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Neue Lounge am Schlierseer Seeufer sorgt für Schlagzeilen

Wird der Schliersee jetzt tatsächlich hip?

Von Sabiene Hemkes

Die kleine Gemeinde Schliersee, malerisch am gleichnamigen Alpensee gelegen, ist nicht gerade als mondäner Urlaubsort bekannt. Selbst bezeichnet er sich gern “das bayerische Paradies“. Anders als beim großen Bruder im Westen scheint die „alte Welt“ am See noch in Ordnung. Oder etwa doch nicht mehr?

Immer wieder Mittwochs sind die Fischer im Walter’s am See

Bei unserem letzten Besuch im Biergarten des Schlierseer Hofs am Schliersee bin ich vor Stolz fast geplatzt. Wir waren mit Freunden aus Hamburg unterwegs, die uns in den Ferien besuchten. Auf einmal rief meine Freundin: „Was ist denn das da drüben? Das sieht ja cool aus mit den Netzen und dem Baumhaus“.

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Erst wusste ich nicht, wovon sie spricht. `Haben wir jetzt einen neuen Spielplatz im Biergarten? Was meint die denn?`. Aber dann habe ich es auch gesehen. Durch einen Durchgang gelangt man direkt vom Biergarten in eine Lounge, wie man das heute nennt.

Eine hippe Lounge zwischen Biergarten und Strandbad

Ein gemütlicher Platz direkt am Seeufer, der so gar nicht in das sonst bekannte Ambiente der gediegen oberbayerischen Gastronomie Ausstattung im Schlierseer Tal passen will. Große Netze thronen über dem Wasser und eine kleine Terrasse in Baumhaus Art bietet weitere Sitzplätze mit herrlicher Aussicht. Dazu verteilt Tische und Stühle. Echt hipper Stilmix zwischen Shabby, Boho und edel chic.

Ich dachte wirklich ich wäre im falschen Film. Wer hat diesen wunderbaren Ort in das beschauliche Schliersee gebeamt? Beim Rausgehen jedoch, wir bleiben im Biergarten – Besuch bevorzugt das Traditionelle – schlug meine Freude aber schlagartig in Panik um. Da stand auf einem laminierten Schild: Mittwoch sei die Fischerei Schliersee hier Co-Gastgeber.

Da ploppen Bilder auf. Wird das hier etwa das Fischerei Bistro 2.0? Kommen jetzt die ganzen möchtegern Hippen aus München auch an den Schliersee. Wird es hier zugehen wie in Bad Wiessee?

Lässiges Chillen am Seeufer in Schliersee / Quelle: Walter’s am See

Dazu kommt jetzt wohl noch Ärger mit dem Bauamt. Die Netze und auch die tolle Baumhausterrasse waren nicht genehmigt und sollen abgebaut werden. Auch wenn ich den Artikel im Merkur zweimal lese, erschließt sich mir das Problem nicht. Es scheint schon, dass man das typische Seeuferbild erhalten möchte. Schliersee ist eben Schliersee. Und Liegenetze über dem See sowie Shabby Style Baumhäuser scheinen eben nicht dem gewünschten Tourismus zuträglich zu sein.

Wer hat das zu verantworten

Ich mache mich auf die Suche nach den Verursachern meiner Freude und meiner Bedenken. Es sind wie ich erfahre fünf junge Einheimische. Drei – Adriano Mannhardt, Lukas Müller und Marc Fricke – betreiben seit 2019 die Fischerei Schliersee.

Wir sind kein Ableger der Fischer vom Tegernsee. Das sind zwar unsere Freunde und ich habe drüben gelernt, aber wir drei machen hier am Schliersee unser eigenes Ding,

erklärt mit Lukas am Telefon. Der Fischwirtschaftsmeister (ich soll den Titel unbedingt angeben) gerät ins Schwärmen, wenn er über den Fischerei Tag im Walter‘s am See berichtet. Immer Mittwochs seien sie dort mit ihren regionalen Fischspezialitäten und guten Weinen.

Ob sie dem Vorbild des Fischerei Bistros am Tegernsee nacheifern wollen, will ich von ihm wissen: „Nein bestimmt nicht“, kommt spontan, auch wenn er es echt cool findet, was die Tegernseer Kollegen da auf die Beine stellen. „Wir wollen die Produkte unserer traditionellen Handwerkskunst mit in die Moderne nehmen“, erklärt mir der junge Fischer. Dafür habe es vor dem Walters keinen Platz am See gegeben. „Die Lounge ist schon einzigartig für den Schliersee und passt total zu uns und unserer Philosophie.“ Man wolle für alle offen bleiben – die Einheimischen und die Touristen. Auch die „Münchner“ würde man nicht heimschicken, wenn sie sich durch die Baustelle quälen.

Regional, modern und eben anders will man sein am Schliersee

Ähnlich äußern sich auch der Betreiber des Walters am See. Das sind Marc Kantelberg und Marcel de Alwis. Marcel ist der Sohn der Betreiber des Schlierseer Hof. Zusammen haben die beiden jungen Männer schon einige Gastro-Projekte in der Vergangenheit gestemmt.

„Wir wollten mal etwas Neues und doch regional geprägtes an den See bringen. Etwas was es so hier noch nicht gibt“, erzählt Marc. Dabei würden sie viel Zuspruch bekommen aber eben auch etwas Gegenwind. Was ja normal sei. Auch er macht deutlich, dass der Schliersee eben nicht der Tegernsee sei. „Die beiden Locations seien nicht vergleichbar. Immerhin liegt das Walters direkt am Seeufer. Das kann kein anderer aufweisen“, meint der Betreiber schmunzelnd, um in Anschluss noch von den unvergleichlichen Sonnenuntergängen über dem See zu berichten.

Dee See vor Augen und das alpine Vorgebirge im Rücken – demnächst wieder ohne Netze und Baumhausterrasse? / Quelle: Walter’s am See

Auch die Klientel sei bestimmt nicht die selbe: „Bei uns gibt es noch eine gute Flasche Wein für 28 Euro“. Das sei auch der Anspruch der beiden, die vor sieben Wochen die Lounge eröffnet haben. „Wir sind nicht die neue hippe Partylocation“, beschreibt der Gastronom das Konzept. Vielmehr sei es der Anspruch mit gutem regionalem Essen und ebensolchem Getränkeangebot zu punkten. „Wir wollen kein Schicki Micki Restaurant sein. Auch ohne Rolex und Sportwagen ist man bei uns willkommen.“

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt

Letztendlich überwiegt bei mir die Freude endlich einen Platz am geliebten kleinen See zu wissen der modern, cool und trotzdem absolut regional ist. Wo wir mal mit Freunden einen entspannten Feierabend verbringen können. In einer Umgebung, die nicht einem Museum für Touristen gleicht, sondern meinem Lebensalltag entspricht. Und mit Musik, die ich auch gern daheim mal auflege.

Doch bleibt immer die Angst im Hinterkopf, dass in kürzester Zeit auch dieser wunderbare Ort unerschwinglich wird. Dazu bevölkert von Menschen, die nur zum „Saurauslassen“ herkommen. Mal sehen – vielleicht schaffen sie in Schliersee den Spagat zwischen den modernen Zeiten und der Bewahrung der Originalität des Ortes. Zu wünschen wäre es uns allen – auch den Zweiflern.


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