Eskaliert Streit um Pacht für Königsalm?
Wer verdient am Alm-Boom?

Auf über 1.100 Höhenmetern liegt die Königsalm. Die mythenumwobene Alm samt Ländereien gehören dem Herzoglichen Haus. Und die wollen jetzt mehr Geld.

Die Königsalm in Kreuth / Quelle: Rose Beyer

Sogar Kaiserin Sissi soll hier übernachtet haben. Die Königsalm in den Kreuther Bergen ist ein beliebtes Ausflugsziel. Ein kurzer, etwa anderthalbstündiger Anstieg über die Naturrodelbahn oder etwas länger über die Gaißalm. Zwei Pächter, Josef Gottfried und Andreas Mehringer, bewirtschaften seit gut acht Jahren die Alm. Neben der gastronomischen Tätigkeit ist vor allem die landwirtschaftliche Nutzung wichtig: 122 Hektar, drei Ställe; alles ökologisch auf höchstem Niveau. 

Die Alm und die dazugehörigen Ländereien gehören dem Herzoglichen Haus (HH) der Wittelsbacher, verwaltet von der 2020 gegründeten ‘Wildbad Kreuth Familiengesellschaft’. Und die möchte auch einmal Geld verdienen mit ihren Liegenschaften. 18 Almen gehören der Familie. Da ist die kleine Berghütte dabei, aber eben auch die gastronomisch lukrativen Dickschiffe wie die Bayralm, die Siebenhütten und eben die Königsalm. Bei vielen soll der Pachtbetrag überschaubar sein.

Rückblick

Almen waren lange Jahre nur für die Landwirtschaft wichtig; Bauern trieben ihr Vieh, im Sommer auf die Wiesen. Nach und nach wurden aber Almen auch für freizeitfreudige Touristinnen und Touristen interessant. Bei Schnittlauchbrot und einem Hellen träumt sich die raue Alpenromantik besser. Nur: Diese einfache Idee von Leben in den Bergen verspricht auch Profit. Peinlicher Höhepunkt vor zwei Jahren: Eine Maklerfirma aus dem Tal umwirbt die Almenbesitzer mit dem Satz “Wir verhandeln nicht, wir nicken nur”. Ausdruck eines irrsinnigen Runs auf die, in den Bergwäldern gelegenen, Holzhütten. Stichworte: Saurüsselalm, Luxus-Chalet …

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Alles, was zivilisationsfern und urig ist, will zu Geld gemacht werden, Profit abwerfen. Ausverkauf der Heimat auf über 1.000 Höhenmetern, weil es unten im Tal eng wird … 

Eine reizvolle Landschaft mit Buckeln und Schirmbäumen. / Foto: Rose Beyer

Schönheitsfehler: So eine Immobilie wie die Königsalm ist eben nicht nur ein Gastrobetrieb. Mit den 122 Hektar und den “geparkten” Kühen dort oben sorgen die Pächter dafür, dass die Landschaft erhalten bleibt, nicht verwildert. Dafür allerdings wird sie auch durchaus von der EU und unserem Staat gefördert. Bei der Königsalm kann man von zirka 70.000 Euro staatlicher Subvention rechnen, so erklärt die heimische Agrarexpertise. Hinzu kommen die Einnahmen aus dem Gastro-Bereich und die Zahlungen für die “Beherbergung” der Kühe. Somit kommen bei den Pächtern Umsatzerlöse von zirka 160.000 bis 180.000 Euro pro Jahr an. Die jetzigen Pächter sollen weniger als 3.800 Euro im Jahr an das Herzogliche Haus zahlen. Zugegeben, eine äußerst geringe Pacht. Sie steht in keiner Relation zum Erlöspotenzial.

Andreas von Maltzan, Geschäftsführer des Herzoglichen Hauses
Freiherr Andreas von Maltzan, Geschäftsführer “Wildbad Kreuth Gesellschaft”. Quelle: Wildbald Kreuth Gesellschaft.

