Wehr-Gegner stellen sich der Öffentlichkeit

von Peter Posztos

Zweite Aktualisierung vom 19. August / 9:12 Uhr
Nachdem Einheimische vor vier Wochen den Verein „Rettet den Tegernsee” gegründet haben, hat die Unterstützung für die Gegner des Schuhmacher-Wehrs deutlich zugenommen.

Nun stellen sich die Initiatoren zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Am Mittwoch wird es auf Einladung der Freien Wähler Kreuth im Hotel Bachmair Weissach unter anderem um den Hochwasserschutz gehen.

Ab 20:00 Uhr wollen die Wehr-Gegner ihre Argumente präsentieren. Dabei wird es auch um die Gutachten gehen, die die Initiatoren in Auftrag geben wollen, um ihre Überzeugungen zu untermauern. So wurde erst Ende letzter Woche Professor Arnulf Melzer damit beauftragt „ein limnologisches Gutachten zum Tegernsee als natürlichem Bergsee und dessen Veränderungen als Stausee“ zu erstellen.

Die Gruppe, die aus Anliegern und anderen Talbewohnern besteht, meint es also ernst mit ihrer Ankündigung, den Neubau des Schuhmacher-Wehrs mit Fakten stoppen zu wollen. Wer Fragen zum Hochwasserschutz am Tegernsee hat, sollte also am Mittwoch, dem 21. August, um 20:00 Uhr zur zweiten Infoveranstaltung der FWG Kreuth kommen.

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Aktualisierung vom 6. August / 8:45 Uhr
Wie berichtet, hat sich der Verein „Rettet den Tegernsee“ gegründet, um unter anderem den Bau des neuen Schuhmacher-Wehrs zu stoppen. Am vergangenen Samstag fand nun die erste Mitgliederversammlung statt.

Die in der Initiative organisierten Tal-Bewohner haben dabei nicht nur ihre Ziele formuliert, sondern gleichzeitig beschlossen, eigene Gutachten in Auftrag zu geben, die ihre Argumente unterstreichen sollen.

Die Vertreter der Initiative „Rettet den Tegernsee“ haben sich am vergangenen Samstag zum ersten Mal getroffen / Bild: Mick Zollenkopf
Die Vertreter der Initiative „Rettet den Tegernsee“ haben sich am vergangenen Samstag zum ersten Mal getroffen / Bild: Mick Zollenkopf

So erklärt Andreas Scherzer, Mitinitiator des Aktionsbündnisses, dass man diverse Personen in den eigenen Reihen habe, die vom Fach sind. Diese sollen nun mit Unterstützung anderer Experten Gutachten erstellen, die unter anderem untersuchen sollen, wie sich ein Aufstauen des Tegernsees auf die hiesige Flora und Fauna auswirkt. Darüber hinaus werde man, so Scherzer, die gesamte bisherige Planung und die avisierte Umsetzung verwaltungsrechtlich prüfen lassen.

Das Ziel, den geplanten mehrere Millionen Euro teuren Bau des Schuhmacher-Wehrs zu stoppen, wolle man mit Fakten erreichen, denn der Tegernsee, so die Forderung der Initiative, darf kein Stausee werden. Für Scherzer und seine Mitstreiter stellt sich vor allem die Frage, warum die Gemeinderäte im Tegernseer Tal in den vergangenen zwei Jahren nicht umfassend nachgefragt haben, ob die immer weiter vorangetriebenen Planungen des Wasserwirtschaftsamtes dem Tal nicht eher zum Nachteil gereichen.

Die Frage stellt sich: Wer profitiert von diesem Wehr? Und so, wie es derzeit scheint, ist das nicht der Tegernsee.

In die Gutachten der Initiative sollen auch neue Erkenntnisse hinsichtlich der Zuflüsse des Tegernsees einfließen. So erklärt Scherzer, dass beispielsweise die umgebaute Weissach in Hochwasserzeiten mittlerweile eine deutlich schnellere Flut mit sich führe als noch zu den Zeiten des letzten Gutachtens, auf das sich das Wasserwirtschaftsamt nun beruft.

Die unterschiedliche Auslegung der aktuellen Fakten ist auch der Grund, weshalb vonseiten des Aktionsbündnisses derzeit kein großer Bedarf an einem Gespräch mit den Verantwortlichen des Wasserwirtschaftsamtes besteht. So hatte dessen Leiter angekündigt, sich mit der Initiative in Verbindung setzen zu wollen, doch für Scherzer macht ein Austausch erst Sinn, wenn man eigene Fakten zusammengetragen habe. „Das Wasserwirtschaftsamt plant seit zwanzig Jahren vor sich hin. Unser Verein existiert aber erst seit zwei Wochen. Man muss uns einfach ein wenig Zeit geben.“

Ursprünglicher Artikel vom 1. August:
Die Informationsveranstaltung zum Thema „Hochwasser“ vom vergangenen Donnerstag ging für das Wasserwirtschaftsamt gründlich in die Hose. Die technisch orientierten Ingenieure schafften es im vollen Neureuthersaal nicht, den Bürgern die Ängste zu nehmen.

