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Gekündigte Wandelhallen-Verträge

Streit um Siebach: Höß droht Gemeinderäten mit disziplinarischen Maßnahmen

Von Peter Posztos

Ergänzung vom 28. März / 09:51 Uhr

“Die Gemeinde Bad Wiessee steht vor großen Herausforderungen und vor einer der wichtigsten Phasen für die zukünftige Entwicklung unseres Heimatortes.” Mit diesen Worten leitete Bürgermeister Peter Höß die gestrigen Gemeinderatssitzung ein.

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Höß denkt laut eigener Aussage dabei vor allem an die Areale um die Alte Spielbank sowie das Jodschwefelbad. “Für diese Bereiche brauchen wir kaptitalstarke und mutige Investoren.” Geldgeber, die jedoch durch die Art und Weise wie in der Vergangenheit im Gemeinderat kommuniziert wurde, abgeschreckt werden könnten.

Für den Bürgermeister steht fest, Aktionen wie sie vor einigen Wochen von Teilen der Wiesseer CSU ausgingen, sind kontraproduktiv und versetzen die Gemeinde in eine “extrem schlechte Ausgangssituation.”

Disziplinarische Maßnahmen für renitente Gemeinderäte

Zukünftig werde man das nicht mehr tolerieren. Im Wiederholungsfall drohte Höß den Gemeinderäten mit disziplinarischen Maßnahmen. “So etwas darf nie wieder passieren.” Nun gehe es darum, den angerichteten Schaden zu begrenzen. Der Antrag von Kurt Sareiter den Vermarktungsvertrag mit Julian Siebach aufzulösen wurde bereits zurückgenommen. Das sei, so Höß ein gutes Zeichen.

Kurt Sareiter wiederrum betonte, dass dies nur die Reaktion auf die von Siebach selbst gewünschten Vertragsauflösung gewesen sei. “Zwei Anträge machen ja keinen Sinn. Das ist schon wichtig, dass das klar wird. Wir haben den Antrag nur aus dem Grund zurückgenommen. Wegen nichts anderem.”

Julian Siebach möchte sich auch weiterhin zu dem Thema nicht äußern. Den Vertrag zur Wandelhallen-Vermarktung hat er vor drei Wochen gekündigt. Als Grund nannte er die andauernden und öffentlich ausgetragenen Angriffe aus dem Gemeinderat. Doch nun soll wieder hinter verschlossenen Türen miteinander geredet werden.

Ergänzung vom 9. März 2012 mit der Überschrift: “Siebach reicht`s: Jetzt sprechen die Juristen”
Viel ist in der letzten Zeit im Zusammenhang mit der Wandelhalle gesprochen worden. Über Lügen, über abgewanderte Messen und über Sündenböcke.

Doch nach der gestrigen Gemeinderatssitzung steht eines zumindest fest: Die Aussage von Julian Siebach, er sei nicht für die 30-Prozentige Erhöhung der Wandehallen-Preise im Zusammenhang mit der “goWell” verantwortlich, war korrekt. Gelogen haben scheinbar andere.

Das stellte Bürgermeister Peter Höß gestern Abend fest und ging in ungewohnter Offenheit auf Details aus der entscheidenden nicht-öffentlichen Beratung der Fraktionssprecher ein. Auf dieser war laut Höß über die kritische Preiserhöhung entschieden worden. Zwar habe man die Erhöhung als umsetzbaren Vorschlag von Siebach bekommen. Doch keiner der Fraktionssprecher habe dem widersprochen.

Neuer Standort und ein Haufen Ärger – wegen 1.000 Euro?

Mehr noch, die Preisgestaltung der Veranstalterin Martina Klug war den Gemeinderäten als relativ überzogen aufgefallen. Für drei Tage Messe hatte Sie für die Wandelhalle als goWell-Austragungsort einen Preis von 3.300 Euro bezahlt. “Normal wären für die Halle aber 7.000 Euro gewesen,” so Höß.

Dagegen habe alleine ein zwölf Quadratmeter großer Verkaufsstand auf der Messe 2.190 Euro gekostet. Ein Preis, der potentiellen Ausstellern wie Fritz Niedermaier, Gemeinderat der Freien Wähler als zu teuer erschien. Und der möglicherweise einer der ausschlaggebenden Punkte zugunsten der 30 prozentigen Erhöhung gewesen ist.

Die goWell war ein Erfolg - die nachgelagerte Berichterstattung entpuppt sich als kommunikatives Desaster.

Dass am Ende die Messe verloren gegangen ist, sei bedauerlich. Aber das war auch durch ein Telefonat von Höß mit Klug im Januar nicht mehr zu ändern gewesen. Empört zeigte sich der Bürgermeister vor allem über die “Scheinheiligkeit” Kurt Sareiters. Dieser hatte sich als Wortführer eines Teils der CSU-Gemeinderäte positioniert, die den Antrag auf Vertragsauflösung mit Julian Siebach kurz vor der Sitzung offiziell eingereicht haben.

