Erst machen - dann fragen?
Wiessees Frust über Bauherren

von Maxi Hartberger

Jahrelang stand das kleine Hotel Toskana in der Wiesseer Freihausstraße leer. Aktuell wird es in zehn Wohnungen umgebaut. Doch jetzt stellt sich heraus: Der Besitzer hat etwas völlig anderes gebaut, als die Gemeinde eigentlich genehmigt hat. Ganz nach dem Motto: Man kann’s ja mal probieren.

Der Eingangsbereich mit dem Kupferblechdach vor dem ehemaligen Hotel war so nicht genehmigt.

Das ehemalige Hotel Toskana in der Freihausstraße in Bad Wiessee wird in zehn Wohneinheiten umgebaut. Die Gemeinde hatte das Vorhaben genehmigt. Trotzdem musste sich der Bauausschuss nun erneut mit dem Projekt befassen – und zwar wegen des Eingangs.

Wie Bauamtsleiter Anton Bammer in der vergangenen Sitzung erklärte, sei durch einen Nachbarn gemeldet worden, dass der Bauherr beim Umbau von der genehmigten Variante abweicht. Dabei geht es konkret um den Eingangsbereich, der weitaus größer und zudem mit einer Kupferüberdachung errichtet wurde.

Eine Begründung? Fehlanzeige

Das Landratsamt sei informiert worden und hat den Bauherrn aufgefordert, einen entsprechenden Tekturantrag bei der Gemeinde einzureichen. Die Dachdeckung mit Kupferblech und die Dachschräge entsprechen laut Bammer aber nicht der Wiesseer Ortsgestaltungssatzung. Zudem monierte er, dass die Abweichung zwar jetzt im Nachgang beantragt wurde, allerdings ohne irgendeine Begründung.

Ursprünglich genehmigt war ein Kellerzugang, der dann ins Erdgeschoss führt. Gebaut wurde aber ein Ausgang mit einer kleinen Treppe, der um die Ecke direkt ins Erdgeschoss geht und komplett überdacht ist. „Trotz der zu missbilligenden Vorgangsweise erscheint die durchgeführte Änderung aus Sicht der Bauverordnung vertretbar“, so Bammer. Die Gemeinde sollte aber auf jeden Fall eine Begründung nachfordern.

Der neue Eingang muss weg

Claudia Martini (SPD) hatte da eine ganz andere Meinung: „Das sieht einfach schrecklich aus.“ Die Freihausstraße sei eine sehr prominente Straße in Bad Wiessee, gerade auch für den Fremdenverkehr. „Ich finde, wir sollten uns nicht so einfach damit zufrieden geben.“ Die Gestaltung füge sich einfach nicht in diese Straße ein.

Zudem sei die Art des Vorgehens laut Martini sehr bedenklich, etwas zu bauen und es erst im Nachgang genehmigen zu lassen. „Dass wir das jetzt einfach durchwinken sollen und das, obwohl nicht mal eine ordentliche Begründung gekommen ist, macht mich zusätzlich wütend.“ Sie betont:

Ich bin überzeugt, dass man mit ein bisschen Hirnschmalz und architektonischem Feingefühl die Eingangssituation anders gestalten könnte.

Ähnlich sahen das auch ihre Ausschusskollegen. Einstimmig entschied man sich daher, die neue Gestaltung des Eingangsbereichs nicht zu genehmigen. Abschließend machte auch Bürgermeister Robert Kühn (SPD) seinem Frust Luft: „Man sollte eben vorher mit uns reden und nicht einfach Fakten schaffen, um die dann im Nachgang genehmigen zu lassen.“


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