Kauf des Hotel Lederer: RDR-Geschäftsführer erläutert weitere Schritte
“Wir haben großes Interesse am ehemaligen Spielbank-Gelände”

von Peter Posztos

Ergänzung vom 12. Dezember / 8:56 Uhr
Das Tauziehen um Teile des ehemaligen Spielbankgrundstücks geht weiter. Wie letzten Freitag berichtet hatte es bereits am 15. November ein erstes Gespräch zwischen dem Wiesseer Bürgermeister Peter Höß und den RDR-Verantwortlichen gegeben.

Seit nunmehr zwei Wochen liegt das RDR-Angebot für den Kauf des Areals nun der Gemeinde schriftlich vor. Bei einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Wiesseer Gemeinderates in der kommenden Woche werden die Ratsmitglieder dabei zwischen mehreren Optionen entscheiden müssen: das konkrete Angebot des Lederer-Eigentümers annehmen, die Option von Thomas Strüngmann verlängern oder auch vorläufig keine weitere Option auf das Grundstück vergeben.

Dass es dabei nur um einen Teil des Areals geht, erklärte auch Carsten Riecke, Geschäftsführer der RDR: “Wir wissen nicht genau, wie umfangreich der Teil ist, der optioniert ist. Ich weiß nur, dass es nicht das ganze Spielbankgrundstück ist, weil ein öffentlicher Teil vor dem See reserviert bleibt.”

Für Peter Höß steht dagegen fest, dass mit RDR ein ernstzunehmender Spieler das Feld betreten hat: “Für uns ist die Firma ein durchaus kompetenter Partner.”

Ursprünglicher Artikel vom 7. Dezember:
Der Fall Gröbl brachte in den letzten zwei Wochen auch die RDR Real Estate Management GmbH wieder zurück in die Medien. Dabei war die Grünwalder Firma, die hinter dem Kauf des Lederer-Areals steht, bisher immer im Verborgenen geblieben. Zu konkreten Pläne, was mit dem Grundstück an der Wiesseer Seepromenade passieren soll, wollten sich die Verantwortlichen nicht äußern. Bis heute.

In einem umfangreichen Gespräch mit unserem Autor Klaus Wiendl erzählt Carsten Riecke, Geschäftsführer der RDR seine Sicht des umstrittenen Kaufs des Hotel Lederer. Er gibt Einblick in die Pläne auch noch das ehemalige Spielbank-Gelände zu erwerben und erklärt unter welchen Bedingungen seine Gesellschaft das Lederer-Grundstück an Thomas Strüngmann verkaufen würde.

Tegernseer Stimme: Herr Riecke, die RDR gleicht in der öffentlichen Wahrnehmung einem Art Phantom. Woher kommt das Geld, das sie investieren?

Carsten Riecke: Die RDR wird von einem kleinen Kreis von acht kapitalgebenden Gesellschaftern gebildet. Ausgestattet ist die RDR mit Geld in einer Größenordnung von 30 bis 50 Millionen Euro. Für die, die bei uns investieren, ist es ein kleiner Teil ihres Gesamtvermögens. Es ist langfristig angelegt und es wird nicht gebraucht, um täglich Rechnungen zu bezahlen.

Tegernseer Stimme: Sie haben im November letztes Jahr das Lederer-Areal erworben. Mittlerweile ist der Eindruck enstanden, sie wollten von Anfang an nur Wohnungen auf das Grundstück stellen. War Ihnen damals nicht bewusst, dass der Wiesseer Gemeinderat eine Hotelbebauung anstrebt?

Carsten Riecke, Geschäftsführer der RDR / Quelle: Wiendl
Carsten Riecke: Dass auf das Grundstück nur ein Hotel gebaut werden darf, war uns tatsächlich nicht bewusst. Ich habe es eher immobilienwirtschaftlich gesehen.

Wir waren der Ansicht, dass da was hin muss. Etwas das kur- oder tourismustauglich ist, ob das nun in Richtung eines Hotels oder medizinischer Anwendungen hätte gehen können, war für mich damals jedoch offen.

Trotzdem bin ich persönlich davon ausgegangen, dass eine Kombination aus Hotel, Kurbetrieb und Wohnungen möglich ist.

“Ja, es gab Kontakt zu Thomas Strüngmann”

Tegernseer Stimme: Thomas Strüngmann hat ja eine Option auf den Kauf des ehemaligen Spielbankgrundstücks, das sich neben dem Lederer-Grundstück befindet. Gab es Gespräche zwischen der RDR und Strüngmann diese beiden Top-Lagen zusammenzuführen?

