Energiewende im Tal
Tegernsee: Doch kein Kraftwerk in der Tuften

von Robin Schenkewitz

Ergänzung vom 18. Dezember / 22:17 Uhr
“Lokale Unternehmer planen Kraftwerk in der Tuften” – so lautete die Überschrift im August. Doch nun haben Jo Bogner und seine Mitgesellschafter von der “RETEG” (Regenerative Energien Tegernsee) das Vorhaben durch Holzvergasung Strom und Fernwärme zu erzeugen, erstmal “auf Eis gelegt”.

Für die benötigten Maschinen gäbe es keine Garantien. “Wir haben keine klare Zusage, dass die Motoren am Ende auch laufen,” sagt Jo Bogner auf telefonische Nachfrage. Es handle sich dabei um ein Investment im Bereich von rund fünf Millionen Euro. “Das Risiko ist einfach zu groß.”

Damit wird die RETEG also nicht wie geplant auf dem Gelände des Tegernseer Sägewerks in der Tuften das angestrebte Holzgas-Kraftwerk bauen. Auch wenn die konkreten Pläne für das ehrgeizige Projekt schon ziemlich weit waren, wie Bogner betont: “2014 wollten wir in Betrieb gehen. Die Versorgung des Rottacher Warmbads und des angeschlossenen Seeforum wollten wir gerne übernehmen. Alles regenerativ.”

Alternativen prüfen

Auch mit dem Tegernseer E-Werk habe man Gespräche geführt. “Die waren sehr interessiert an dem Projekt.” Interesse hatte auch die Familie Miller, Eigentümer des Sägewerks. Auf dem insgesamt 8.000 Quadratmeter großen Gelände hätte das Kraftwerk gebaut werden sollen. “Es gab einen Vorvertrag. Mehr aber nicht,” betont Bogner.

Die Millers wollen, so die Entscheidung aus dem vergangenen Winter, das Sägewerk nach knapp 150 Jahren schließen. Mitgeschäftsinhaber Moritz Miller betonte im August, dass der Entschluss gegen die Fortführung des Sägewerkbetriebs mit den anstehenden Investitionen zu tun habe:

Die Maschinen sind schon sehr alt. Wenn wir das Werk weiter hätten betreiben wollen, wären demnächst Investitionen ins Haus gestanden, die sich angesichts der aktuellen Lage in der Holzindustrie nicht mehr gerechnet hätten. Selbst die großen Unternehmen produzieren nur noch eine reduzierte Menge.

Die RETEG wäre dabei nur einer von mehreren Pächtern – angedacht sind Gewerbebetriebe – gewesen. Allerdings ein Großer mit gut 3.000 Quadratmetern Nutzfläche, die für das Öko-Strom-Projekt benötigt worden wären. Doch gestorben, so Bogner sei das ganze noch lange nicht. “Wir haben ein paar Tausend Euro ausgegeben, Zeit investiert und gesehen, dass das Vorhaben mit Holzgas eben nicht geht.”

Was das genau bedeutet, darüber sind sich Bogner und seine Mitstreiter derzeit noch nicht ganz im Klaren. Es gäbe einige Möglichkeiten mit anderen Verbrennungssystemen, die man sich teilweise bereits angeschaut hat. “Wir werden das in Ruhe prüfen und dann weitersehen.”

Ursprünglicher Artikel vom 10. August mit der Überschrift: “Lokale Unternehmer planen Kraftwerk in der Tuften”
Wie wir bereits berichtet haben, entsteht in der Tuften auf dem Gelände des Sägewerks ein neues Gewerbegebiet. Einer der ersten Pächter ist das Unternehmen RETEG (Regenerative Energien Tegernsee), dass auf dem freiwerdenden Areal ein Kraftwerk errichten möchte.

Zukünftig soll dort in einem innovativen Verfahren Holz vergast und damit Strom und Wärme erzeugt werden. Mit an Bord ist unter anderem Josef Bogner, der bereits im letzten Jahr einige Veranstaltungen zu regenerativen Energien mitorganisiert hat.

Hier soll demnächst ein Kraftwerk entstehen

Hinter dem Projekt stehen fünf Privatleute, die nach eigener Aussage das Tegernseer Tal energetisch zukunftsfähig machen wollen: Andreas Niedermaier, Thomas Maban, Christian Bock sowie Karl und Josef Bogner. Warum erläutert Josef Bogner im Gespräch: „Hier im Tal ist diesbezüglich wenig passiert. Diese Sache ist uns einfach ein Anliegen“. Ihr derzeitiges Hauptaugenmerk liegt dabei besonders auf Holz als nachwachsenden Rohstoff, da dieser regional reichlich vorhanden sei, wie Bogner erklärt.

