„Rundumadum“ und sowieso
Wiesseer Einheimischen-Projekt scheitert

von Klaus Wiendl

Im Juli genehmigte der Bauausschuss an der Sonnenbichl-Auffahrt ein Einfamilienhaus. Da sich aber nur Betuchte dafür interessierten, bekam man im Rathaus kalte Füße, da es sich um Gemeindegrund handelt. Diesen sollten nun Einheimische erwerben können. Doch auch diese Idee stieß auf Bedenken.

Auf diesem Gemeindegrund am Sonnenbichlweg sollten sich Einheimische einkaufen können. / Quelle: Klaus Wiendl

Das 800 Quadratmeter Grundstück hat es in sich. Einst stand dort an der steilen Auffahrt am Sonnenbichlweg eine alte Wasserreserve. Seit ihrem Abriss dient die ausgebaggerte Fläche als Lagerplatz für ein Tiefbauunternehmen. Bereits im Juli gab es Pläne zur Bebauung. Es sollte ein Einfamilienhaus mit einer Größe von 15 auf 10 Meter werden.

Interessenten für den Kauf des Gemeindegrunds mit einem genehmigten Vorbescheid des Landratsamts gab es „mehrere“, wie Geschäftsleiter Hilmar Danzinger zuletzt dem Gemeinderat erklärte. Bei Rathauschef Peter Höß (Wiesseer Block) seien zum einen sehr vermögende Personen vorstellig geworden, die schon einen Wohnsitz haben, aber weniger „einheimisch vermögende Personen“. Nachdem man sich aber die kommunalpolitische Strömung in Bad Wiessee und dem Tegernseer Tal angesehen habe, sei der Entschluss gefasst worden, „dass dies nicht ganz im Sinne des Gemeinderats sein könnte“.

Denn es bestand die Gefahr, dass die Gemeinde die vorliegende Planung an einen Bauwerber verkauft, „der sich eine Zweitwohnungsvilla bauen lässt“. Um dies zu verhindern, wurde das Rottacher Architekturbüro Lenz Strohschneider für eine alternative Planung beauftragt. Vorgegeben waren zum Ausloten der Baugrenzen die Errichtung von zwei Einfamilienhäusern und zwei Garagen. Damit sollte ein Baupreis erreicht werden, der auch Einheimischen Wohneigentum ermöglicht.

Zu geringe Abstände

Die Wohnfläche betrage jeweils 120 Quadratmeter. Die beiden Gebäudegrößen wurden mit je 10,80 auf 7 Metern und einer Wandhöhe von 6 Metern angegeben. Dachneigung und Ausrichtung würden sich in die Nachbarbebauung einfügen. Bei einer Teilung des Grundstücks ergebe dies für jedes Haus eine Fläche von 380 Quadratmetern. Somit käme man auf einen Grundstückspreis von etwa 500.000 Euro. Damit biete sich für nicht ganz unvermögende Einheimische die Möglichkeit, Wohnraum zu schaffen, meinte Danzinger. Und Höß ergänzte: „Hier könnte für zwei Familien etwas ermöglicht werden“. So weit die Theorie.

Doch in der Praxis haperte es an den Abstandsflächen, wie Kurt Sareiter (CSU) monierte. Ein Haus habe auf dem Grundstück in seiner „sehr exponierten Lage“ einen zu geringen Grenzabstand mit nur drei Metern. „So etwas sollten wir nicht mehr genehmigen“. Man könne als Gemeinde nicht so bauen und den Bürger anders behandeln.

Diese Ungleichbehandlung geht nicht, dass wir mit zwei Paar Stiefeln messen.

Dies sah auch Klaudia Martini (SPD) als „großes Problem. Denn die Planung ist eine massive Änderung unserer gemeindlichen Abstandsflächensatzung“. Wenn es auch begrüßenswert sei, dass sich Einheimische Wohnraum schaffen könnten. „Doch auch ich habe da, wie Kurt Sareiter, Bauchschmerzen“. Denn müsste man „rundumadum“ auf dem ganzen Grundstück eine Ausnahme machen. Deswegen sei sie dagegen, so Martini. Vorstellbar wäre für sie ein Zwei-Familienhaus darauf.

„Hallo, aufpassen“

Das Einheimischen-Modell sei zwar „ein guter Gedanke“, meinte Markus Trinkl (Wiesseer Block), aber mit den Abstandsflächen für zwei Häuser „kommen wir in eine Bredouille“. Ohnehin sei die Planung für ihn „etwas Zusammengeschustertes“. Mit ihr könne er „nichts anfangen“, da sie auch für Autos mehr Platz ausweise als für Kinder. Zudem war für Trinkl auch die Ein- und Ausfahrt in dieser Hanglage „nicht ungefährlich, hallo, aufpassen“.

„Mit den Abstandsflächen legen wir uns selber ein Ei“, meinte Bernd Kuntze-Fechner (SPD), zwei Einheiten dort seien eben eine schwierige Konzeption. Das Grundstück sei auch „nicht unbedingt ein Einheimischen-Modell“.

Selbst wenn man das Grundstück teile, rechnete Florian Sareiter (CSU) nach, sei man pro Parzelle laut Bodenrichtwerten bei 400.000 bis 520.000 Euro. Der CSU-Bürgermeisterkandidat bezweifelte „den Bedarf“ für einen solchen Preis des Grundstücks an dieser Stelle. Diese Preislage habe auch „mit einem Einheimischen-Programm nichts mehr zu tun“, pflichtete Markus Trinkl bei. Man sollte das Grundstück zum Höchstpreis verkaufen und dafür woanders etwas schaffen.

Bauland für Einheimische habe auch im Quercherfeld nicht funktioniert, gab Jupp Brenner (Wiesseer Block) zu bedenken. „Da sind auch andere gekommen, weil die Grundstücke zu teuer waren“. Nach dieser einhelligen Meinungsbildung wurde der „Verkauf dieses Grundstücks bis auf weiteres einstimmig abgelehnt“.


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