Wiesseer Spielarena – quasi ein Schwarzbau?

Drei Jahre verbleiben Spielarena-Betreiber Josef Niedermayer. Im Oktober 2021 läuft sein Pachtvertrag aus. Erst 2022 sollte das Areal neben dem abgerissenen Jodbad zur Grünfläche werden. Schockiert stellte Niedermayer aber kürzlich fest: Die Spielarena ist schon jetzt auf dem Papier gar nicht mehr existent.

Auf dem Papier existiert die Spielarena in Wiessee gar nicht mehr.

Seit nunmehr acht Jahren betreibt Josef Niedermayer (67) die Spielarena in Bad Wiessee. Knapp eine Million Euro hat er in die Abenteuerlandschaft investiert. Im Schnitt kämen an den Wochenenden 500 Besucher zu ihm, sagt er. In der Woche seien es etwa 40 bis 50. Ein guter Schnitt, findet er, zumal man ihm eine schlechte Rentabilität vorausgesagt hatte.

Doch eine Sache dämpft schon lange die Freude: Die Pläne der Schweizer Sports Excellence Group (SME), auf dem Jodbadareal ein Luxushotel mit 121 Zimmern zu bauen. Samt Spa, Wellness, einem Sportbereich, einem medizinischem Funktionsgebäude und gehobener Gastronomie. Noch in diesem Jahr soll der Spatenstich erfolgen.

Sobald der Bau beginnt, sollen die drei bis vier Tennisplätze, die sich auf dem Grundstück der Spielarena befinden, einem Mitarbeiterhaus weichen. Wie berichtet hatte die Gemeinde die Tennisplätze zuerst von Niedermayer eingefordert, dann aber im Rahmen einer mündlichen Vereinbarung wieder einen Rückzieher gemacht.

Kein Abriss, aber plötzlich Grünfäche?

Laut Niedermayer hatte Gemeinderätin Klaudia Martini (SPD) Ende 2015/Anfang 2016 den Antrag gestellt, die Spielarena aufgrund der geänderten Planungsabsichten aus dem Bebauungsplan herauszunehmen. Niedermayer machte beim Landratsamt Druck. In der darauffolgenden Bürgerversammlung am 15. Februar 2016 teilte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) den Bürgern mit, der Antrag sei zurückgestellt worden.

Die Festsetzung zum Abriss der Spielarena im Jahr 2022 für die Errichtung einer Grünfläche sei vom Landratsamt beanstandet worden, so hieß es damals von Städteplaner Eberhard von Angerer. Es sei die Auflage erteilt worden, dass dieser Punkt wieder gestrichen werde.

Wörtlich sagte Höß damals: „Der Abriss der Spielarena ist nicht Teil des Kaufvertrags mit SME.“ Vielmehr zeigte er sich sogar verwundert über die plötzliche Aufregung um den geplanten Abriss der Spielarena. In früheren Planungen hätte die Arena zwar den neuen Gebäuden für Hotel Klinik zum Opfer fallen sollen, doch das sei jetzt anders, betonte er auf der Bürgerversammlung.

Spielarena auf Papier nicht mehr existent

Umso schockierter ist Niedermayer nun, als er von Bauamtsleiter Helmut Köckeis kürzlich erfuhr, dass die Spielarena im Bebauungsplan schon gar nicht mehr existent, sondern nur noch als Grünfläche eingezeichnet ist. „Ich bin doch kein Grünland“, stellt er unmissverständlich fest. Rein rechtlich sei es „ein Schwachsinn“, wenn man die Spielarena aus dem  Bebauungsplan herausnehme. Das bedeute nämlich, er betreibe aktuell einen Schwarzbau.

Als Pächter des Grundstücks verdamme man ihn damit quasi zur Handlungsunfähigkeit. Somit könne er auch sein Vorhaben, auf seiner Terrasse einen Wintergarten zu bauen – so wie von den Kunden gewünscht – nicht umsetzen. Auf unsere Nachfrage bei der Gemeinde sagt Bauamtsleiter Helmut Köckeis:

„Der Bebauungsplan für das Gebiet „Jod- und Schwefelbad mit Wandelhalle“ wurde vom Gemeinderat mit Beschluss vom 12.5.2016 (Abstimmungsergebnis: 16:1) beschlossen und ist seither rechtskräftig. Und zwar mit den abzubrechenden Gebäuden des Sport- und Spieleparks sowie der Traglufthalle.“

„Fremdkörper“ Spielarena

Er weist ausdrücklich darauf hin, dass der Entwurf des Bebauungsplans zweimal öffentlich im Rathaus zur Einsichtnahme ausgelegt wurde. Außerdem sei er in mehreren öffentlichen Sitzungen des Gemeinderats thematisiert worden. Man hätte sich also jederzeit über den Planinhalt informieren können. Niedermayer selbst sei von der Gemeinde über die Situation informiert worden, sagt er.

Dem Beschluss des Gemeinderats lag die städtebauliche Zielsetzung zugrunde, so Köckeis, das „gesamte Areal des Jod- und Schwefelbades mit neuem Hotel und neuem Therapiezentrum sowie neuem Badehaus und erneuertem Badepark auch gestalterisch in bestmöglicher Weise zu präsentieren“.

Hängt alles vom neuen Gemeinderat ab?

Sowohl die bestehende Sporthalle als auch die Traglufthalle stellen in diesem künftigen Ensemble allerdings Fremdkörper dar und sollten deshalb nach dem Willen des Gemeinderats abgebrochen werden. Bis zum Ablauf des Pachtvertrages mit Niedermayer im Jahr 2021 werde sich aber an der bestehenden Situation, auch baulich, vermutlich wenig verändern, sagt er.

„Was danach auf dem Grundstück geschieht, bleibt abzuwarten, da im Frühjahr 2020 Bürgermeister und Gemeinderat neu gewählt werden.“ Köckeis schließt nicht aus, dass die Gebäude auch noch nach 2021 bestehen bleiben, wenn dies von der Öffentlichkeit und der Politik so gewollt ist.

Das Landratsamt jedenfalls zeigt sich zurückhaltend. Pressesprecher Birger Nemitz: „Die bauplanungsrechtliche Hoheit liegt bei der Gemeinde. Pläne können geändert werden.“ Er bestätigt, dass die Spielarena auf dem Bebauungsplan als „abzubrechender Baukörper“ dargestellt ist. „Der Plan ist aus dem Jahr 2017“, teilt er mit.


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