Der ideale Platz

„Theoretisch kann man Strom aus regenerativen Energien immer erzeugen. Die große Frage ist nur wo?“ sagt der Gastronom, dem das Rottacher Gasthaus “Beim Zotzn” gehört. Deswegen galten die ersten Anstrengungen auch der Suche nach einem geeigneten Platz für das Kraftwerk. Mit dem Gewerbegebiet in der Tuften scheint man nun einen idealen Platz gefunden zu haben.

„Wir haben mit der Familie Miller bereits einen Vorvertrag geschlossen“, verrät Bogner. Das entsprechende Teilstück des Grundstücks wird voraussichtlich 3.000 Quadratmeter groß sein, wovon die Halle, in der später das Kraftwerk stehen soll jedoch nur knappe 400 Quadratmeter einnimmt. Der Rest werde so belassen wie es heute ist und als Holzlager verwendet. „Optisch wird sich dahinten also wenig ändern“.

Denn auch die Halle soll sich laut Bogner in das Landschaftsbild einfügen: „Die Leute brauchen sich keine Sorgen machen. Die Halle hat am höchsten Punkt vielleicht zehn Meter und die Fassade wird fast komplett aus Holz bestehen“

Josef Bogner und seine Mitstreiter wollen das Tal “grüner” werden lassen

Mit dem Kraftwerk soll dann schließlich ein “wahres Wunder an Effizienz” entstehen, wie Bogner betont: „Werden bei der herkömmlichen Verbrennung von Holz lediglich 35 Prozent der vorhandenen Energie genutzt, erreicht man bei der Vergasung bis zu 85 Prozent“

Dazu wird das Holz nur erhitzt, nicht verbrannt. Bei diesem Prozess treten Holzgase aus, die dann aufgefangen und durch eine Turbine geleitet werden. Dadurch entsteht der Strom. Zündet man das Gas danach an, hat man auch eine Wärmequelle. „Das Prinzip ist schon seit dem ersten Weltkrieg bekannt. Marktreif ist es aber erst in den letzten Jahren geworden“.

Konkurrenz zum E-Werk

Die damit erzielte Wärme soll als Fernwärme im ersten Jahr bis zu 400 Haushalte versorgen können. Eine wichtige Hürde auf dem Weg dahin ist auch schon genommen. „Die Gemeinde Rottach-Egern hat das Fernwärmenetz schon genehmigt. Wir genießen da denselben Status wie die derzeitigen Grundversorger“.

Als Abnehmer sieht Bogner zwei Hauptzielgruppen:

Gedacht ist die Lösung für Menschen, die sich in den nächsten Jahren sowieso eine neue Heizung zulegen müssten. Die Installation der Leitungen und des Wärmetauschers wird zwischen 6.000 und 15.000 Euro kosten. Eine neue Heizung kostet etwa das Doppelte.

Vor allem wollen wir aber auch Hotels ansprechen, die ihre Heizkosten damit um bis zu 30 Prozent senken könnten.

Die Hauptproduktion für die Wärme wird dabei die Holzvergasung liefern. Für Spitzenzeiten soll aber trotzdem immer eine herkömmliche Gasheizung bereit stehen. Schließlich müsse die Grundversorgung gesichert sein, so Bogner. Ein Problem, dass ihm und seinen Mitstreitern immer wieder begegnet sind die fehlende Abnehmer für Wärme im Sommer. „Im Winter ist das kein Problem, aber was ist mit dem Sommer?“

Im Gespräch ist eine Umwandlung von warm zu kalt, ähnlich dem Prinzip des Kühlschranks, nur umgekehrt. Damit könnten dann Klimaanlagen betrieben werden. „Da sind wir noch dran“, meint Bogner.

Straffer Zeitplan

Dabei hat RETEG einen straffen Zeitplan vor sich. Derzeit befinde man sich noch in Verhandlungen mit verschiedenen Anbietern. Wenn das entschieden ist, könne es auch ganz schnell gehen, ist sich Bogner sicher: „Ich denke die Inbetriebnahme 2014 ist realistisch“

Im Winter soll es dazu einen Infoabend geben, bei dem RETEG die Bürger vom Nutzen des Projektes überzeugen will. Trotzdem gehe es am Ende nicht nur darum die Bürger zu begeistern. “Wir müssen beweisen dass die Sache wirklich funktioniert“.

Natürlich ist die Sache auch mit einem finanziellen Risiko verbunden. Schließlich geht es dabei um Investitionssummen zwischen fünf und sechs Millionen Euro, die größtenteils für den Ausbau des Fernwärmenetzes benötigt werden. Trotzdem betont Bogner, dass ihm und seinen Kollegen nicht rein ums wirtschaftliche geht: „Wie ich schon gesagt hab, es ist uns einfach ein Anliegen.“

Welches Potential letzlich in der neuen Technologie steckt, bleibt abzuwarten. Zumindest in einigen Bereichen dürfte die RETEG ziemlich schnell in direkter Konkurrenz zum E-Werk Tegernsee treten. Und das hat ja auch mal klein angefangen.


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