Der Tegernsee in der Top 10 der teuersten Wohnadressen Deutschlands

Wohnen am See – ein unbezahlbarer Luxus?

Von Peter Posztos

Ergänzung vom 19. Juni / 12:58 Uhr
Jenseits der Städte weisen Immobilienmärkte massive Preisunterschiede auf. Während beispielsweise am Tegernsee Hauspreise von einer Million Euro keine große Ausnahme sind, können Besitzer in Schäplitz mit nicht einmal 40.000 Euro rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von ImmoScout24.

Damit treffen die Ergebnisse auch die jüngste Einschätzung der Luxusmakler von Engel & Völkers. Analysiert hatte die Immobilienplattform den Preis für ein Haus mit 140 m² Wohnfläche. Spitzenreiter ist dabei die Gemeinde Tegernsee, in der Verkäufer durchschnittlich 1,2 Millionen Euro veranschlagen. Das untere Ende der Preisskala findet sich derzeit in den neuen Bundesländern: Ein Haus gleicher Größe in der Gemeinde Schäplitz in Sachsen-Anhalt kostet rund 38.000 Euro. Das ist 32-mal weniger als in Tegernsee.

Die zehn teuersten Gemeinden im Überblick (Haus mit 140 qm Wohnfläche):
1. Tegernsee (1.200.000 Euro)
2. Wenningstedt-Braderup (1.000.000 Euro)
3. Pullach (975.000 Euro)
4. Grünwald (945.000 Euro)
5. Gräfelfing (885.000 Euro)
6. Kampen (860.000 Euro)
7. Sylt (810.000 Euro)
8. Spiekeroog (795.000 Euro)
9. Icking (790.000 Euro)
10. Rottach Egern (780.000 Euro)

Die zehn günstigsten Gemeinden im Überblick (Haus mit 140 qm Wohnfläche):
1. Schäplitz (38.000 Euro)
2. Pennewitz (45.000 Euro)
3. Schwobfeld (47.000 Euro)
4. Oberhain (50.000 Euro)
5. Bechstedt (52.000 Euro)
6. Straguth (52.000 Euro)
7. Witzleben (52.000 Euro)
8. Saxler (53.000 Euro)
9. Lichte (54.000 Euro)
10. Eßleben-Teutleben (55.000 Euro)

Für die aktuelle Analyse wurden über 2,5 Millionen Immobilienangebote ausgewertet. Um eine gewisse Vergleichbarkeit herzustellen, hat man dabei ein Durchschnittshaus mit einer Wohnfläche von 140 m² in durchschnittlicher Lage im Gemeindebereich berechnet.

Ursprünglicher Artikel vom 8. Juni:
Eine Immobilie im Tegernseer Tal ist in unseren Tagen nur schwerlich mit den Händen zu fassen, wenn auch oft zum Greifen nah. Nur entscheidungsfreudige Kunden, die quasi schon bei der Terminabsprache wissen, was sie wollen und dem Makler ins Ohr brüllen: „Das nehme ich! Sofort reservieren!“, haben eine Chance, das Haus oder Grundstück tatsächlich zu erwerben – so Alice in ihrer vorletzten Kolumne.

Wer dachte, diese Darstellung sei übertrieben, den wird eine aktuelle Analyse von Engel und Völkers interessieren. Darin belegen zwei Tal-Gemeinden Platz 9 und 10 im Ranking von Deutschlands teuersten Gemeinden

Preise in Euro für Quadratmeter umbauter Raum. Quelle: Engel und Völkers Juni 2012

Dass sich Rottach-Egern (bis zu 15.000 Euro pro Quadratmeter) und Gmund (bis zu 12.500 Euro) in den illustren Kreis so bekannter Gegenden wie Sylt, dem Starnberger See oder teuren Münchner Vierteln einreihen, sollte aber eher zu denken geben denn stolz machen. Gerade Sylt oder auch der Starnberger See zeigen, was passiert, wenn Immobilienspekulanten das Ruder übernehmen.

Mit Authentizität oder einem intakten Gemeindeleben ist es dann schnell vorbei. Wenn sich Zweitwohnung an Zweitdomizil reiht und die eigentlichen Einheimischen schon lange nicht mehr dort wohnen können, wo sie eigentlich herkommen, dann ändert sich die Struktur der Bewohner. Gut ist das, was dann dabei rauskommt, meistens nicht. Wer in seinem Feriendomizil nur noch ab und zu da ist, anstatt dort zu leben, wird in den meisten Fällen auch kein Bestandteil des Gemeindelebens. In den ruhigeren Zeiten, wie Herbst oder Winter, wirken die Orte dann oft wie verlassen.

Wie repräsentativ ist die Analyse?

Ob die Ergebnisse der Immobilienmakler tatsächlich eine repräsentative Preisentwicklung zeigen, ist dagegen ein wenig offen. Kai Ender, Vorstand bei Engel und Völkers, sagte zu Welt Online: „Wir haben uns bei unserer Analyse auf Ausnahmelagen und -immobilien konzentriert. Die dort erzielten Preise sind nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt oder für die Preisentwicklung anderer Wohnimmobilien in anderen Lagen.“

Das bedeutet, E&V verwendet einerseits nur die eigenen Ergebnisse, andererseits konzentriert sich das Maklerunternehmen auf hochwertige Lagen. Das zeigen auch die Kriterien, nach denen die Wohnstraßen bewertet wurden: So müssen die Wohnimmobilien mindestens 5.000 Euro je Quadratmeter kosten. Gleichzeitig muss im Laufe des letzten Jahres im genannten Gebiet mindestens eine Immobilie im Wert von mehr als zwei Millionen Euro verkauft worden sein.

Der Ausblick für „Spitzenlagen“, wie dem Tegernsee, ist dagegen klar. „In den kommenden Jahren werden die Preise in den bevorzugten Lagen in Deutschland voraussichtlich weiter steigen“, sagt zumindest Enders.

Die Gründe liegen darin, dass bevorzugte Lagen nicht duplizierbar sind. Damit sind sie gleichzeitig sehr wertbeständig. Auf der anderen Seite werde der deutsche Markt immer mehr auch von ausländischen Anlegern entdeckt.

Gute Aussichten also für Spekulanten. Schlechte dagegen für den Tegernsee.


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