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Miesbachs Landrat - eine Halbjahresbilanz

Wie grün ist Rzehak?

Rzehak Landrat

An diesem Wochenende dringt die Kunde von einer schwarz-grünen Liaison im Landkreis Miesbach bis in die höchsten politischen Kreise. Dann nämlich, wenn das ZDF über den CSU-Parteitag in Nürnberg berichtet. Flankierend dazu drehte der Sender die Bräustüberl-Runde in Tegernsee. Ins Bild gerückt wurden vornehmlich Alexander Radwan (CSU) und Miesbachs erster Grünen-Landrat Wolfgang Rzehak. Eine Nähe, die nicht jedem gefällt.

Viel wurde über diese bierselige Stammtischrunde schon spekuliert. Eine schwarz-grüne Annäherung befürchtet ein konservativer Kreis von CSU-Rebellen, andere nähren den Verdacht, Rzehak könnte womöglich seine grüne Seele an die Schwarzen verkaufen.

„Damit sollen Ressentiments abgebaut werden“, entgegnet Rzehak seinen Kritikern, denn es sei wichtig, sich zu beschnuppern. „Zum Beispiel mit Alexander Radwan, der eigentlich ein Liberaler in der CSU ist. Er ist jedenfalls kein Erzkonservativer“, so der grüne Landrat. Denn es zeige sich, dass es gewisse Wertvorstellungen gebe, die gar nicht so weit auseinander lägen. Und es gehe um das Brückenbauen und nicht um Koalitionsgespräche. „Und wo bietet sich dies besser an, als in einem eigentlich schwarzen Landkreis, wo ein Grüner Landrat wurde“, da ist sich Rzehak sicher.

„Der hat zu nichts eine eigene Meinung“

Seit Anfang Mai sitzt der 47-Jährige Gmunder nun auf dem Chefsessel des Landratsamts. Ist der Wechsel von Jakob Kreidl zu Wolfgang Rzehak damit auch ein politischer Paradigmenwechsel? Was änderte sich seitdem? Konnte er schon grüne Akzente setzen? Der Versuch einer Annäherung nach gut einem halben Jahr Amtszeit.

Wie Rzehak als Grüner im Gmunder Gemeinderat über Jahre taktierte, davon weiß Parteikollegin Helga Wagner ein Lied zu singen: „Wenn es im Gemeinderat um wirklich wichtige Dinge ging, wie beispielsweise die Abfüllanlage der Brauerei unweit der Kreuzstraße oder das Maximilian-Gelände, da war Rzehak bei den Abstimmungen immer an der Seite der CSU.“ Für Wagner ist Rzehak kein Grüner, er habe zu nichts eine eigene Einstellung. „Die CSU wird ihn fallen lassen, sobald sie für die nächste Wahl ihren eigenen Kandidaten aufgebaut hat, da bin ich mir sicher“, glaubt Wagner.

Mehr Verwalter als Gestalter

Kreuths CSU-Bürgermeister Josef Bierschneider sieht in Rzehak mehr den Verwalter als den Gestalter. Dies unterscheide ihn von seinem Vorgänger Jakob Kreidl, der versucht habe, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. „Rzehak zieht sich mehr auf die Verwaltung des Landratsamtes zurück und zieht keine zusätzlichen Dinge an sich“, so Bierschneider in seiner Bilanz. Menschlich könne er gut mit ihm zusammenarbeiten.

„Wir hatten zwar seit seinem Amtsantritt keine ökologischen Themen im Kreistag, so dass wir seine Parteizugehörigkeit zu den Grünen gar nicht festmachen konnten. Allerdings mussten wir ihn im Kreistag beim Thema Tourismus überzeugen, dass man nicht von heute auf morgen die Förderung auf Null runterschrauben kann, sondern dass man hier einen vernünftigen Weg mit Augenmaß geht. Von entsprechenden Argumenten lässt sich Rzehak auch überzeugen.“

Schutzgemeinschaft hat sich andere Signale gewünscht

Beim Thema Ökologie sieht Rzehak beispielsweise durchaus Schnittmengen mit der CSU: „Die Schwarzen sagen Bewahrung der Schöpfung, wir Grünen sagen Nachhaltigkeit. Es sagt das Gleiche aus, es ist nur ein anderes Etikett. Wir wollen alle unsere Heimat und Natur erhalten. Dorthin gibt es vielleicht verschiedene Wege. Aber das Ziel haben wir alle. Mir ist wichtig, mit wem ich am meisten grüne Politik umsetzen kann.“

Bei der erneuerbaren Energie seien es die Bereiche Hackschnitzel und Photovoltaik. „Ich werde mich aber nicht in die kommunale Selbstverwaltung einmischen, das muss jede Gemeinde selber wissen, was für sie das Beste ist“, erklärt Rzehak, „aber ich begrüße es sehr, dass mit dem CSU-Bürgermeister Johannes Hagn in Tegernsee ein Umdenken bei der Photovoltaik stattgefunden hat.“

Wolfgang Rzehak hat viele Gegner -  auch die Schutzgemeinschaft hatte sich mehr von einem grünen Landrat erhofft
Wolfgang Rzehak hat viele Gegner – auch die Schutzgemeinschaft hatte sich mehr von einem grünen Landrat erhofft.

Die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) bei ihrem Mitglied Rzehak, der schon ein paarmal auf ihren Veranstaltungen gewesen sei. Zuletzt bei einer Philippika gegen die Bauwut im Tegernseer Tal, vorgetragen Ende November im Barocksaal von Hubert Weiger vom Bund Naturschutz.

„Ich hoffe, dass dessen aufrüttelnder Vortrag nicht spurlos an Rzehak vorübergegangen ist“, sagt Angela Brogsitter-Finck von der SGT, „bisher hat man allerdings noch nicht gemerkt, dass er ein grüner Landrat ist. Er sagt ja selbst, er sei Pragmatiker und Kommunalpolitiker, als Landrat sei er kein Grüner. Viele bei uns in der Schutzgemeinschaft hatten sich andere Signale von ihm gewünscht.“

Rzehak sieht Beschneiungsanlage kritisch

Die Nagelprobe für einen grünen Landrat hätte die Genehmigung der Beschneiungsanlage auf dem Sudelfeld werden können. Doch Rzehak hatte die Gnade des späten Amtsantritts. Die Entscheidung fiel noch in die Amtszeit seines Vorgängers. „Politisch sehe ich die Genehmigung dafür allerdings sehr kritisch, das ist ganz klar“, erklärt Rzehak, „aber als Verwaltungsbeamter muss ich Entscheidungen mittragen. Auch wenn ich sie politisch nicht gut finde, kann ich nicht gegen Recht und Ordnung verstoßen. Das ist jedenfalls nicht mein Weg.“ Er setzt auf einen Tourismus, der in die Zukunft schaut und nicht nur auf Beschneiungsanlagen.

Für Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) sei Rzehak als „Grüner gerade richtig grün“. Löwis: „Er ist für mich ein Grüner, mit dem ich mir vorstellen könnte, durchaus schwarz-grün in Erwägung zu ziehen. Er ist einer, der den konservativen Bereich der Grünen abdeckt.“ Vielleicht erklärt dies, warum die Bräustüberl-Runde so das Medieninteresse weckt, gerade zu einem CSU-Parteitag.


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