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Die Leiterin der Gmunder Tafel im Interview

“Wir haben klare Regeln für die Vergabe”

Von Christopher Horn

Vor fünf Jahren haben Monika Fabian und Helga Auth die Gmunder Tafel ins Leben gerufen. Mit viel Engagement haben sie es schnell geschafft, alle fünf Talgemeinden für das Projekt zu begeistern. Die Miete übernehmen seither die Gemeinden und den Strom das E-Werk. Die Helfer arbeiten ehrenamtlich.

Mitte Juli 2012 drohte den Verantwortlichen um die Leiterin Helga Auth jedoch Ärger wegen des Umsatzsteuergesetzes. Wie das Fernsehmagazin “Quer” damals berichtete, gibt es mögliche finanzielle Nachteile für Spender, wie beispielsweise Bäcker, wenn sie ihre Semmeln einfach an Hilfseinrichtungen wie die Gmunder Tafel verschenken.

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Denn verschenkte Waren müssen von den Betrieben wie Privatentnahmen verbucht werden. Und auf die wird, wie bei verkauften Produkten, eine Umsatzsteuer fällig. Horrende Nachzahlung sind eine mögliche Folge, so geschehen Sächsischen Bäcker, der 3.000 Euro nachträglich an das Finanzamt abführen musste.

Wir haben haben uns nun, einige Wochen später, mit Helga Auth, der Leiterin der Gmunder Tafel über die gegenwärtige Situation der Einrichtung unterhalten.

Helga Auth im Gespräch

Tegernseer Stimme: Guten Tag Frau Auth, das wichtigste aus gegebenem Anlass zuerst, spüren sie bereits die Auswirkungen der Umsatzsteuerregelung?

Auth: Da kann ich sie und alle unsere Kunden beruhigen, wir spüren davon bisher nichts, die Regelung betrifft unsere Tafel gewissermaßen gar nicht.

Tegernseer Stimme: Wie meinen Sie das?

Auth: Kurz nachdem nachdem der Bericht im Fernsehen zu sehen war, haben wir Post von Bundesverband der Tafeln bekommen. Nach Rücksprache mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks und dem Bundesfinanzministerium wurde vereinbart, dass für Lebensmittel, insbesondere für Backwaren bei einer Spende keine Umsatzsteuer anfällt, wenn diese kurz vor dem Verfallsdatum stehen.

Der Wert der Waren wird dann quasi auf Null Euro gesetzt, daher müssen solche Spenden dann auch nicht vom jeweiligen Spender versteuert werden. Da unsere Tafel immer Samstags geöffnet ist und wir die Waren meistens Freitag oder Samstag erst holen, bekommen wir die Produkte, die Montags eh nicht mehr im Laden verkauft werden würden.

Tegernseer Stimme: Wie beurteilen Sie die Umsatzsteuerpflicht für Spenden im Allgemeinen?

Auth: Das sehe ich persönlich sehr kritisch. Ich denke da hat ein übereifriger Finanzbeamter etwas übertrieben. Ich denke, das wird relativ bald auch vom Gesetzgeber geändert.

Tegernseer Stimme: Haben Spender Ihnen gegenüber Bedenken wegen der Umsatzsteuer geäußert?

Auth: Nein, auch das war bisher kein Thema. Wir haben keinen Spender verloren. Glücklicherweise ist auch das Spendenvolumen nicht zurückgegangen.

“Es werden immer mehr Kunden, die zu uns kommen”

Tegernseer Stimme: Nun zu eher allgemeineren Entwicklungen. Hat die Anzahl der Bedürftigen in den letzten Jahren zugenommen? Und wie sieht die Altersstruktur ihrer Gäste aus?

Auth: Zunächst einmal bevorzuge ich den Ausdruck Kunden. Das Wort Bedürftige klingt meiner Meinung nach zu hart. Insbesondere in den letzten Monaten hat die Anzahl der Kunden deutlich zugenommen. Vor allem die Altersgruppe der 50- bis 60-jährigen ist immer stärker vertreten.

Viele kommen eben trotz einer kleinen Rente von 400 Euro gerade bei uns im Tegernseer Tal nicht über die Runden. Dabei fällt es vielen Einheimischen am Anfang schwer zu uns zu kommen. Viele von Ihnen schämen sich zunächst. Das finde ich bedauerlich, denn es ist nichts verwerfliches dabei, wenn man mit seiner Rente oder seinem Einkommen nicht auskommt.

Tegernseer Stimme: Wie beurteilen Sie, ob jemand bedürftig ist und wie verhindern Sie einen Mißbrauch des Angebotes?

Auth: Da gibt es klare Regeln. Jeder unserer Kunden muss uns einen Sozialausweis vorlegen. Dieser wird von der Gemeinde ausgestellt. Wir schicken zwar Niemanden weg, wenn er bei seinem ersten Besuch die Bescheinigung vergessen hat. Wenn er das Dokument jedoch auch beim nächsten Besuch nicht dabei hat, müssen wir ihn zurückweisen.

Darüber hinaus lassen wir uns auch regelmäßig von unseren Stammkunden die Bescheinigung zeigen. Damit soll verhindert werden, dass jemand der mittlerweile wieder genügend verdient unsere Leistungen missbraucht. Zudem ist auf den Bescheinigungen vermerkt, wieviele Personen in einem Haushalt leben. Daher können wir auch beurteilen, ob die Mengen die ein Kunde bei uns einpackt, angemessen sind oder nicht.

Tegernseer Stimme: Und wie beurteilen Sie die Unterstützung durch die Talgemeinden?

Auth: Die Unterstützung durch die Talgemeinden und die Gemeinde Waakirchen ist vorbildlich. Sie übernehmen schließlich die Miete für unsere Räumlichkeiten und das E-Werk die Strom- und Heizkosten. Insbesondere der Gmunder Bürgermeister Georg von Preysing hat immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen.

Ein kleiner Teil des Gmunder Tafel Teams

Tegernseer Stimme: Wie sind Sie eigentlich zur Tafel gekommen und wieviele ehrenamtliche Mitarbeiter arbeiten dort gegenwärtig?

Auth: Ich war früher Krankenschwester, daher war das Bedürfnis anderen Menschen zu helfen irgendwie schon immer in mir verankert. Vor nunmehr über sechs Jahren haben Monika Fabian und ich den Entschluss gefasst eine Tafel ins Leben zu rufen. Wir hatten uns beide schon zu diesem Zeitpunkt ehrenamtlich für Bedürftige engagiert. Das Ganze zog dann auch einige Vorarbeit mit sich.

Tegernseer Stimme: Was meinen Sie da konkret?

Auth: Wir mussten die Gemeinden von unserem Vorhaben überzeugen und auch Spender für die Lebensmittel finden. Zum Glück waren alle Beteiligten dem Projekt gegenüber sehr wohlwollend eingestellt.

Über 90 Prozent der angefragten Lebensmittelgeschäfte sagten uns ihre Hilfe zu und auch die Gemeinden zogen mit. Wir hatten dann auch die Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer. Heute sind es insgesamt 48 Personen, die im mehrwöchigen Wechsel bei uns arbeiten.

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