Gezerre um neue Seniorenresidenz
Wiessees kahle Stelle

von Mirja Tsioumanis

Seit wenigen Tagen herrscht wieder buntes Treiben auf dem Grundstück des ehemaligen Hotel Edelweiß in Bad Wiessee. Und auch hinter den Kulissen ist Bewegung. SeniVita, Bauamt und Gemeinderat müssen sich auf das spätere Aussehen des Gebäudes einigen – denn die ursprünglichen Pläne sind wohl unbrauchbar.

Nach dem Abriss des ehemaligen Hotel Edelweiß ist auf dem Grundstück in Wiessee nur ein tiefes Loch zu sehen.
Nach dem Abriss des ehemaligen Hotel Edelweiß ist auf dem Grundstück in Wiessee jetzt ein tiefes Loch zu sehen.

Seit wenigen Tagen ist wieder Bewegung auf dem Grundstück des ehemaligen Grundstück des Hotel Edelweiß. Nachdem die SeniVita Unternehmensgruppe im vergangenen Dezember den Abriss des über 100-jährigen Gebäudes in die Wege leitete und damit das Startsignal für die angekündigte Seniorenresidenz gab, war lange Zeit Ruhe. Doch jetzt sind dort wieder Arbeiter, Bagger und LKW zu sehen. Sie haben auf der Fläche ein großes quadratisches Loch ausgehoben.

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Erteilte Baugenehmigung wohl wertlos

„Wir werden den Neubau realisieren“, stellt SeniVita Vorstandsmitglied Uwe Seifen klar. Nur wann – darüber hüllt sich Seifen in Schweigen. „Der Zeitpunkt des Baubeginns ist offen. Wir befinden uns jedoch in Abstimmungsgesprächen mit der Gemeinde.” Von der bereits erteilten Baugenehmigung an SeniVitas Vorgänger, – einer Leipziger Investorenfirma –, werde und könne man aller Voraussicht nach aber nicht Gebrauch machen.

Denn: „Hierbei handelt es sich um eine Baugenehmigung, die auf Planungen unserer Vorgänger beruht. Um die zu übernehmen müssen wir uns in einem bestimmten Planungsfenster bewegen und dürften mit unserem Konzept nicht all zu sehr vom Original-Entwurf abweichen“, erklärt Seifen den Hintergrund.

Auf Balkone verzichten?

Tatsächlich gebe es über Gestalt und Aussehen des Neubaus, dessen Dienstleistungen die Bayreuther Unternehmensgruppe als AltenPflege 5.0 bewirbt, noch Gesprächsbedarf – insbesondere mit der Gemeinde Bad Wiessee. Auf nicht allzu viel Gegenliebe stieß dort beispielsweise der Vorschlag, auf Balkone am Gebäude komplett zu verzichten. Vergleiche man das mit dem Erscheinungsbild und Aussehen oberbayerischer Dörfer, sei das wohl keine optimale Lösung, meint Wiessees Bauamtsleiter Helmut Köckeis.

Allerdings gibt der Bauamtsleiter neben der nicht unwichtigen Optik und dem harmonischen Zusammenspiel mit den anderen im Ort befindlichen Bauten auch folgendes zu bedenken: „Der Neubau ist in erster Linie ein Zweckbau. Das bedeutet, dass sich das Gebäude nach den Bedürfnissen seiner Bewohner richten muss. Durch diese Voraussetzungen ist ein bestimmter Grundriss erforderlich.“

Gut möglich, dass das Thema Balkone und Außengestaltung den Wiesseer Gemeinderat noch etwas länger beschäftigen wird. Denn Seifens Meinung zu dem Thema ist klar: „Unsere Bewohner sind in ihrer Mobilität meist eingeschränkt. In der Regel verzichten wir bei unseren Bauten auf Balkone.“ Einzige Ausnahme würden französische Balkone an der Hausfassade bilden. Darunter sind Edelstahlgitter zu verstehen, die als Schutz vor langen Bodenfenstern angebracht werden.

Kritiker bedauern Abriss der ursprünglichen Fassade

Bleibt die Frage, ob die Bad Wiesseer mit diesem Kompromiss leben können. Bereits der Totalabriss des Edelweiß hatte bei der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal für Unmut gesorgt. Deren Vorsitzende, Angela Brogsitter-Finck, warnte angesichts der Mentalität, Altes durch Hochmodernes zu ersetzen, vor immer charakterloser werdenden Orten.

Und auch die Netzgemeinde steht dem Bauboom gespalten gegenüber. „Schad drum, um die Fassade, hoffentlich entwickelt sich Wiessee architektonisch nicht wie die Münchner Vororte Ottobrunn, Taufkirchen und Unterhaching“, lautete die Reaktion eines Lesers.

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