Wiesseer "Bussi Baby" bekommt Anbau

Mehr Wohnungen contra Kirchenblick

Für Hotelier Kohler drängt die Zeit. Er will schnellstmöglich mit einem Anbau an seinem Hotel “Bussi Baby” Wohnraum für Mitarbeiter schaffen. Doch er hatte die Rechnung ohne den Gemeinderat gemacht. Der will zunächst mit einem Schaugerüst geklärt wissen, ob damit der Blick zu Kirche beeinträchtigt wird.

Der Anbau des Bussi Baby unter der Kirche soll einem Neubau weichen / Quelle: Klaus Wiendl

Für ihn, so Korbinian Kohler bei seiner Einstimmung des Gemeinderats, gebe es am Tegernsee zwei Themen, den Verkehr und Unterkünfte für Einheimische. Damit meinte Kohler allerdings Arbeitnehmer im Tal. Der Verkehr würde auch durch die Distanz vom Wohnort zum Arbeitsplatz hervorgerufen. Dies gelte ebenso für seine Mitarbeiter, für die Kohler im ganzen Tal eine Reihe von Wohnungen angemietet habe. Dort seien Wohngruppen gebildet worden. Ein Single würde im Tal keine Bleibe mehr unter 600 Euro Miete finden. „Sie bekommen nichts“, bekräftigte Kohler.

Da er dagegen steuern wolle, plane er nun im hinteren Teil seines Hotels “Bussi Baby” Veränderungen. Der bestehende Anbau mit 19 Appartements soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Die Wohneinheiten „sind inzwischen baufällig, marode und haben teils auch kein Bad. Die sind nicht mehr aufrechtzuerhalten“, so Kohler.

Im Neubau sind 43 Wohneinheiten mit jeweils 24 Quadratmetern für Mitarbeiter geplant. Der Bedarf für sein Unternehmen sei gegeben, da allein schon 35 Auszubildende im Gästehaus Mahler in der Rottacher Seestraße untergebracht seien. „Bis Mitte nächsten Jahres müssen wir dort raus“, so Kohler. Dies habe er mit der Gemeinde Rottach-Egern vereinbart. Da die Zeit drängt, will Kohler bereits im Herbst mit den Bauarbeiten in Wiessee beginnen. In einem Jahr sollen die „zeitgemäßen Räume“ mit Bad, Kochzeile und WLAN bereits bezogen werden. Dennoch würde dies nicht reichen, da seine Betriebe deutlich mehr Platzbedarf hätten.

Schnelle Baumethode

Damit dieser ehrgeizige Plan in Bad Wiessee zu schaffen ist, „wird eine spezielle Bautechnik“ eingesetzt. Diese erklärte Kohlers Münchner Architekt Ralph Gierlinger. Er plant auf dem Untergeschoß in Massivbauweise aus Beton und Mauerwerk „eine reine Massiv-Holzkonstruktion“, in sogenannter Tafelbauweise mit vorgefertigten Wandelementen und Bädern. „Das ist eine sehr schnelle Baumethode“. Da müsse dann nur noch „angestöpselt“ werden. Das Problem sei das schwierige, dreiecksförmige Grundstück, für das ein Bebauungsplan bestehe. Deshalb bleibe nur ein langgestreckter Anbau an das Hotel mit 45 Metern Länge über drei Geschoße. „Der Neubau mit durchlaufenden Balkonen wird genau so lang wie der Bestand, der Gebäudeumriss ist fast identisch“, erklärte Gierlinger, allerdings soll der Baukörper ein Geschoß mehr bekommen und würde damit zwei Meter höher als der Altbestand. Man habe berücksichtigt, dass der Kirchberg dahinter prägend für den Ort sei.

Im ebenerdigen Untergeschoß soll nicht nur der Müll, sondern ein Blockheizkraftwerk auch für das Hotel untergebracht werden. Dort sollen Strom und Heizung „ökologisch und ökonomisch“ erzeugt werden. Des weitern würden dort auch Abstellräume für Mitarbeiter geplant. Zum Zeitplan sagte Gierlinger, dass der Abriss in etwa zwei Monaten zu schaffen sei und in gleicher Zeit auch der Aufbau der Holzkonstruktion.

„Skepsis“ gegen Mauerblick

Für Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) entstehe dort ein „sehr breites Gebäude“, das das „Ortsbild ganz schön beeinträchtigt“. Der Blick auf die Kirche als Wahrzeichen sollte aber so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Damit traf Höß den Nerv nahezu aller Gemeinderatsmitglieder. Da wegen der Höhe „Skepsis“ vorhanden sei, sprach sich Robert Huber (SPD) für ein Schaugerüst aus. Mit ihm soll geprüft werden, ob die Blickachse zur Kirche beeinträchtigt werde. Dies fand auch Zuspruch von Ingrid Versen (CSU), „ohne Schaugerüst entscheide ich nichts, die Kirche ist zu prägend“.

Klaudia Martini (SPD) schlug ein „Schnurgerüst“ mit roten Bändern vor. Allerdings habe sie mit einer zusätzlichen Wandhöhe von 0,75 Metern keine Probleme, da der Bauherr nach dem Bebauungsplan dazu das Recht für diese Erhöhung habe. Fritz Niedermaier (Wiesseer Block) konnte sich „nicht vorstellen“, dass das Bauwerk mit einem Geschoß mehr „nur unwesentlich höher“ werden soll. Er befürchtete, dass man beim Blick zur Kirche nur noch „eine Mauer“ sieht. Mit einem Schaugerüst ließe sich dies klären.

Sie brauchen die Wohnungen und wir wollen unser Ortsbild nicht mehr als nötig beeinträchtigen.

Bauamtsleiter Helmut Köckeis verwies darauf, dass die Kirche unter Denkmalschutz stehe. Deshalb sei in dem Verfahren auch die zuständige Behörde zu hören. Da Einmütigkeit am Ratstisch für ein Schaugerüst bestand, soll dieses bereits am 28. Mai um 17 Uhr zu besichtigen sein.


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