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Überdimensionierter Kasten oder kleines Badehaus?

Wiesseer Gemeinderat in der Bredouille

Wie berichtet hat der Wiesseer Gemeinderat nur mit hauchdünner Mehrheit die Kostenberechnungen für das neue Badehaus genehmigt. Die Fronten bei dem über 8,7 Millionen Projekt sind verhärtet. Gibt es einen Ausweg?

Die Fronten im Wiesseer Gemeinderat verhärten sich bei der Diskussion um das neue Badehaus.

So schnell wird der Gemeinderat das Thema nicht los. Auch mit der Billigung der Kostenaufstellung zur Förderung durch den Freistaat sei noch nichts entschieden. Erst wenn der erhoffte Zuschuss von 3,2 Millionen Euro vorliegt, komme die Entscheidung über den Neubau nochmals in den Gemeinderat, versicherte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block).

Unausgesprochen bleibt, wenn das Worst-Case-Szenario eintreffen sollte: Weniger oder gar keine Förderung. Dann könnte das neue Badehaus noch mehr an Rückhalt verlieren und das Angebot des Münchner Investors Joachim Heby vielleicht wiederbelebt werden.

Noch stemmt sich der gesamte Gemeinderat gegen die einstigen Planungen. Das sei ein „überdimensionierter Kasten“, für den die Gemeinde 30.000 Euro Miete pro Monat zahlen müsste, war gestern vielfach am Ratstisch zu hören. Klaudia Martini (SPD) behauptete:

Von dem Münchner Investor hätten wir einen riesigen Klotz hingestellt bekommen, für den uns die Wiesseer reihenweise durchs Dorf gewatscht hätten.

Denn der Investor hätte nicht sagen können, wen er als andere Mieter an der Hand habe. „Dann wäre ein Klotz dagestanden, der nicht an andere Ärzte vermietbar war. Wir aber waren die Bank, die dieses riesige Gebäude abgezahlt hätte“.

15.000 Euro Zinsen oder 30.000 Euro Pacht?

Höß kam als Bankkaufmann mit einer Gegenrechnung. Das Darlehen von 4,5 Millionen Euro, das die Gemeinde für den Neubau aufnehmen müsste, würde monatlich 15.000 Euro an Zinsen kosten. 30.000 Euro pro Monat wären aber an Pacht angefallen, wenn sich die Gemeinde vor zwei Jahren für den Bau des Münchner Investors entschieden hätte.

So gehört das Objekt nach 25 Jahren uns.

Jupp Brenner (FWG) war sich sicher, dass der Münchner Investor Heby nur bauen wollte, „wenn wir die Pacht bezahlt hätten“. Da die angesetzte Miete von 30.000 Euro der Gemeinde seinerzeit zu hoch war, wurde die Zusammenarbeit mit der h&h Consulting AG von Heby aufgekündigt.

Doch dahinter verberge sich ein Quadratmeter-Mietpreis von 21,50 Euro, der von der Gemeinde quasi vorgegeben wurde, „da sie eine Fläche von etwa 1.400 Quadratmetern wollte“, rechnete im vergangenen Jahr der Gesundheitsexperte Jörg Rippe vor. Er war bis Herbst 2015 in die Planungen für das neue Jodbad mit eingebunden. Jetzt wird das Badehaus deutlich kleiner.

Höhenkammer passé

Jetzt sind nur noch 16 Badewannen im neuen Jodbad von Architekt Matteo Thun geplant. Heby dagegen ging offenbar immer von 25 Wannenbädern aus, die zweimal pro Stunde benutzt werden konnten, „da wir die Ruheflächen von den Wannen abgekoppelt haben“, so Rippe in einem aktuellen Schreiben an die Tegernseer Stimme.

„Das wird bei den Sprühbädern schon immer so gehalten. Damit können bis zu 48 Personen in der Stunde baden. Ferner haben wir ein Solebecken mit eingeplant, um Solebäder auch abrechnen zu können“. Daneben sei eine Höhenkammer vorgesehen gewesen, die Höhen bis zu 7.500 Meter simuliere.

Das sorgt dafür, dass die Intensität des körperlichen Trainings bei gleichem Aufwand mehr als verdoppelt wird.

Zudem hätte es konkrete Absprachen mit Krankenkassen und Berufsgenossenschaften über integrierte Behandlungsmodelle und Belegungsprognosen gegeben. „Das alles ist im neuen Badehaus nicht vorgesehen. Damit kamen wir nach einer Anlaufphase von zwei Jahren auf einen Überschuss von 300.000 Euro. Hier war eine Miete von 360.000 Euro schon miteinkalkuliert“, rechnet Rippe vor.

Bereits Kosten von 9,5 Millionen Euro möglich

Bleibt man in Wiessee dagegen beim kleinen aber feinen Badehaus von Thun, so ist beim Kämmerer auch bekannt, dass das jährliche Defizit von 500.000 Euro mit dem Jodbad nur dann abzubauen wäre, wenn die Zahl von jetzt 16.000 Anwendungen pro Jahr wieder entscheidend steigen würde.

Ausschlaggebend für eine ausgeglichene Bilanz in ferner Zukunft sind auch die Gestehungskosten. Derzeit werden sie bereits mit 8,7 Millionen Euro angesetzt, hinzu kommt noch die Position „Unvorhergesehenes“ mit 0,8 Millionen Euro. Rippe sprach bereits im Herbst davon, dass man bald die 10 Millionen-Marke knacken werde. Weit ist man davon in Wiessee nicht entfernt.


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