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Stadt entwickelt Konzept für „ruhenden Verkehr“

Wie Tegernsee dem Parkdruck entkommen will

Über ihre Parksituation hat sich die Stadt Tegernsee Gedanken gemacht. Reichen die Stellplätze in Zukunft aus? An welchen Stellen ist der Parkdruck am größten? Wo können neue Parkplätze geschaffen werden? Doch Stadtratsmitglied Thomas Mandl warnt: „Wer Parkplätze sät, wird Verkehr ernten.“

Im Dezember 2025 läuft der Pachtvertrag für den Zentralparkplatz aus.

In einer ersten Analyse hatte die von der Stadt Tegernseee beauftragte Transver GmbH – zuständig für Verkehrforschung und Beratung – die Auslastung der Parkplätze in Tegernsee untersucht. Rund 1.092 Stellplätze stehen in Tegernsee zur Verfügung, fast 40 Prozent davon befinden sich im Süden des Zentrums.

In einer Verkehrsklausur wurde zusammen mit der Stadt daraufhin ein Maßnahmenkatalog entwickelt, um die Parkplatzsituation künftig in den Griff zu bekommen. Über dieses Konzept entschied der Stadtrat gestern.

Die Ist-Situation

Dr.-Ing. Klaus Bogenberger, Professor für Verkehrstechnik und –planung an der Universität München stellte zunächst das Ergebnis der Analyse vor. Untersucht wurde die Auslastung der Parkplätze in Tegernsee zu den Stoßzeiten: 7 Uhr morgens, 11 Uhr, 15 Uhr und 19 Uhr. Das Ergebnis:

• 7 Uhr: Im gesamten Stadtgebiet sind die Stellplätze zu dieser Uhrzeit kaum belegt.
• 11 und 15 Uhr: Der Parkdruck steigt. Besonders am Zentralparkplatz und am Schloßplatz werden die Stellplätze belegt.
• 19 Uhr: Die Situation entschärft sich. Es gibt wieder freie Parkplätze.

Besonders stark frequentiert seien die Parkplätze in der Hochfeldstraße, der Karl-Theodor-Straße, der Klosterwachtstraße und der Lärchenwaldstraße. Auch der Seesauna-Parkplatz sowie die Max-Josef-Straße sind gefragt, ebenso Bereiche mit Parkscheibenregelung. Der „Parkdruck“ konzentriere sich auf „Hot Spots“, so der Professor.

Mehr Stellplätze nötig

Er führte den Kritikpunkt auf, dass es in ganz Tegernsee keine einheitliche Regelung für Parkdauer, freie Parkzeiten und Tarife gibt. Positiv sei dagegen, dass Einzelhandelsstellplätze doppelt genutzt werden. Für die Zukunft prognostizierte er bis zum Jahr 2030 eine Erhöhung des Verkehrsaufkommens von 10 bis 15 Prozent.

Dies sei natürlich mit einer Zunahme „abgestellter Fahrzeuge“ verbunden. Ziel müsse es deshalb sein, die Kapazitäten um „100 bis 200 Stellplätze zu erhöhen“, alternative Verkehrsangebote zu fördern – wie beispielsweise den 30-Minuten-Takt der BOB, und die Dauerparker in den Griff zu bekommen.

Warum denn die Pendlerparkplätze bei dieser Analyse nicht berücksichtigt wurden, wollte Laura Mandl (SPD) wissen. Dieses Thema müsse man extra angehen, entgegnete Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Auch hier sei zu überlegen, welcher Platz dafür zur Verfügung stehe, und welcher Tarif gelten solle, damit der Parkplatz auch angenommen werde.

Bauliche und ordnungsrechtliche Maßnahmen

In dem in Zusammenarbeit mit der Stadt Tegernsee erarbeiteten Maßnahmenkatalog stehen sowohl der Bau einer Tiefgarage bei der Sparkasse (Prio eins) als auch der Neubau von Parkplätzen am Horngelände (Prio zwei) auf der Prioritätenliste. Als kurzfristige Maßnahme behält sich die Stadt vor, die Busstellplätze am Sommerkeller umzuwidmen. Wobei sich die Stadt die Umsetzung beider Prioriäten nicht leisten könne, wie der Bürgermeister seinen Stadtratsmitgliedern erklärte.

Einwand gab es hier von Heino von Hammerstein (BürgerListe): „Der Stellplatz-Schwerpunkt darf sich nicht nur Richtung Süden verlagern, sondern muss sich auch auf den nördlichen Bereich konzentrieren.“ Wenn schon der Seesauna-Parkplatz „objektbezogen“ sei, dann wäre es doch sinnvoll, zuerst das Horngrundstück weiterzuentwickeln. Dem stimmte auch Martina Niggl-Fisser (BürgerListe) zu.

