzehak im März 2014 schließlich als Sieger hervorgegangen war, arbeitete Oberlechner nochmals auf: „Beim Kreidl waren erst der Doktortitel, dann die Würde und schließlich er selbst weg.“ Auch am neuen Landrat Wolfgang Rzehak störte sich der Fastenprediger, zumindest am Nachnamen. Der Name Rzehak sei selbst für einen Grünen gewagt. „Das klingt wie eine Störmeldung aus einem tschechischen Atomkraftwerk.“

An den ersten Grünen Landrat Deutschlands kann sich Oberlechner dabei immer noch nicht so ganz gewöhnen: „Früher musste man in die Landesgartenschau gehen, wenn man einen Grünen sehen wollte.“ Gleichwohl ging er mit Rzehaks Vorgängern und der Sponsoringpraxis der Miesbacher Sparkasse hart ins Gericht:

Bei dem Film „50 Shades of Grey“ dachte ich erst an einem Film über Kreidl und Bromme. Die kennen sich mit den 50 verschiedenen Graustufen der Politik sicher gut aus.

Den „Ab-und-zu-wegschau-Aufsichtsräten“ des Verwaltungsrats der Sparkasse legte Oberlechner nahe, zu ihren Fehlern zu stehen. Die seien wie kleine Kinder, die in die Hose gemacht hätten. Jeder sehe es, aber niemand wolle es zugeben. Beim Kauf der Geitauer Almen habe Ex-Sparkassenvorstand Georg Bromme aus Sicht von Oberlechner indes einen entscheidenden Fehler gemacht:

Er hätte dort wenigstens einen Geldautomaten hinstellen sollen. Dann hätten es auch die anderen Banker eingesehen.

Heute sei die Sparkasse laut Oberlechner indes froh über den neuen Landrat Rzehak. Der werde schließlich erst in gut 15 Jahren seinen 60. Geburtstag feiern. Wie das Geld dafür aufzutreiben ist, konnte sich Oberlechner auch bereits vorstellen: „Uli Hoeneß büßt pro Tag etwa 55.000 Euro seiner beglichenen Steuerschulden im Gefängnis ab. Da könnte ein Bayerischer Landrat jeden zweiten Tag Geburtstag feiern.“

Tegernsee auf Putins Spuren

Schließlich wandte sich der „Flickä“ wieder der Talpolitik zu. Nach Peter Janssens Abschied sei es in Tegernsee brutal ruhig geworden, konstatierte er. „Um Janssens Tatendrang zu halten, hätte der neue Bürgermeister schon Vladimir Putin oder Gregor Gysi heißen müssen.“ Nachfolger Johannes Hagn bescheinigte er derweil „einen Mangel an Profilierungssucht“.

Ganz anders verhalte sich dies beim Herzoglichen Brauhaus Tegernsee. „Die Brauerei baut so tief, so tief haben nicht mal die „Geldigen“ im Tal ihre Ersparnisse versteckt“, meinte Oberlechner. Er empfahl den Verantwortlichen, die Gärtanks in den Klassenräumen des Gymnasiums zu platzieren, schließlich sei dort bald eh alles leer. Ein Seitenhieb gegen das Tegernseer Bier folgte:

„Mit euren Hellen müsst’s Obacht geben. Manche meinen, das Fahren im Gmunder Kreisverkehr macht schwindliger als euer Bier.“ Auch einen Blick gen Rottach-Egern wagte Oberlechner gestern Abend. „Als Dank, dass er den Christian Köck hat die Bürgermeisterwahl gewinnen lassen, bekommt der Bogner Joe nun seine Gsotthaber Stuben.“

Auch im folgenden kurzen Video dreht sich alles um Rottach-Egern, die dortige Bauwut und die Tempo 30-Zonen.

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In Kreuth stand hingegen wie im Vorjahr die Harmonie im Mittelpunkt. „Da sitzen der Bierschneider Sepp und seine Stellvertreter im Schlafanzug mit der ‚Diddl-Maus’ in der Hand im Gemeinderat.“

Zu guter Letzt machte sich Oberlechner über die Diskussion um das hohe Verkehrsaufkommen in Waakirchen lustig. „Das sagt der Hartl Sepp: Bei den anderen bleiben sie wohnen, bei uns fahren sie wenigstens nur durch.“ Als eigentliches Problem sah der „Flickä“ aber den Kreisverkehr mit der nackten Venus-Skulptur in der Mitte:

Zieht der Dame doch endlich was an! Schulbusse dürfen dort nur noch nachts vorbei fahren. Dafür fahren die Alten gleich dreimal am Stück rum. Das ist wirklich gefährlich.

Seine Rede beendete er schließlich mit jenem Karl-Valentin-Zitat, mit dem er seine Rede begonnen hatte. Der Lohn: stehende Ovationen von den Zuhörern im Saal. Darunter neben Landrat Wolgang Rzehak auch der Gmunder Bürgermeister Georg von Preysing und sein Waakirchner Amtskollege Sepp Hartl.

Sie zeigten sich ebenso begeistert wie der Rest der Anwesenden. „Mir hat es gut gefallen”, so von Preysing auf Nachfrage. Der Gmunder Rathauschef amüsierte sich vor allem über die Spitzen gegen die Wiesseer Nachbarn und meinte scherzhaft: „Bei uns gibt’s zur Zeit ja fast nix Negatives.“ Schon in zwei Wochen steht die Lokalpolitik erneut auf dem Prüfstand. Dann liest Nico Schifferer als Bruder Barnabas der lokalen Prominenz die Leviten.

Hier noch ein paar Bilder von der gestrigen Rede:

Rund 200 Gäste lauschten den Fastenpredigt im Gmunder Gasthaus Köck.
Rund 200 Gäste lauschten der Fastenpredigt im Gmunder Gasthaus Köck.

Auch Landrat Wolfgang Rzehak und die Bürgermeister Georg von Preysing und Sepp Hartl konnten lachen.
Auch Landrat Wolfgang Rzehak und die Bürgermeister Georg von Preysing und Sepp Hartl konnten lachen.

Auch Bäustüberl Fastenprediger Nico Schifferer (vorne rechts) war gestern Abend anwesend.
Auch Bräustüberl-Fastenprediger Nico Schifferer (vorne rechts) war gestern Abend anwesend.


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