Kolumne: Alice im Oberland

Zefix! Frühjahrsputz: Alles muss weiter …!

Von Toni

Zefix! Da habe ich doch vor ein paar Tagen, einen großformatigen, als Ringbuch gebundenen, mit ansprechenden Buildn aufgemachten und auf schönem Papier gedruckten Kalender 2012 zugeschickt bekommen. Ohne Aufforderung.

Da hat wohl jemand Frühjahrsputz gemacht. Gründlich alles, was nicht mehr brauchbar ist, herausgeschmissen. In diesem Fall in einen Din-A4 Briefumschlag gesteckt, meine Adresse drauf geschrieben und fortgeschickt.

Frankiert ist der Kalender mit einer Frankiermaschine. Es ist anzunehmen, dass noch mehr Kunden des bekannten Zeitungsverlages, bei dem der Kalender erschienen und nun nicht mehr zu gebrauchen ist – denn wer hat nicht schon längst seinen Jahreskalender 2012 voller Termine – einen solchen bekommen haben. Ohne Anschreiben.

Nichts zu sagen, ist auch eine Art etwas mitzuteilen. Es könnte heißen: Wir wissen, dass wir nutzlose Dinge versenden. Jedes Anschreiben von wegen Dankeschön für langes Abonnement wäre sofort als Heuchelei entlarvt. Dann lieber versenden ohne auch nur ein Wort mit auf den Weg zu geben.

„Du Sack voi Hirschgeweih“

Andererseits, Worte stehen im Kalender genug. „Zefix“ zum Beispiel, und zwar mit Ausrufezeichen. Zefix ist ein Bayrisches Schimpfwort, ebenso wie „laare Hosn“, „Zwidawuazn“, „Hanswurscht“, „Kasperlkopf“, „Draamhappada“, „Kletznbeni“, „Dreckhamme“, „Ohabiger“, „Kuttnbrunzer“, „Britschn“, „Gschingada“, „Breznsoiza“, „Gschnappige Gredl“, „Radschkatl“, „Loamsiada“, „Wadlbeissa“, „Grattler“, „Flaschlbutza“, „Krampfhenna“, „Tschamsdara“, „Nudldrugga“, „Mistviech“, „Sack voi Hirschgeweih“, „Krischperl“, „Zelten“.

All diese Ausdrücke in diesem Kalender mit entsprechender Typisierung, meint welcher Typ von Mensch oder Bayer sich hinter diesen Schimpfworten verbirgt und in welchen Situationen man diese einsetzen kann.

Es ist schon eindrucksvoll all diese Bezeichnungen auf einmal zu lesen. Was für ein Volk und was für außerordentliche Persönlichkeiten sind die Bajuwaren doch. Markant. Gerade heraus. Kreativ. Derb und liebevoll. Kurz, voller tiefgründigem Humor selbst wenn es ums Fluchen und Schimpfen geht.

Saudammischer Wadlbeissa aus Hamburg-Altona

Mag sein, dass ein Zugereister angesichts der unendlichen Vielfalt von Schimpfwörtern mit denen man ungestraft sagen kann, was man schon immer mal jemanden unverblümt ins Gesicht sagen wollte, neidisch wird.

Vielleicht hat er gerade den saudammischen Wadlbeissa in seinem lokalen Sportverein in Hamburg Altona vor Augen, dem er in gepflegtem Hochdeutsch nicht sagen kann, dass er, weil vielleicht klein von Wuchs, größere Gegner immerzu bissig und gemein attackieren muss. Sowas kann man nur auf Boarisch sagen.

Ein Grund sicher, weshalb sich so manch einer, der jenseits der Weißwurstgrenze lebt, sehr gern des großen bayrischen Schimpfwortschatzes bedient. Vielleicht sollten Kommunikationstrainer den bayerischen Schimpfwortschatz in ihr Repertoire aufnehmen. Trainieren die nicht, dass man unangenehme Wahrheiten am besten in Humor verpackt? So kann man ungestraft seiner drallen Nachbarin aus Berlin, die nach einer Frühjahrsdiät plötzlich als „Sack voi Hirschgeweih“ vor einem steht, also aus Haut und Knochen bestehend, dies auch sagen. Sie versteht es sowieso nicht.

Selbst wenn, weil Bayer oder des Bayerischen mächtig, ist es keinesfalls schlimm, Schimpfwörter in den alltäglichen Sprachgebrauch aufzunehmen, wie: „Kimm her, Flaschlbutza, gehma ins Bräustüberl!“ Da kann die Antwort doch bestenfalls lauten: „Klar, gehma!“

Keine Kalender mehr auf Lager

Wer wissen möchte, was eine oder ein „Nudldrugga“, „Loamsiada“ und andere Ausdrücke bezeichnen, der könnte dies nachlesen im „Bayrischen Fluch- und Schimpfkalender 2012“ der Süddeutschen Zeitung Edition, falls die nicht dem Frühjahrsputz zum Opfer gefallen wäre.

Da nützt offensichtlich kein Stöbern im Recyclinghof oder an ähnlichen Orten. Der Bayerische Fluch- und Schmipfkalender 2012 ist elegant als Postsendung an ausgewählte Haushalte entsorgt.


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