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CSU-Ortsgespräch bringt es an den Tag

Badehaus nicht behindertengerecht

Ins Stocken geraten könnten womöglich Matteo Thuns hochfliegende Pläne für das neue Wiesseer Badehaus. Der Architekt hatte schlichtweg Einrichtungen für Behinderte vergessen. Dies wurde am Mittwochabend beim CSU-Ortsgespräch bekannt.

Florian Sareiter beim CSU-Ortsgespräch.
Florian Sareiter beim CSU-Ortsgespräch.

Diese Art Mini-Bürgerversammlung sei eine Premiere für seinen CSU-Ortsverein, sagte dessen Vorsitzender Florian Sareiter zu Beginn des Abends im Gasthof zur Post. „Das Konzept der CSU-Fraktion ist es, über die Arbeit des Gemeinderates zu informieren, da es zu wenige Informationen für die Bürger aus dem Rathaus gibt“, so der Wiesseer CSU-Chef.

„Wir fünf CSU-Gemeinderäte stellen uns den Fragen zum Ortsgeschehen, die uns alle beschäftigen“. Dies sei für beide Seiten eine Win-Win-Situation, da man Anregungen zu den drängendsten Themen bekomme. Geplant sei diese „aktive und lebendige Diskussion“ künftig zweimal jährlich. Doch die Auftakt-Veranstaltung hatte es bereits in sich. Denn auch die Gemeinderäte erfuhren so Neuigkeiten, die ihnen offenbar am Ratstisch nicht bekannt wurden.

Behindertenbeauftragter listet Höß Mängel auf

Zum einen will wie berichtet Investor Thomas Strüngmann der Gemeinde das Haus des Gastes einstweilen zur befristeten Nutzung überlassen, insbesondere für die Blaskapelle und das Salonorchester. Zum anderen kam bei dem Kapitel Badehaus zur Sprache, dass es nicht behindertengerecht geplant sei, wie Gastgeberin Hildegard Wagner zum Erstaunen der Gemeinderäte zu bedenken gab.

Dies hätte sie vom Behindertenbeauftragten des Landkreises erfahren. Anton Grafwallner bestätigt der Tegernseer Stimme auf Nachfrage, dass er noch ziemliche Mängel bei den bisher bekannten Plänen des Badehauses sehe. Er möchte aber das Feuer nicht schüren, „weil wir mit dem von Thun beauftragten Münchner Architekturbüro zusammenarbeiten“. Dennoch habe Grafwallner beim jetzigen Planungsstand Einwände, die er in diesen Tagen auch Bürgermeister Peter Höß erläutern wolle.

Es geht um vorhandene Behinderungen für Rollstuhlfahrer, aber auch um Sehbehinderte und Gehörlose. Selbst die Behindertentoilette entspricht nicht der Norm, da sie bisher nur einseitig anzufahren ist, wie ich den bisher gezeigten Plänen entnehmen kann.

Es gebe zwar Sprühbäder, doch der Ruheraum sei für Behinderte schwer zu erreichen, weil er ganz wo anders sei. Zudem sei noch nicht sicher, ob ein Rollstuhlfahrer überhaupt in die Ruheräume gelangen könne. „Mir geht es auch darum, dass Rollstuhlfahrer und Schwerbehinderte ein Wannenbad machen können. Dazu braucht es aber Badlifter, die bislang nicht vorhanden sind. Hier sehe ich die Defizite des Badehauses“. Grafwallner sei zwar kein Spezialist im Gesundheitswesen, doch dies sei seines Erachtens noch nicht durchstrukturiert. „Mir geht es darum, dass es ein Jodbad für alle wird. Das ist meine Kernaussage“.

Erregte Diskussionen

Ansonsten verlief die Diskussion unter den etwa 30 Teilnehmern bei dem derzeitigen Topthema ziemlich hitzig. Versammlungsleiter Florian Sareiter hatte oftmals Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Dennoch sah er in etlichen Wortmeldungen „kreative Meinungsäußerungen“. Hotelier Alwin Gerike kritisierte die „tollen Planungen des Stararchitekten“ Matteo Thun, der für das sogenannte Weltbad Wiessee nur zwölf Badewannen, zwei Besprühungsbäder und Inhalationsplätze vorsehe.

Er plant nicht einmal getrennte Ruheräume. So könnte man die Badewannen in der Zeit doppelt nutzen. Das ist ein grundsätzlicher Fehler. Wollen wir mit dem Neubau wieder ein Heilbad werden, oder ist es ein reiner Alibibau? Wie das Konzept jetzt aussieht, dreht es einem den Magen um.

Es sei zum Weinen, wenn man auf andere Heilbäder blicke, die ihre Kapazitäten voll ausgelastet hätten.

„Das Schlamassel mit dem Badehaus hat schon damit angefangen“, beklagte Rechtsanwalt Rainer Barthel, „dass man die ganze Technik vergessen und das Bad so gar nicht betrieben werden kann. Es fehlen zum Beispiel die Tanks für das abgeschiedene Paraffin“. In der einstigen Planung von Herrn Heby hätte es noch 24 Wannen gegeben, jetzt seien es nur noch zwölf. Damit wäre man auf ganz andere Belegzahlen gekommen.

Der Entwurf für das Badehaus wurde im Juli 2016 dem Gemeinderat vorgestellt / Quelle: Matteo Thun
Der Entwurf für das Badehaus wurde im Juli 2016 dem Gemeinderat vorgestellt / Quelle: Matteo Thun

Barthel verwies auf die Planungen des einstigen Interessenten Joachim Heby. Dessen Badehaus hatte zwar die EU-weite Ausschreibung gewonnen, doch der Gemeinde war die monatliche Pacht von 30.000 Euro für den „überdimensionierten Kasten“, so der Ablehnungsgrund, zu hoch. „Es ist sicher nicht richtig, dass man ein Heilbad nicht wirtschaftlich betreiben könnte“, so Barthel, „aber unser überaltetes Bad zieht keine neuen Gäste an. Wir haben immer noch einen Besucherschwund“.

„Wollen die Wiesseer überhaupt ein Jodbad?“

Es folgten Zahlen von erhofften Badegästen und Beispiele von Gegenrechnungen und endete in einer hitzigen Diskussion um das neue Badehaus. Sareiter warnte davor „ in diesem Forum irgendwelche Informationen zu streuen. Denn es laufen in dieser Angelegenheit inzwischen juristische Verfahren. Deswegen sollte man aufpassen, was man sagt“.

Gemeinderat Georg Erlacher stellte die grundsätzliche Frage: brauchen wir überhaupt noch ein Jodschwefelbad? Er sei zwar für den Erhalt, „doch mir fehlt der Input der Bevölkerung. Zur mir hat noch kein einziger Bürger gesagt, wir brauchen ein Heilbad“. Denn es sei nicht von der Hand zu weisen, dass Wiessee noch in zehn Jahren draufzahlen werde.


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