Das ist dem Haus, so hört man, eindeutig zu wenig. Wir sprechen mit Freiherr Andreas von Maltzan. Er ist der Ehemann der Herzogin Anna in Bayern und soll sich nach dem Willen der Familie um die Liegenschaften des Hauses kümmern. Über seine Vorstellungen kursieren diverse Gerüchte im Tal. Schon beim diesjährigen Faschingsumzug in Kreuth las man auf Plakaten “Einheimische ausse, geldige Auswärtige nei, so soi des jedz bei de herzoglichen Oima sei!”

Maltzan dazu: “Das ist völliger Unsinn. Wir sind uns als Haus unserer Verantwortung für die Heimat sehr wohl bewusst. Aber die bisherige Pachthöhe entspricht nicht im Ansatz üblichen Zahlungen. Für uns ist das dann ein Zuschussgeschäft.”

Nun ist das Gesamt-Ensemble dort oben durchaus pflegebedürftig. 1821 von König Max 1 gekauft, muss es den harten Wintern trotzen und hat einen entsprechenden Renovierungsbedarf. Maltzan: “Allein in den letzten zwei Jahren haben wir über 0,5 Millionen Euro in die Sanierung von Almhütten investieren müssen, um sie von dem Verfall zu schützen.” Maltzan weiter: “Nur durch eine faire Pacht zwischen Pächter und Eigentümer kann langfristig der Bestand für die nächsten Generationen gesichert werden. Es darf kein Ungleichgewicht entstehen. Dies war leider zu viele Jahre der Fall zulasten der Eigentümer.”

Klare Worte beim diesjährigen Faschingsumzug. Foto: Martin Calsow.

In der Tat waren einige Almbauern in einem Geschäft auf Gegenseitigkeit mit dem Eigentümer verbunden. Der Pächter sorgt für den Betrieb, zieht Zäune, hält das Land in Schuss. Dafür wird er nicht mit einer hohen Pacht belastet. Nur – warum sollte nicht auch auf 1.100 Metern die Marktwirtschaft gelten? Was, wenn Maltzan andere Landwirte findet, die sehr wohl bereit sind, mehr Pacht zu zahlen? Die Königsalm in Eigenbetrieb zu führen, käme für das Herzogliche Haus auch infrage. Und einen Ausbau der Gastronomie?

“Wir werden da oben kein Schickimicki-Restaurant wie die Saurüsselalm haben. Es wird eine Ausschreibung geben, man kann sich bewerben, und wir haben schon jetzt mehrere Interessenten für die Königsalm”, verspricht Maltzan. Aber dennoch ist die Königsalm ein hoher Kostenposten für das Herzogliche Haus.

Wie hoch soll denn nach Maltzans Vorstellung die Pacht aussehen? Darüber will er nicht sprechen. Man hört, dass eine Erhöhung auf etwa 240 Euro pro Hektar pro Jahr im Raum steht. Das wäre zehnmal mehr als die aktuelle Pacht. Aber immer noch unter Marktdurchschnitt. Außerdem würde die Herzogliche Verwaltung die Instandhaltung der Gebäude übernehmen, welches bisher beim Pächter lag.

Wie sehen das die aktuellen Pächter? Der junge Andreas Mehringer bewirtschaftet auf der Königsalm zusammen mit seiner Frau. Wir haben nach seiner Sicht gefragt. Aber der junge Almbauer will sich zurückhalten. Die Gespräche mit Maltzan stehen an. Billiger wird es wohl kaum. Der Trend, die Almen zu versilbern, wird voranschreiten. Mal werden sie an Autohausbesitzer aus dem Nordkreis verpachtet, mal an Wochenend-Urlauberinnen, die dann in Wandergebieten ein eher städtisches Leben pflegen – mit Außenpool und Landrover vor der Tür.

Man kann nur Menschen wie Andreas von Maltzan vertrauen, wenn sie zusagen, die Heimat nicht maximal nach Profit zu maximieren.

Randnotiz

Nachtrag: In Bad Wiessee soll eine Alm an die kommunale Wasserversorgung angeschlossen werden. Mit im Gemeinderat werden auch zwei Almbauern sitzen und abstimmen …

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