Fast noch schlimmer: Nach der Veranstaltung wich die Befürchtung vieler Betroffener einem Gefühl des Misstrauens gegenüber der verantwortlichen Behörde. So formierte sich direkt im Anschluss eine Bürgerinitiative, die ihr Ziel nun auch öffentlich klar und unmissverständlich formuliert.

Der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Paul Geisenhofer und seine Mitarbeiter stehen Rede und Antwort
Die Verantwortlichen des Wasserwirtschaftsamts standen am vergangenen Donnerstag in Gmund Rede und Antwort

„Wir wollen und wir brauchen hier am Tegernsee überhaupt kein Wehr“, ist Andreas Scherzer, Mitinitiator des Aktionsbündnisses „Rettet den Tegernsee“ überzeugt. Der Rottacher und seine Mitstreiter haben unter der Bezeichnung „Tegernseer Gegenwehr“ eine eigene Facebook-Seite mit mittlerweile 220 Fans gegründet.

Doch auch ohne den virtuellen Auftritt sei man gut aufgestellt, so Scherzer. Rund 100 Mitglieder zählt der Verein, der sich klar gegen das geplante Schuhmacher-Wehr am Abfluss der Mangfall in Gmund positioniert, nach einer knappen Woche. „Wir haben Fachleute und Experten in unseren Reihen, die uns mit Informationen unterstützen.“ Und die Forderungen, die die Initiative stellt, sind nicht ohne:


– Sofortiger Stopp der Planungen und des Baus dieses Monster-Wehrs
– Schluss mit den falschen Versprechungen durch die Behörden
– Neuplanung eines wirksamen Hochwasserschutzes
– Änderung der heutigen veralteten Steuerung
– Rechtzeitiges Ablassen bei Überschreitung des mittleren Seespiegels
– Alternativ das Ausbaggern des Mangfall-Abflusses

Der Tegernsee darf kein Stausee werden …

Mit seinem Forderungskatalog stellt das Bündnis auch klar, dass es um mehr als um ein Kommunikationsproblem des Wasserwirtschaftsamtes gehe. Die Gegner des Wehrs haben Angst, dass der Tegernsee zukünftig als Stausee missbraucht werden könnte. „Die nennen den See intern nur noch Rückhaltebecken. Und wenn irgendwann die Entscheidung ansteht, Kolbermoor oder Tegernsee, dann bin ich sicher, dass der Tegernsee den Kürzeren zieht“, ist sich Scherzer sicher.

Seit gestern ist auch die Webseite des Aktionsbündnisses online.
Seit gestern ist auch die Webseite des Aktionsbündnisses online.

Dabei stellt der 52-Jährige klar, dass es nicht nur darum gehe, das geplante Wehr zu verhindern, sondern gleichzeitig auch machbare Alternativen aufzuzeigen. „Es gibt Lösungen ohne diesen Bau, und mit denen werden wir beizeiten an die Öffentlichkeit gehen.“

Der Tegernsee wird kein Stausee

Für den Leiter des Rosenheimer Wasserwirtschaftsamtes, Paul Geisenhofer, handelt es sich bei der Überzeugung der Gegner um ein Missverständnis, denn es sei gar nicht geplant, den See während des Hochwassers künstlich aufzustauen, so Geisenhofer.

„Wir schaffen nur ein niedrigeres Ausgangsniveau, bevor das Hochwasser eintritt.“

Mit dem anschließend ablaufenden natürlichen Hochwasserereignis, das eben vom jeweiligen Niederschlagsereignis und vom Einzugsgebiet der zahlreichen Wildbäche geprägt ist, werde man aber weiterhin leben müssen. So stellt Geisenhofer klar, dass das neue Schuhmacher-Wehr während des Hochwassers die gleiche Funktion übernehmen müsse wie schon das alte Wehr bisher.

„Das ist wichtig, damit sich keine Verschlechterungen für die Unterlieger ergeben, sondern die jetzigen Abflussverhältnisse trotz des vertieften, leistungsfähigeren Flussbettes erhalten bleiben.“

„Wehret den Anfängen“

Für die Gegner greifen die Argumente allerdings zu kurz. So erklärte Christoph Ebensperger – selbst Anwohner an der Gmunder Mangfall-Mündung – auf der Infoveranstaltung am vergangenen Donnerstag, dass er sich nicht erklären könne, wie die Planungen keine Auswirkungen auf den restlichen See haben sollen. Allein bei ihm im Garten würde das Wasserwirtschaftsamt ein ein Meter höheres Hochwasser prognostizieren als bei dem letzten schweren Hochwasser Anfang Juni.

Und auch Scherzer betont, dass man den Beteuerungen des Wasserwirtschaftsamtes kaum Glauben schenken könne. Warum sonst müssten bei den Anliegern in Gmund diese hohen Schutzmauern hochgezogen werden? Für den Rottacher ist der Fall klar: „Ich sag immer: Wehret den Anfängen.“

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