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Politiker und Einsatzkräfte äußern sich zu Zugunglück

“Das ist der Worst case”

Stunden nach dem Zugunglück in Bad Aibling ist weiter unklar, warum die beiden Nahverkehrszüge mit insgesamt 150 Fahrgästen zwischen Kolbermoor und Bad Aibling ungebremst aufeinanderprallten. Das Sicherheitssystem auf der Strecke wurde kürzlich erst überprüft. An Spekulationen über die Ursachen wollten sich auf der Pressekonferenz weder Verkehrsminister Alexander Dobrindt noch Bayerns Innenminister Herrmann beteiligen.

Ausnahmezustand an den Schienen: Rund 400 Rettungskräfte waren heute im Einsatz. / Foto: Sven Hoppe (dpa)
Ausnahmezustand an den Schienen: Rund 400 Rettungskräfte waren heute im Einsatz. / Foto: Sven Hoppe (dpa)

Auf der heutigen Pressekonferenz wurden bei Bayerns Innenminister Herrmann Erinnerungen an ein anderes Zugunglück aus seiner Jugend wach, als ihn die Nachricht in den Morgenstunden erreichte: „Ich dachte sofort an das schreckliche Unglück 1975 in Warngau, damals mit 40 Toten. Auch mit dieser besonderen Konstellation, dass zwei Personenzüge auf einer eingleisigen Strecke frontal mit hoher Geschwindigkeit ineinander gerast sind.”

Bei dem heutigen Zugunglück, bei dem zwei Meridian-Züge kollidierten, mussten zehn Menschen ihr Leben lassen, 18 Personen wurden schwer und 90 leicht verletzt. Über Jahrzehnte hinweg sei sehr viel in die technische Ausstattung der Schienennetze investiert worden. Sicherungssysteme wurden geschaffen, so Herrmann weiter.

Ich war bislang der festen Überzeugung, dass so etwas wie in Warngau nie wieder passieren würde. Dass es sich heute trotz dieser technischen Möglichkeiten wieder ereignete, dass zwei Züge auf der gleichen Strecke unterwegs sind, ist umso tragischer.

Ein Rettungssanitäter erzählte der Tegernseer Stimme: „Die Rettung war wegen der fehlenden Zufahrtsmöglichkeiten sehr schwierig, da die Unfallstelle direkt an der Mangfall zwischen Kolbermoor und Bad Aibling liegt.”

Die Hilfskräfte konnten mit ihren schweren Geräten kaum an die Uferböschung. Dies hätte alles sehr erschwert. “Wir hatten an dem Fluss auch keinen Bereitstellungsraum für unsere Fahrzeuge. Alle Rettungsmittel wie Verbandskästen mussten zu Fuß zum Einsatzort gebracht werden”, so der Rettungsassistent weiter.

Schwierige Rettung

„Der erste Notarzt aus Bad Aibling war fünf Minuten nach dem Alarm am Unglücksort“, erläutert Dr. Michael Bracht als Notarzteinsatzleiter, „über Alarmketten werden entsprechende Einsatzkräfte in Bewegung gesetzt. Anfangs war die Situation für uns unklar. Aber wir gehen in solchen Fällen eines Zugunglücks immer vom „worst case“, vom schlimmsten Fall aus, von sehr vielen Schwerstverletzten.

Die Bergung der Opfer erwies sich als schwierig. Rettungskräfte mussten auch mit Booten anrücken. /Foto: Thomas Gaulke
Die Bergung der Opfer erwies sich als schwierig. Rettungskräfte mussten auch mit Booten anrücken. /Foto: Thomas Gaulke

Bracht musste unterdessen den Einsatz von über medizinischen 200 Rettungskräften führen. Die Kräfte vor Ort würden dann berichten, wie viele Verletzte es am Unfallort gebe. “Hier muss ich dann die Logistik planen, wie viele Einsatzfahrzeuge, Ärzte und welche Krankenhäuser gebraucht werden. Dies hat heute reibungslos funktioniert.”

Schnelle Erstversorgung war erfolgreich

Zehn Schwerstverletzte hat man umgehend in die Schwerpunkt-Traumazentren gebracht. Acht Opfer seien mittelschwer verletzt, meint Bracht. “Die Schwerverletzten wurden mit Hubschraubern und Seilwinden geborgen und in die Krankenhäuser im ganzen Landkreis, nach Agatharied, München und Murnau verteilt.”

Außerdem betont er die große Kooperation der Kliniken, die nach dem Alarmanruf geplante Operationen unterließen um für die Notfälle gerüstet zu sein. So konnte eine schnelle Erstversorgung gewährleistet werden. Von Vorteil für die Rettung waren sowohl das Wetter als auch die günstige Uhrzeit, denn viele Retter konnten noch Zuhause erreicht werden.

Während Bracht das Gespräch mit der Tegernseer Stimme führt, erreicht ihn die Meldung von einem Brand in einem Altenheim. Er bricht das Gespräch mit der Tegernseer Stimme ab und eilt zu seinem Einsatzfahrzeug. Nach aktuellen Informationen der Polizei Oberbayern Süd wird nur noch eine Person vermisst. Die Auswertung der beiden sichergestellten Black Boxen kann Tage, sogar Wochen dauern, heißt es weiter. Derzeit ermittelt die Kriminalpolizei Rosenheim weiter.


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