Aber (über)lebenswichtig - auch im Tal!

Zahlen sind kein Hexenwerk

Jeden Tag gibt es neue Corona-Zahlen aus dem Landratsamt in Miesbach. Wir berichten pflichtbewusst darüber. Auf einer Karte sieht man dann, wie viele Corona-Infizierte in den jeweiligen Orten des Kreises bisher erfasst wurden. Aber was sagt das aus? Und was hilft uns das in der Beurteilung der politischen Maßnahmen?

Schwirrt der Kopf vor lauter “Zahlensalat”? Trotzdem sollte man das Denken nicht den anderen überlassen. / Quelle: pixabay.de

Wir alle verlassen uns ein wenig naiv auf „die da oben“. Dabei ist es hilfreich, die Dinge einmal genau zu analysieren und einzuordnen. Denn das könnte im besten Fall auch diese unbestimmte Angst, die viele von uns nun spüren, eindämmen.

Wir haben uns und das Landratsamt gefragt: Warum sind in vier Gemeinden des Landkreises – Gmund, Bad Wiessee, Fischbachau und Bayrischzell – die Infiziertenzahlen besonders hoch?

Sophie-Marie Stadler, Pressesprecherin des Landratsamtes Miesbach: „Warum ausgerechnet diese vier Gemeinden aktuell mehr betroffen sind als andere, kann ich Ihnen nicht erklären. Wir gehen davon aus, dass das eher Zufall ist und die Statistik dadurch “verfälscht” wird, dass in diesen Gemeinden manche größeren Haushalte komplett betroffen sind. Das kann sich aber täglich ändern.“

Das reine Betrachten von Zahlenentwicklungen hilft also nicht unbedingt weiter. Zumal die Infektionsrate allein nicht entscheidend ist. Relevanter sind zwei Faktoren: Wie viele der Infizierten benötigen die Hilfe durch unser Gesundheitssystem? Und wie hoch ist die Rate der Corona-Infizierten, die durch Corona sterben? Dass die vorliegenden Zahlen nur bedingt aussagekräftig sind, bekennt auch Stadler:

Es handelt sich (… bei den von uns bekanntgegebenen) … um die Zahl der positiv Getesteten seit Ausbruch. Diese Zahl kann also nur steigen. Aussagekräftiger wäre die Zahl der aktiven Fälle nach Gemeinden (also die Zahl der positiv Getesteten abzüglich der Zahl der Genesenen).“ Und weiter: „Aussagekräftiger wäre also die Zahl der aktiven Fälle je Gemeinde, die die Zahl der positiv Getestete minus der Gesundeten enthält.

Es reicht also nicht nur, eine Zahl zu betrachten. Sie muss in einen Zusammenhang gesetzt werden. Speziell eine Gemeinde im Tal fiel zu Beginn gleich mit hohen Zahlen auf.

Sophie-Marie Stadler: „Gmund war beispielsweise eine der ersten Gemeinden mit positiven Befunden. Diese Personen sind aber schon wieder gesundet und aus der Quarantäne entlassen. Leider kann das Gesundheitsamt derzeit die Zahl der aktiven Fälle nach Gemeinde nicht veröffentlichen, da alle Mitarbeiter sehr, sehr stark durch das Kontaktpersonenmanagement eingespannt sind. Wir hoffen aber sehr, dass die von der Staatsregierung versprochene personelle Unterstützung bald in Miesbach ankommt und wir dann wieder Kapazitäten haben, die Zahlen detaillierter zu veröffentlichen.“

Das ist aber eine Grundvoraussetzung, um die Gefährdung genauer einzuschätzen. Die Staatsregierung tut das, was eine vernünftige Exekutive machen sollte in diesen Zeiten: Sie entscheidet nach der aktuellen Lage, und präpariert sich für die schlechtesten Situationen. Politiker müssen, trotz unvollständiger Informationslage, für einige von uns existenzielle Entscheidungen treffen. Sie müssen zudem im Hinterkopf immer die Option haben, Entscheidungen wieder rückgängig machen zu können und dafür medial nicht „hingerichtet“ zu werden.

Denken nicht den anderen überlassen

Jede Maßnahme, ob Schließung eines Restaurants oder die Erlaubnis, Handwerker in einem Neubau zusammen Strippen legen zu lassen, muss nicht sofort hinterfragt werden, sollte aber nach einiger Zeit wieder überprüft werden. Maßnahmen sind kein Selbstzweck, sie gehorchen Empfehlungen diverser Experten, die diese aber (siehe oben) auch nur auf recht schmalen Datenwerken entwickeln.

Weniger Kontakt, das ist wohl für den Dümmsten klar, bedeutet weniger Risiko. Ebenso der Verzicht von Reisen in Regionen mit sowieso belasteten Infrastrukturen. Münchner im Oberland? Nein, das wäre dämlich – jetzt. Aber: Bleiben wir wachsam. Erste Lehre in dieser Krise: Einfach nur so vor sich hinleben, das funktioniert nicht. Wir müssen uns informieren, verstehen, nachfragen und wieder korrigieren. Das Denken dürfen wir nicht anderen überlassen.

Kleiner Tipp zum Schluss: In diesen Zeiten empfiehlt es sich sehr, in seinem Freundeskreis mathematisch gebildete Menschen zu befragen. Ohne Kenntnisse der Statistik, der Algebra sind viele Diagramme und Zahlen für den Normalsterblichen nicht zu verstehen. Wir müssen aber diese Zahlen verstehen. Es geht um unser Leben. Da kann man von jedem ein wenig Bildungsnachhilfe erwarten.

Gemüsehändler, die frisches Obst nach Hause liefern, Restaurants, die Tagesgerichte durch offene Fenster verkaufen: Unternehmen im Oberland werden erfinderisch im Überlebenskampf gegen die Corona-Krise. Nur müssen die Menschen im Tegernseer Tal und darüberhinaus auch von diesem Erfindungsreichtum erfahren.

Um diese über den ganzen Landkreise verteilten Angebote übersichtlich zu bündeln, hat die TS eine Karte entwickelt: “das Tegernseer Tal schafft's” vernetzt kleine Unternehmer mit ihren Kunden. Wenn Sie, gegen einen Unkostenbeitrag, mit in der Karte und auf der Tegernseer Stimme aufgenommen werden möchten, melden Sie sich direkt bei uns.

Martina von Dall`Armi E-Mail martina@tegernseerstimme.de Tel 08022 / 509 21 20

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