Carsten Riecke: Ja, diese Gespräche gab es direkt nach der Zwangsversteigerung. Herr Strüngmann meinte, „ich wäre auch bereit, die Option zu übertragen. RDR müsste mir halt meine Vorlaufkosten erstatten“. Die Idee war: man bringt diese Grundstücke zusammen und kann daraus was entwickeln. Strüngmann schaltete auch noch eine Münchner Immobilienfirma ein, mit der wir ein Gespräch geführt haben. Doch dann kam die Aussage: “An Eurem Grundstück haben wir kein Interesse mehr, zumindest nicht zu dem Wert, der mal im Gespräch war.”

Tegernseer Stimme: Und dann hatten Sie die Idee den Spieß einfach umzudrehen und ihrerseits das Spielbank-Gelände zu kaufen?

Carsten Riecke: Richtig. Strüngmanns Option läuft ja noch bis zum 31.12.2012. Und so gab es dann einen Gesellschafterbeschluss mit dem Ergebnis, dass man mich autorisiert hat, auf die Gemeinde Bad Wiessee zuzugehen und unser Interesse an dem Grundstück zu bekunden. So war das Ansinnen, wenn die Option zum Ende des Jahres ausläuft und nicht gezogen wird, dann bitte übertragt doch diese einfach an die RDR.

Tegernseer Stimme: Und wann wurde dieses Ansinnen bei der Gemeinde eingebracht?

Carsten Riecke: Am 15. November gab es ein Gespräch mit Peter Höß, an dem auch ein zufällig anwesender Rechtsanwalt auf Bitte des Bürgermeisters teilnahm. Ich hatte noch einen Mitarbeiter der Feuring Hotel Consulting dabei – ein Unternehmen, mit dem ich im Vorfeld bereits Gespräche geführt hatte. Es wurde uns andeutungsweise ein Preis genannt, der nach meiner Kalkulation bei 400 Euro pro Quadratmeter lag. Den hatte ich aus dem Gespräch mit Herrn Höß interpretiert.

Bayern 3-Dorffest Bad Wiessee (1)
Das Bayern 3-Dorffest fand auf dem ehemaligen Spielbankgrundstück statt.

Tegernseer Stimme: Wie groß ist das gesamte Grundstück, das sie dann erwerben würden?

Carsten Riecke: Wir wissen nicht genau, wie umfangreich der Teil ist, der optioniert ist. Ich weiß nur, dass es nicht das ganze Spielbankgrundstück ist, weil ein öffentlicher Teil vor dem See reserviert bleibt. Ich kann Ihnen die genaue Größe des Grundstücks also nicht nennen, weil ich nicht weiß, wo entsprechende Linien verlaufen.

“Wir wollten keine ausschließliche Wohnbebauung”

Tegernseer Stimme: Was sind denn Ihre konkreten Ziele? Ist das Lederer-Areal für Sie “nur” ein Spekulationsobjekt?

Carsten Riecke: Nein. Denn mit dem Gesprächsangebot war es mir ganz wichtig, deutlich zu machen, dass die RDR zusammen mit der Gemeinde eine Planung angehen möchte. Meine Bitte war, gebt uns doch auch die Chance und räumt uns zumindest für sechs Monate die gleiche Option ein, die Strüngmann hatte. In diesen sechs Monaten, davon bin ich überzeugt, könnem wir dann gemeinsam zu realisierbaren Ansätzen kommen.

Tegernseer Stimme: In der aktuellen Berichterstattung, die durch den Prozess um die ausstehende Provision an den Immobilienmakler des ehemaligen Hotel Lederer ausgelöst wurde, hatte man den Eindruck, die RDR wolle auf das gesamte Gelände Eigentumswohnungen bauen.

Carsten Riecke: Ich muss eindeutig widersprechen, dass wir nur Wohnbebauung für das Lederergrundstück geplant hätten. Für uns war schon lange klar, dass dort ein Hotelbetrieb hinkommt. Nur muss der auch betriebswirtschaftlich funktionieren.

Tegernseer Stimme: Dabei ist die RDR eigentlich nicht als Hotel-Investor bekannt. Mit wem wollen Sie das Projekt stemmen?

Carsten Riecke: Wir haben mit der Feuring Hotel Consulting einen Partner an der Seite. Damit stehen wir in den Startlöchern und wollen loslegen, sobald wir in der gesicherten Position sind, das über eine Option der Zugriff auf das Spielbank-Grundstück möglich ist. Die Aussage aller Fachleute ist, dass auf die beiden Areal zusammengenommen ein schönes Hotel hin passt. Allerdings braucht es, ergänzend zum Kernbereich des Hotels, eine weitere Nutzung.

Der seeabgewandte Bereich des Hotel Lederer

Tegernseer Stimme: Also Eigentumswohnungen?

