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Keine ärztliche Leitung - zu wenig Pflegepersonal

Wiesseer Privatklinik bangt um Konzession

Schwere Vorwürfe erhebt das Landratsamt Miesbach als Aufsichtsbehörde gegen die im Wiesseer Ortsteil Abwinkl gelegene Privatklinik „Im Sonnenfeld“.

Die ärztliche Leitung fehle ebenso wie ausreichend Pflegepersonal. Der Betrieb ist erstmal stillgelegt. Jetzt geht es vor Gericht.

Die Wiesseer Klinik im Sonnenfeld muss um ihre Konzession bangen.
Die Wiesseer Klinik „Im Sonnenfeld“ muss um ihre Konzession bangen.

Per Eilantrag mit aufschiebender Wirkung hat der Kölner Betreiber der Wiesseer Privatklinik „Im Sonnenfeld“ gegen die vom Landratsamt Miesbach angeordnete Stilllegung der Klinik geklagt. Am 9. Dezember befasst sich nun das Münchner Verwaltungsgericht mit dem Fall.

Ein „Therapeutikum“, das dazu beiträgt, neue Kräfte zu gewinnen und wieder fit zu werden. So wirbt das Haus, das sich seit 25 Jahren auf die ganzheitliche Behandlung komplexer Krankheitsbilder spezialisiert hat.

Die Realität sieht offenbar anders aus, wie dem Aufruf zur mündlichen Verhandlung vor der 16. Kammer des Verwaltungsgerichtes zu entnehmen ist. Der Klinik wird die Ausübung der Heilkunde untersagt und die Konzession widerrufen. Zudem wird dem Sanatorium auch der Betrieb nach Artikel 15 der Gewerbeordnung verboten. Hintergrund dazu ist, dass es auch Hotelgäste angeworben und dafür keine Nutzungsänderung beantragt haben soll. Des weiteren soll „Im Sonnenfeld“ in Broschüren für sich als Belegkrankenhaus geworben haben und nicht als Privatklinik.

Gefahr für Leib und Leben?

Laut Homepage des Betreibers sei man spezialisiert auf „chronische internistische und orthopädische Erkrankungen, Erschöpfungszustände und Burn-out-Syndrome, Nachsorge nach Krebserkrankungen und die Behandlung immunologischer Defizite“. Das Defizit, das das Landratsamt dagegen sieht, ist das Fehlen einer ärztlichen Leitung. Zudem reiche auch das Pflegepersonal nicht aus, vor allem nachts.

Schwerwiegende Vorwürfe, zu denen Dr. Udo Schulz in Köln für die Klinik nun gegenüber der Tegernseer Stimme Stellung nimmt:

Das Landratsamt beanstandet, dass in diesem Haus mit Klinikkonzession auch Nichtpatienten untergebracht sind. Des weiteren ist die Frage, müssen Ärzte permanent im Haus sein, wie das Landratsamt argumentiert? Wir sagen, es reicht eine Hintergrundbereitschaft. Das ist seit 30 Jahren so.

Die Diskussion mit dem Landratsamt über eine fachärztliche Präsenz läuft offenbar schon eineinhalb Jahre. Vor zwei Monaten hat das Landratsamt laut Schulz dann mit einem Vorlauf von einer Woche die sofortige Schließung der Klinik verfügt. Dagegen sind die Klinikbetreiber gerichtlich vorgegangen. Einem Eilantrag mit aufschiebender Wirkung wurde dann vom Verwaltungsgericht stattgegeben.

“Das ist absoluter Standard in Deutschland”

„Dadurch, dass in unserem Haus auch Nichtpatienten untergebracht waren, ergebe sich eine nicht hinnehmbare Gefährdung für Leib und Leben der Patienten und des Klinikbetriebs“, so lautete die Begründung des Landratsamts für das plötzliche Einschreiten. Zudem will die Behörde geklärt haben, ob Untersuchungen auch außerhalb des Hauses stattfinden können. „Das ist auch so ein Punkt, den sie beanstanden.“ Dazu Schulz:

Ich kann nur sagen: Das ist absoluter Standard in Deutschland. Solche Konsiliar-Untersuchungen machen mittlerweile auch große Kliniken in Deutschland.

Man könne unmöglich jede Fachrichtung im Haus haben. Das sei auch politisch so gewollt, dass nicht jeder Betrieb alles vorhalten müsse. Er bezeichnet die plötzliche Schließung als „absurdes Theater“. Derzeit ruht der Betrieb in der Klinik – wegen Renovierungsarbeiten – ohnehin. Am 27. Dezember soll die Wiedereröffnung sein. Das letzte Wort hat hier also das Verwaltungsgericht.


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