Tarifanpassung und neues Parkleitsystem

Ein Konzept für ein Parkhaus dort liege bereits in der Schublade, so von Hammerstein. Schon 2012 habe der Stadtrat eine Parkvariante mit 113 Stellplätzen erarbeitet. Dies dürfe nicht unter den Tisch fallen.

Ein weiterer Punkt im Maßnahmenkatalog: Die Tarifanpassung. Hier plant die Stadt einen 1-1-5-Tarif: Eine Stunde frei parken, einen Euro für jede weitere Stunde, fünf Euro für das Tagesticket. Die Höchstparkdauer soll an Werktagen auf drei Stunden in einem Zeitraum von 8 bis 19 Uhr festgesetzt werden. Ausnahmen bilden hier die Seesauna, der Schloßplatz, der Lidl und Edeka sowie die Wanderparkplätze und die Point.

Parkscheinautomaten nach Kreuther Vorbild

Ebenso denkt die Stadt über Parkscheinautomaten nach. Ähnlich wie Kreuth es handhabt. Tickets sollen künftig auch mit Handy oder Kreditkarte bezahlbar sein. Dafür wolle man aber erst die einjährige Testphase in Kreuth abwarten, erklärte Bürgermeister Johannes Hagn. „Ziel könnte es sein, dieses System flächendeckend im gesamten Tal einzuführen.“

Peter Schiffmann (SPD) fand es „gut“, das Thema Parkscheinautomaten jetzt schon anzugehen. Peter-Friedrich Sieben (FWG) lobte die Parkplatz-Analyse insgesamt, besonders gefiel ihm die „wissenschaftliche und sachliche“ Herangehensweise der Stadt. Auch Andreas Obermüller (FWG) fand den Maßnahmenkatalag „klug formuliert“. Er verpflichte zu nichts. Als großes Plus sah Obermüller den geplanten Bau der Tiefgarage bei der Sparkasse. „Weil wir mit einem möglichen Wegfall des Zentralparkplatzes rechnen müssen.“

Lediglich Florian Kohler (BürgerListe) sah in der Analyse keine „Riesenerkenntnisse“. „Tatsache ist, wir haben im alten Zentrum akute Parkplatzprobleme.“ Die Bereiche Nord-Süd gegeneinander auszuspielen habe etwas Ideologisches, nichts Hinführendes. Stattdessen solle man lieber für Tegernsee insgesamt denken.

„Wer Verkehr sät, wird Parkplätze ernten“

Thomas Mandl (SPD) betonte, seine Fraktion könne zwar mit dem Konzept leben, dennoch könne es sich hier lediglich um ein Mosaikstein für ein gesamtes Mobilitätskonzept handeln. „Wir müssen darauf hinwirken, dass der Verkehr weniger wird, dann entfällt auch das Parkplatzproblem.” Und das Verkehrsproblem könne man nur talweit lösen. Wer Parkplätze sät, wird Verkehr ernten.“

Am Ende stimmte der Stadtrat den Maßnahmenkatalog nicht insgesamt, sondern Punkt für Punkt einzeln ab:

1. Der Ausbau der Tiefgarage bei der Sparkasse wird durch eine städtebauliche Rahmenplanung
zeitnah in Angriff genommen. Zustimmung bei allen Ratsmitgliedern.

2. Der Neubau des Parkplatzes am Horngelände wird in Erwägung gezogen bis abzusehen ist, wie sich das Hotel Guggemoos entwickelt. Mit drei Gegenstimmen wurde dieser Vorschlag akzeptiert.

3. Umwidmung und Ausbau der Busstellplätze am Sommerkeller. Einstimmige Annahme.

4. Alle Parkplätze werden gebührenpflichtig und es wird der 1-1-5-Tarif eingeführt. Es wird eine
einheitliche Parkdauer von 8 bis 19 Uhr eingeführt. Die Höchstparkdauer beträgt drei Stunden.
Ausnahme bilden die Seesauna, der Schloßplatz, der Lidl und Edeka sowie die Wanderparkplätze
und die Point. Mit einer Gegenstimme stimmte der Stadtrat auch für diese Maßnahme.

5. Anwohner, die keinen eigenen Stellplatz haben, erhalten eine Lizenz. Dieser Vorschlag wurde
einstimmig angenommen.

6. Bei den Abo-Parkplätzen wird die Zeit der Reservierung auf Montag bis Freitag beschränkt.
Einstimmige Annahme.

7. Ein neues Parkleitsystem wird eingeführt und die Standards von Kreuth überprüft und
integriert. Einstimmige Annahme.

8. Der Vorschlag von Laura Mandl, die Pendler zu berücksichtigen, wurde als neuer Punkt
hinzugefügt. Hier macht sich die Stadt Gedanken über eine mögliche Umsetzung. Auch diesem
Punkt stimmte der Tegernseer Stadtrat einstimmig zu.


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