Carsten Riecke: Das kann Wohnen in irgendeiner Form sein. Oder auch Gewerbeeinheiten, wie man sie üblicherweise in hochwertigen Hotels findet. Wir sind noch lange nicht an dem Punkt, an dem wir sagen können, wieviele Zimmer wir bauen und wieviele Quadratmeter für den Wellness-Bereich eingeplant sind. Für mich stellt sich derzeit die Frage, bekommt die RDR das Recht zumindest für ein halbes Jahr konzentriert zu arbeiten? Dann wird es die ersten Konzeptüberlegungen geben. Dabei ist mein Ziel, dies immer im Einvernehmen mit der Gemeinde zu tun.

Tegernseer Stimme: Aber stoßen Sie da nicht an unverrückbare Grenzen? Die Gemeinde möchte unbedingt und ausschließlich ein Hotel auf dem Areal. Wie passt das in ihr Konzept?

Carsten Riecke: Die Frage ist, wie könnte eine Gebäude-Konfiguration aussehen und wie sieht ein dazu passendes Hotelkonzept aus. Ich kann Ihnen heute nicht sagen, wie viel Anteil Wohnen oder Hotel es werden sollen. Es wird ihnen allerdings jeder Experte vorrechnen können, dass man eine Nutzungsart braucht, die den Hotelbetrieb quersubventioniert. Sonst bekommt man es nicht finanziert.

Ganz oder gar nicht

Tegernseer Stimme: Funktioniert diese Lösung aus Ihrer Sicht nur als Ganzes? Entweder Lederer-Areal und ehemaliges Spielbankgrundstück zusammen oder gar nicht?

Carsten Riecke: Ich sag es mal so: Wir wären nicht auf die Gemeinde Bad Wiessee zugegangen, wenn wir nicht die Bereitschaft hätten, das ehemalige Spielbankgelände zu kaufen. Dazu sind wir unter allen Umständen bereit, müssen aber wissen, was möglich ist. Denn man sollte die beiden Grundstücke als Einheit betrachten und damit auch das Projekt als Ganzes kalkulieren.

Tegernseer Stimme: Bisher blieb die RDR mit ihren Ambitionen ziemlich im verborgenen. Ist der Weg an die Öffentlichkeit der letzte Schritt vor einem möglichen Rückzug?

Carsten Riecke: Wir müssen jetzt mal aus der Deckung kommen, da haben Sie schon recht. Bis zum Spätsommer war ich im Glauben, das Ganze mit Herrn Strüngmann zusammen hinzubekommen. Das hat sich nicht realisieren lassen. Was wir sicher nicht wollen, ist eine ausschließliche Planung für das Lederer-Grundstück. Deswegen hab ich das Gespräch mit Herrn Höß gesucht. Bei unserem Telefonat kürzlich hat er mir versicht, er wolle unseren Vorschlag so auch in die Gemeinderatssitzung einbringen. Doch durch das Bekanntwerden der Zeugenaussage von Herrn Gröbl hat er das dann unterlassen.

Tegernseer Stimme: Ist der Wiesseer Gemeinderat aus Ihrer Sicht unter Zugzwang in Sachen Spielbankgrundstück?

Carsten Riecke: Wenn ich Herrn Höß richtig verstehe, versucht er noch in diesem Jahr zu einem Ergebnis zu kommen. Scheinbar braucht es für eine eventuelle Verlängerung der Option durch Herrn Strüngmann auch einen Gemeinderatsbeschluss.

Wenn der Preis für das Lederer stimmt….

Tegernseer Stimme: Unter welchen Umständen würden Sie sich zurückziehen und dem früheren Wunschkandidaten der Gemeinde Thomas Strüngmann das Feld, respektive das Lederer-Areal überlassen?

Carsten Riecke: Die Gemeinde war mit Herrn Strüngmann sehr weit und er ist immer noch ein Wunschpartner. Wenn jetzt aber eine Situation entstehen würde, bei der es heißt, wir bieten den Grundstücksankaufspreis plus der Nebenkosten und der Betriebskosten, die bislang entstanden sind, dann würden wir uns nicht dagegen stemmen. Eine halbe Million mehr reicht allerdings nicht aus. Es geht schon eher in Richtung einer Million zusätzlich, die Strüngmann heute zahlen müsste.

Tegernseer Stimme: Haben Sie ihrer Meinung nach vor dem Kauf im Herbst 2011 die damalige Situation vor Ort in Bad Wiessee falsch eingeschätzt?

Carsten Riecke: Wenn wir die Gesamtsituation damals erfasst hätten, wäre unsere Entscheidung vielleicht anders ausgefallen. So sind wir in dieser Umfänglichkeit damals leider nicht auf Ballhöhe gebracht worden. Allerdings hat sich die Situation geändert. Wenn uns die Gemeinde für sechs Monate das Vertrauen schenkt, dann hat man mit der Rechtssicherheit die Chance, einen gangbaren Weg einzuschlagen. Allerdings müssen wir wissen, was geht und was nicht. Und dafür brauchen wir Zeit.

Interview: Klaus Wiendl


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