Jagd auf Rotwild:
Wildes Bayern verklagt Schlierseer Forstbetrieb

von Simon Haslauer

Ende vergangenen Jahres forderte der Schlierseer Forstbetrieb, mehr Rotwild schießen zu dürfen. Der Verein Wildes Bayern bringt schwere Vorwürfe hervor. Wie reagiert der Forstbetrieb?

Alttier mit Kalb
Ein Alttier mit Kalb. / Quelle: M. Baudrexl

„Kein Weihnachtsfriede im Wald“ titelt der Verein „Wildes Bayern“ ihre Pressemitteilung. Der Miesbacher Verein prangert an, dass der Schlierseer Forstbetrieb zu Ende des vergangenen Jahres einen „kräftigen Nachschlag“ auf den gültigen Rotwild-Abschussplan bewilligt bekam.

Die „Anwälte der Wildtiere“, wie sich Wildes Bayern auf ihrer Website selbst beschreibt, sind sich sicher: „Für Wildbiologen, Natur- und Tierschützer steht fest: Wer Rotwild über die Wintersonnwende hinaus bejagt, produziert Waldschäden.“ Denn mit den kurzen Tagen ab Mitte Dezember stelle sich der Stoffwechsel von Rot-, Reh- und Gamswild um.

Wer den Tieren Ruhe gönnt, helfe auch den Jungbäumchen, die dann kaum noch zur Nahrungssuche angeknabbert werden. „Doch von soviel Fachkenntnis will der Forstbetrieb Schliersee nichts wissen“, schreibt Wildes Bayern. Der Verein hat bereits Klage eingereicht. Für Jörg Meyer, Forstbetriebsleiter in Schliersee, ist das keine stichhaltige Argumentation. Er betont:

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Diese in meinen Augen viel zu pauschale Aussage bzgl. Waldschäden bei einer Bejagung über die Wintersonnenwende hinaus kann ich aus unserer forstbetrieblichen Erfahrung heraus nicht bestätigen. Jörg Meyer, Forstbetriebsleiter

Je nach Witterungssituation und Schneelage im Dezember und Januar sei es bei sensibler und verantwortungsvoller Jagdausübung durchaus sinnvoll, Rotwild auch noch bis zum Ende der regulären Jagdzeit zu bejagen. Gleichzeitig bemerkt Meyer:

Der überwiegende Teil des Abschusses sollte jedoch bis Mitte/Ende Dezember erfüllt sein; mit Beginn der Winterfütterung sollte im Umfeld der Fütterungen die nötige Ruhe gewährleistet werden. Jörg Meyer, Forstbetriebsleiter

Wildes Bayern ortet “Taschenspielertricks”

Ein weiteres Indiz, dass die Erhöhung des Jagdbestandes schädlich war, erkennt Wildes Bayern bei der angeblichen Herangehensweise der Försterei. So habe die Behörde bereits 40 Abschüsse mehr gefordert, als „noch lange nicht alle der bereits bewilligen Abschüsse erfüllt wurden.“ Dagegen hält Meyer: „Der vom Landratsamt Miesbach festgesetzte Abschussplan für Rotwild im Staatsjagdrevier Miesbach im laufenden Jagdjahr wurde vom Forstbetrieb Schliersee bereits im Monat November weitgehend erfüllt.“ Auch dürfe man nicht 40 Rehe mehr erschießen, sondern 30.

Man sei im Winter 2021/22 von einem geringeren Rotwildbestand ausgegangen, als es tatsächlich der Fall war. Die frühzeitige Erfüllung des Rotwildabschussplans sei, so Meyer, ein Indiz hierfür. Laut Wildes Bayern handle es sich hierbei um einen „Taschenspielertrick“. Der Forstbetrieb habe einfach mehr Kälber erlegt, als bewilligt wurde und habe so seine Sollzahlen erreicht.

Doch der Forstbetrieb ist sich keiner Schuld bewusst. „Zum Schutz der Waldverjüngung in den sensiblen Bergwaldlagen – große Flächen sind Schutzwald – war es aus Sicht des Forstbetriebs erforderlich, zusätzliche Abschüsse vornehmen zu können“, argumentiert der Pressesprecher abschließend.

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