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Eneuerbare Energien: Große Chancen für Bad Wiessee

Der Tegernsee als Energiequelle

Von Christopher Horn

Bad Wiessee will die Nutzung erneuerbarer Energien weiter vorantreiben. Deshalb hat Wiessee, als eine von 35 Gemeinden in Oberbayern, am Pilotprojekt „Energiecoaching für Gemeinden“ teilgenommen.

Am vergangenen Dienstag präsentierten die Experten dem Wiesseer Gemeinderat den Abschlussbericht. Demnach könnte Wiessee seinen Bedarf vollständig durch erneuerbare Energien decken. Dem See sei Dank.   

Bad Wiessee deckt derzeit 16 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen
Wasser, Sonne und die Wärme des Sees sollen Wiessee autark machen

Bad Wiessee deckt derzeit rund 16 Prozent seines Energiebedarfs über erneuerbare Energien ab. Das haben Vertreter der Ingenieurbüros K. Greentech in den letzten Monaten herausgefunden. Die Experten untersuchten im Rahmen eines kostenlosen Pilotprojekts das in Bad Wiessee steckende Potenzial für erneuerbare Energien. „Auch wir müssen unseren Beitrag zur Energiewende leisten“, betonte Bürgermeister Peter Höß am vergangenen Dienstag im Gemeinderat.

Die „Energiecoaches“ prüften dabei, was in Wiessee durch Biomasse, Solartechnik und Wasserkraft an Energiegewinnung möglich ist. Gegen die Errichtung von Windkraftanlagen hatten sich die Gemeinden im Tegernseer Tal hingegen schon vor einiger Zeit ausgesprochen.

Viel Wald spricht für Biomasseanlagen

„Bad Wiessee hat durch seinen großen Waldanteil ein hohes Potenzial zur Erzeugung von Biomasse“, betonte Katharina Link von K. Greentech, als sie die Ergebnisse am vergangenen Dienstag im Gemeinderat präsentierte. In der Tat besitzt Bad Wiessee rund 50 Hektar Wald.

Man will daher nun prüfen, inwiefern eine Nutzung des Waldes zur Gewinnung von Biomasse wirtschaftlich, aber vor allem auch ökologisch vertretbar ist. Schon das geplante Thermeprojekt könnte dabei mit einer sogenannten Hackschnitzelanlage zumindest teilweise mit Energie durch Biomasse versorgt werden. Entsprechende Pläne hat der zuständige Architekt Mateo von Thun bereits ausgearbeitet.

Neben Biomasse haben die Experten jedoch noch einige weitere regenerative Versorgungsquellen vor Ort ausgemacht. Dabei wurden auch Solaranlagen unter die Lumpe genommen. Die Ingenieure erstellen derzeit eine Liste der Gebäude, die sich in Gemeindebesitz befinden und sich besonders für Solaranlagen auf den Dächern eignen. Welche dafür infrage kommen, will K. Greentech in einem endgültigen Abschlussbericht Anfang kommenden Jahres bekannt geben.

Der See bietet das größte Potenzial

Deutlich konkreter sehen die Pläne für die Energiegewinnung durch Wasserkraft aus. Eine dafür besonders geeignete Stelle machten die Prüfer unterhalb der Schwarzentenn-Alm ausfindig. Dort mündet der Gurnach in den Söllbach. An der Gurnbachquelle könnte schon bald ein Kleinkraftwerk entstehen.

Eine Machbarkeitsstudie für diese Wasserkraftanlage will man zumindest zeitnah ausarbeiten. Die erste Grobplanung sieht Kosten von etwa 315.000 Euro für eine Wasserkraftschnecke vor. Der erzeugte Strom würde den Jahresbedarf von etwa 70 bis 80 Wiesseer Haushalten decken.

Das Konzept des Seewasserkraftwerks am Beispiel eines Luxushotels in St. Moritz. (Zur Großansicht auf das Bild klicken)

Als besonders reizvoll stufen die Experten auch die Energiegewinnung durch die Wärme des Sees ein. „Das ist eine Chance, wie sie kaum eine Gemeinde hat“, betonte K. Greentech-Geschäftsführer Erich Monhart gegenüber den anwesenden Gemeinderäten.

Seen wie der Tegernsee haben in der Tiefe das ganze Jahr über eine nahezu konstante Temperatur von 4 Grad Celsius. Zur Energiegewinnung würde dem See über eine Rohrleitung Wasser aus der Tiefe entnommen und zu einer Wärmepumpe geleitet. Die Pumpe kühlt das Wasser auf eine Temperatur von 1 Grad Celsius herunter und leitet es anschließend zurück in den See. Das Prinzip der Heizung mit Seewasser gleicht dabei dem Prinzip eines Kühlschranks. Dieser entzieht den eingelagerten Lebensmitteln Wärme und gibt sie über ein Gitter an der Rückwand an die Umgebung des Kühlschranks ab.

Die für diesen Vorgang notwendige Energie muss dabei von außen durch Elektrizität in die Pumpenanlage eingespeist werden. Das Gleiche gilt auch für das Seekraftwerk. Zur Gewinnung von drei Kilowattstunden Energie ist dabei eine Kilowattstunde Strom vonnöten. Unterm Strich steht so ein deutlicher Energiegewinn.

Möglichkeiten für den Tegernsee?

Vorreiter bei dieser Technologie ist die Schweiz. So dient das Wasser des Zürichsees als Energiequelle für drei Seewasserverbunde, die rund um das Züricher Seenbecken verschiedene Gebäude heizen und kühlen. Und auch in St. Moritz wird das Prinzip bereits seit einiger Zeit eingesetzt. Dort setzt ein bekanntes Luxushotel auf die alternative Energiegewinnung.

Ob und in welchem Umfang sich die Idee auch am Tegernsee umsetzen lässt, das wird seit Mitte vergangenen Jahres in talweiten Hintergrundgesprächen erörtert. Neben der Frage nach den Kosten sind auch die Größe des Sees und die Durchströmung des Gewässers wichtige Punkte, die es zu beachten gilt. Aber auch die Gegebenheiten vor Ort, wo das Kraftwerk zum Einsatz kommen könnte, sind entscheidend.

Die geplante Wiesseer Therme könnte durch ein Seeewasserwärmekraftwerk versorgt werden
Die geplante Wiesseer Therme könnte durch ein Seeewasserwärmekraftwerk versorgt werden

Das Tegernseer E-Werk prüft gemeinsam mit der Wiesseer Verwaltung und Architekt Matteo Thun indes schon seit geraumer Zeit, ob sich eine solche Seewasserwärmepumpe zur Versorgung der geplanten Wiesseer Therme eignet. Auch K. Greentech legte den Verantwortlichen erneut eine Machbarkeitsstudie für dieses Modell nahe. Insgesamt, so die Experten, sei es langfristig möglich, dass Bad Wiessee sich vollständig durch erneuerbare Energien versorgt.  

Um den aktuellen Energiebedarf zu senken, legte die Studie zudem die energetische Sanierung einiger Gemeindegebäude nahe. Vor allem das Rathaus und die Wiesseer Grundschule hat K. Greentech hier im Visier. Denn auch in Bad Wiessee gilt: Erneuerbare Energiequellen erschließen ist die eine, dafür zu sorgen, dass die vorhandene Energie und Wärme nicht ungenutzt entweichen, eine ganz andere Sache. 

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