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Bundestagswahl 2017: Porträts der Direktkandidaten

Zieht die FDP mit Fritz Haugg in den Bundestag?

Nach aktuellen Politbarometern würde die FDP nach vier Jahren Abstinenz wieder im Bundestag sitzen. Derzeit bringen es die Liberalen auf neun Prozent. Doch reicht dies für Fritz Haugg, den Direktkandidaten des Wahlkreises 223?

FDP-Direktkandidat Fritz Haugg hat eine liberale Einstellung – er befürwortet die “Ehe für alle”.

Wenn die FDP auch bundesweit im Aufwind ist, so spürte man davon gestern in Tegernsee wenig. Nur etwa 20 Interessierte folgten am Abend der Einladung ins Wirtshaus Schießstätte. Der FDP-Kreisverband Miesbach hatte zur Diskussion über den „gläsernen Bürger“ geladen.

Neben Ex-FDP-Staatsminister Martin Zeil und der Kreisvorsitzenden Ursula Lex sollte vor allem Direktkandidat Haugg seine Schwerpunkte des Wahlprogramms benennen. Er sieht vor allem die Bürgerrechte in Gefahr. Nicht nur in der Türkei und den USA durch Trump, auch in Deutschland.

Als ein Beispiel nannte der Liberale „die drohende Abschaffung des Bargeldes“. Denn für ihn sei Bares die „gedruckte Freiheit“. Ohne Scheine werde man „total gläsern“ wie bei der Stasi. „Jede Kontobewegung wird überwacht“, befürchtet Haugg.

Wie sollen Kinder lernen mit Geld umzugehen, wenn sie nicht das praktische Gefühl von Geld haben. Dies bereite ihm genauso sorgen, wie die „Abschaffung des Bankgeheimnisses“. Deshalb fordere die FDP wieder die Stärkung der „Bürgerrechte“. Diese seien jedoch vom Staat häufig unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung „unverhältnismäßig stark eingeschränkt“ worden, postuliert FDP-Chef Cristian Lindner in einem ausgelegten Flyer.

„Neu Denken“ mit alten Themen

Bislang konnte Haugg vor allem Erfahrung in der Kommunalpolitik sammeln. Seit über 15 Jahren ist er Fraktionssprecher im Gemeinderat von Planegg. Da geht es mehr um Kleinklein, wie den Bauhof oder Fahrradständer, aber auch um Großprojekte. Den großen Sprung in die Bundespolitik, den der 47-jährige Diplom-Volkswirt anstrebt, macht er aus einer wenig verheißungsvollen Position.

Bei der Nominierung landete Haugg auf Platz 18 der Landesliste. Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Dies gilt auch für das Mitglied des Landes- und Bezirksvorstandes der FDP. Unverdrossen wirbt Haugg vor allem für die guten alten FDP-Themen: die Unterstützung des Mittelstandes, die Soziale Marktwirtschaft, natürlich, wie derzeit alle Wahlkämpfer, eine gute Bildung, die Abschaffung des Soli, den Bürokratieabbau und ein schnelles Internet.

Er fordert den „zügigen Ausbau beim Breitband“, denn die moderne Kommunikation sei vor allem für den ländlichen Raum wichtig. Weiter spricht sich Haugg für den Neubau von Wohnungen und die Wiedereinführung der Förderung des selbstgenutzten Eigenheims aus. „Die Mietpreisbremse hat versagt.“

FDP gegen Grenzkontrollen

Beim Thema Flüchtlinge will der Links-Liberale ein modernes Einwanderungsgesetz. Denn „wer hilfesuchend zu uns kommt und sich integrieren will, soll auch eine faire Chance haben“ so Hauggs Credo. Ihn würden vor allem die Spontan-Abschiebungen von Arbeitskräften und Auszubildenden in vermeintlich sichere Länder wie Afghanistan ärgern. Schließlich kenne das Asylrecht keine Obergrenze. Doch die Schengen-Grenzen, wie beispielsweise nach Österreich, will der FDP-Wahlkämpfer wieder geöffnet sehen, damit der freie Verkehr von Personen und Waren die Freiheit des vereinten Europas nicht gefährde.

Statt Grenzkontrollen halte er die Schleierfahndungen im Inland für erfolgreicher. Hier vertritt inzwischen selbst Bundeskanzlerin Merkel einen anderen Kurs. Sie will die Grenzkontrollen in der EU beibehalten. Aufhorchen ließ der ledige Unternehmer Haugg jüngst, als er sich bei einer Podiumsdiskussion in Bad Tölz zur Ehe für alle aussprach. Diese Feststellung sei ihm wichtig, „da die Ehe für alle meinem liberalen Weltbild entspricht“. In Tegernsee war dies für ihn kein Thema.

Vielleicht lag es auch der Generation, die ihm zuhörte. Die wenigen, die gekommen waren, dürften fast ausnahmslos im Rentneralter gewesen sein. Bissig meinte eine Zuhörerin: „Ich dachte, es wäre voller hier. Wenn das kein schlechtes Omen für den Kandidaten ist“.

Zu dieser Reihe

Den Meinungsumfragen zufolge haben sechs Parteien berechtigte Chancen nach der Wahl am 24. September in den Bundestag einzuziehen. Die Tegernseer Stimme stellt deren Direktkandidaten für den Wahlkreis 223 Bad Tölz- Wolfratshausen/Miesbach in einer täglichen Folge vor.

Diese Kandidaten wurden schon vorgestellt:

Karl Bär (Grüne)
Hannes Gräbner (SPD)
Andreas Wagner (Die “Linke”)


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