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Neues im Fall des untergetauchten Rottacher Anlagebetrügers

Wo sind die 43 Millionen von Daniel U.?

So schnell wie er als Rennfahrer war, so schnell tauchte er im Herbst vergangenen Jahres ab. Als Betreiber eines Schneeballsystems ergriff der Rottacher Daniel Uckermann die Flucht vor seinen unzähligen Gläubigern. Der Insolvenzverwalter, der sich nun erstmals äußert, fand kein „nennenswertes Vermögen“ mehr vor.

in diesem Haus lebte Daniel Uckermann bis zu seiner Flucht. Nun wird es renoviert.
in diesem Haus lebte Daniel Uckermann bis zu seiner Flucht. Nun wird es renoviert.

Es ist eine der besten Wohnlagen Rottach-Egerns, in der Daniel Uckermann mit seiner rumänischen Lebensgefährtin samt Kind auf großem Fuß lebte. Auch sein Fuhrpark inklusive Lamborghini, Maserati und Aston Martin ließ ihn als Millionär erscheinen. Bis zum Herbst sei er Mieter des Fünf-Zimmer-Hauses mit 200 Quadratmetern Wohnfläche gewesen. Aufgefallen sei aber, dass er öfter mal größere Partys gefeiert habe, sagt der Verwalter der Wohnung.

Dennoch sei Uckermann ein freundlicher Nachbar gewesen, dem man einen solchen Betrug nicht zugetraut hätte. Nach der Zwangsräumung der Wohnung wird diese nun renoviert und neu vermietet. Uckermann hatte das Haus im Herbst ausgeräumt und ist mit unbekanntem Ziel verzogen. Hinterlassen hat er auch hier Schulden, denn der Eigentümer, so dessen Verwalter, habe noch Forderungen gegen Uckermann, wie Tausende andere auch.

Über 3.000 Anleger geprellt

Gutgläubige Anleger lockte der schnelle Daniel – wie der 34-Jährige in Rennfahrerkreisen genannt wurde – mit märchenhaften Renditen auf ihre Einlagen, von bis zu 42 Prozent im Jahr. Ausgegeben hatte sich Uckermann 2011 als erfolgreicher Hedgefonds-Manager der Premium Safe Limited. Eingetrieben wurden die Gelder über die Firma Swiss Concept GmbH in Grünwald.

Auch deren Geschäftsführer protzte mit Nobelmarken, einem Ferrari, einem Bentley und einem Porsche Cayenne. Solche Lebensstile waren auf Kosten der Anleger leicht möglich, die man um Millionen prellte. War zunächst von einem Schaden von 100 Millionen Euro die Rede, so beziffert nun gegenüber der Tegernseer Stimme der Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt Oliver Schartl das „Gesamteinzahlungsvolumen“ auf 43 Millionen Euro.

Schartl wurde am 24. Februar vom Amtsgericht München zum Insolvenzverwalter bestellt. Ihm obliegt es nun, das Vermögen von Uckermanns Pleite-Firmen sicher zu stellen. Doch da ist offenbar nichts mehr da. „Nennenswertes Vermögen konnte bisher nicht ermittelt werden“, so Schartl, „da auch mehrere Millionen Euro als Provisionszahlungen an Anlagevermittler geflossen sind“. Laut Schartl „sollen rund 3.200 Anleger Hybridanleihen mit unbekanntem Volumen gezeichnet haben“.

Uckermann in Rumänien abgetaucht?

Über 100 Geschädigte vertritt der Münchner Anwalt Rudolf L. Müller. Seine Mandanten investierten zwischen 3.000 und 5.000 Euro in Uckermanns Schneeballsystem. Ein gutgläubiger Anleger habe ihm sogar seine ganze Altersversorgung von 200.000 Euro anvertraut, berichtet Müller:

Das ist bitter für den Mann. Doch der ist eine Ausnahme. Das Gros der Anleger blieb auf kleineren Beträgen sitzen.

Nach Kenntnisstand des Rechtsanwalts habe sich Uckermann nach Rumänien in die Heimat seiner Freundin abgesetzt, von deren Clan er dort geschützt werde. Der Bruder seiner Freundin sei auch nachweislich in den Fall verstrickt, „er wäre daher auch ein guter Zeuge in diesem Fall“, glaubt Müller.

Doch dessen Aufenthaltsort interessiere die Ermittler offenbar nicht, beklagt Müller. Er vermutet, dass die Schadenssumme zu gering sei, um die Ermittler auf die Spur zu bringen.

Rätselraten um den Haftbefehl

Auch Insolvenzverwalter Schartl „hat keine Kenntnis“, dass schon ein Haftbefehl erlassen wurde. Nachfragen bei der Staatsanwaltschaft München I bringen auch keine Aufklärung. Aus „rechtlichen Gründen“ könne man keine Auskunft „zu möglichen oder tatsächlichen Fahndungsmaßnahmen.geben“, so Pressesprecher Thomas Steinkraus-Koch gegenüber der Tegernseer Stimme.

Bestätigen will Steinkraus-Koch nur, „dass es seit 2014 ein Ermittlungsverfahren gegen den Beschuldigten Uckermann wegen des Verdachts der Untreue bzw. Betrugs unter anderem im Zusammenhang mit der Firma Power Recovery Systems GmbH und der Firma Premium Safe Ltd. gibt.” Diese Verfahren seien noch nicht abgeschlossen.

Die Power Recovery Systems GmbH mit Sitz in München, deren Geschäftsführer auch Uckermann war, ist wohl eine weitere Firma im Schneeballsystem, um Kundengelder zu verschleiern. So schnell dürfte der Fall allerdings nicht gelöst sein. Denn auch der Insolvenzverwalter glaubt nicht, dass mit „einem zeitnahen Ergebnis zu rechnen ist“.


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