“Ich kenne keinen Gemeinderat aus den anderen Orten, der vor einem offiziellen Antrag mit der Presse spricht,” so ein sichtlich aufgebrachter Höß. “Das ist außerordentlich schlechter Stil und hat die Verhandlungsposition der Gemeinde deutlich geschwächt.” Peter Höß ging sogar soweit, Sareiter “Täuschung der Bürger” vorzuwerfen. “Hierdurch entsteht ein Schaden für die Gemeinde und das gesamte Tegernseer Tal.”

Den Vertrag mit Siebach habe Höß bereits am 3. Februar fristgerecht zum 31. Januar nächsten Jahres gekündigt. Doch die “forsche Aktion” habe dazu geführt, dass der Eventmanager den Vertrag von seiner Seite aus gekündigt hat. Gleichzeitig fordert er nun eine Abfindung. Eine Angelegenheit, die derzeit von den Wiesseer Juristen geprüft wird.

Weiterer Betrieb der Wandelhalle ungewiss

Doch nicht nur finanziell könnte die Vorgehensweise Sareiters und seiner Kollegen für Probleme sorgen. Siebach hat neben der Bürofläche gleichzeitig auch die Vermarktung der Wandelhalle gekündigt. Persönlich habe er Höß mitgeteilt, dass er keine Vertrauensbasis mehr für eine Zusammenarbeit sehe.

Julian Siebach konnte sich zu dem ganzen Thema übrigens nicht äußern. Er weilt derzeit im Urlaub und sei erst am Dienstag wieder erreichbar, so die Auskunft aus seinem Büro.

Ursprünglicher Artikel vom 5. März 2012:
„Dass der Dampfplauderer neuerdings mal seine Klappe hält, wundert alle.“ Julian Siebach zeigte sich im letzten September noch selbstironisch. Ganz nach dem Motto: Reden ist Silber. Schweigen ist Gold.

Doch geredet wurde auch weiterhin. Oft genug übereinander anstatt miteinander. Und mittlerweile ist die Situation zwischen dem Wiesseer Gemeinderat und dem Event-Manager, der auch für die Vermarktung der Wandelhalle verantwortlich ist, eigentlich nicht mehr zu retten.

In einer aktuellen Pressemitteilung verkündet Kurt Sareiter, Fraktionssprecher der CSU Bad Wiessee, dass seine Partei in der kommenden Gemeinderatssitzung einen Antrag stellen wird, den Vertrag mit Julian Siebach zum Ende des Monats zu kündigen.

Beach Club Tegernsee
Damals war noch alles eitel Sonnenschein: Eventmanager Julian Siebach und Bad Wiessees Bürgermeister Peter Höß bei der Beach Club Eröffnung am 30. April 2011 / Fotos: Mick Zollenkopf

Vor allem die Sareiters Meinung nach unprofessionelle Vorgehensweise Siebachs im Zusammenhang mit der “äußerst erfolgreichen Messe goWell“ stößt der CSU negativ auf. Gemeinderat Hartwig Bayerschmidt bezichtigt Julian Siebach sogar der Lüge: “Der Gemeinderat hat keine Preise festgelegt. Die 30 Prozent Erhöhung kamen von Siebach selbst.”

Damit spricht Bayerschmidt auf die Kontroverse um den Verlust der goWell an. Die gesamte Herangehensweise zeige laut Sareiter vor allem, dass „Julian Siebach nicht nur die nötige Qualifikation, sondern auch das unabdingbare Fingerspitzengefühl für diese Position vermissen lässt.“

Kritik kommt auch von der Gegenseite

Wenn also der Gemeinderat diesen Donnerstag zu seiner nächsten Besprechung zusammenkommt, wird laut dem Fraktionssprecher aller Voraussicht nach nicht-öffentlich über den Antrag der CSU beraten. Eine Kündigung des bis 31. Januar 2013 laufenden Vertrages zwischen Gemeinde und Julian Siebach ist eigentlich nicht vorgesehen. Doch möglicherweise trifft der Vorschlag auf geteiltes Echo bei der anderen Seite.

Denn auch Siebach äußerte sich in der Vergangenheit immer wieder unzufrieden über die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat. Vor allem im Zusammenhang mit der abgewanderten Messe habe die Gemeinde seiner Auffassung nach kein gutes Bild abgegeben. “Abwarten und nicht entscheiden. So kann man nicht professionell arbeiten.”

Mit der näherkommenden Vertragsauflösung wird Siebachs Unternehmen auch einen neuen Sitz benötigen. Bisher haben die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz im Untergeschoss des Wandelhallen-Gebäudes. Klar ist, dass dies spätestens mit dem 2013 auslaufenden Vertrag nicht mehr möglich sein wird. Gegenüber dem Merkur stellt Bürgermeister Peter Höß fest, dass der 2013 endende Vertrag so oder so nicht verlängert worden wäre. Als Grund nennt Höß die Pläne für das neue Kurviertel: „Ich muss das Jodbad-Areal frei bekommen.“

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