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Wiesseer Kirchen sollen als Konzertsäle her halten

Wohin mit der „Musi“?

Der geplante Abriss des Jodbads im Januar stellt Bad Wiessee vor die Frage, wo künftig noch Kurkonzerte stattfinden können. Gesucht werden Ausweichquartiere.

blasmusik-wiessee

Manchmal manifestiert sich die Bedeutung eines Kurortes am Stellenwert des Kurorchesters. Waren es zu Zeiten des Komponisten Franz Grothe vor etwa 50 Jahren in Bad Wiessee noch ein ganzes Ensemble mit 30 und mehr Musikern, so schrumpfte deren Zahl vor Jahren schon auf elf. Einst investierte die Gemeinde noch etwa eine Million Mark in die Kurmusik, heute muss das ganzjährige Salonorchester mit bescheidenen 153.000 Euro auskommen, wie Kämmerer Franz Ströbel bestätigt.

Doch nun ist diese Existenz bedroht, da auch die letzte noch verbliebene Spielstätte abgerissen wird: das Jodbad samt Lesesaal. Er war die Ausweichmöglichkeit bei schlechtem Wetter, wenn das Musizieren am Promenaden-Pavillon unmöglich wurde. Den Lesesaal als Notlösung nutzten auch die Wiesseer Blaskapelle und der Spielmannszug. Das ist bald vorbei. Nun sucht Bürgermeister Peter Höß händeringend eine Ausweichmöglichkeit für seine Musiker.

Natürlich könnte man auch in den Gasthof zur Post gehen. Doch wenn das Chiemgauer Volkstheater mit einem Termin der Wiesseer Ensembles kollidiert, dann geht das nicht, weil es keine Ausweichmöglichkeit gibt.

Das erklärte Höß vor dem Wiesseer Gemeinderat am Donnerstagabend. Als Problemlösung hat Höß die Kirchen beider Konfessionen im Auge, St. Anton und die Friedenskirche. Mit den Geistlichen Wieland Steinmetz und Martin Voß habe er bereits gesprochen, „sie waren dem Thema sehr aufgeschlossen“. Es sei schließlich Kurseelsorge und „Musik ist etwas für die Seele“. Die Pfarrer könnten auch zu den Konzertbesuchern das ein oder andere geistliche Wort sprechen.

Medleys im Kirchenschiff

Die Kirchen kämen auch wegen der beiden Flügel der Gemeinde in Betracht. „Darunter ist ein wertvoller „Bösendorfer“, der in einem trockenen Raum untergebracht werden muss“, erklärte Geschäftsleiter Michael Herrmann auf Nachfrage. „In der katholischen Kirche St. Anton sieht es dafür ganz gut aus, in der evangelischen Friedenskirche, in der es enger zugeht, braucht es noch ein paar Überzeugungsgespräche“, hofft Höß. Beide Pfarrer hätten sich aber sehr kooperativ gezeigt, in dieser Phase auszuhelfen.

Georg Erlacher (CSU), selbst Mitglied der Blaskapelle, hatte Bedenken, ob diese Art von Musik in ein Gotteshaus passt. „Unsere Blaskapelle hat ein ganz hohes Niveau“, erwiderte der Rathauschef. „Die haben im Repertoire auch Musikstücke, die selbst in der Kirche möglich sind“. Tatsache ist, dass die Blaskapelle zu besonderen Anlässen Konzerte in der Himmelfahrtskirche gibt. Aber dies ist dann eben nicht Kur- und Marschmusik.

Dies ist die Friedenskirche in Bad Wiessee, als möglicher Konzertsaal
Auch die Friedenskirche in Bad Wiessee könnte als möglicher Konzertsaal dienen.

Eine grundsätzliche Frage wurde nicht angesprochen: Wie hält es die Gemeinde künftig mit der Musik? Wo sollen Saloncombo und Blaskapelle nach ihren Kirchenauftritten angesiedelt werden, können sie dort überhaupt die Gäste erreichen? Wenn alle Spielstätten dem Erdboden gleichgemacht sind und im neuen Badehaus nicht auch noch Platz für einen kleinen Konzertsaal ist, wäre es der „Supergau“, so Ströbel, wenn keine adäquate Spielmöglichkeit für die Musiker gefunden werde.

„Wo gehen die dann hin“, fragt sich nicht nur der Kämmerer. Die Ausweichmöglichkeit in die Kirchen dürfte nur eine befristete Notlösung sein. Als Dauerquartier für Unterhaltungsmusik eignen sie sich wohl weniger. Zudem ist auch nicht bekannt, dass sich die Kompositionen von Johann Sebastian Bach für einen Spielmannszug eignen.


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