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TS-Reihe: Starke Frauen am Tegernsee

Zu Martini gibt’s Martini

Bei uns im Tal leben nicht nur Promis, sondern auch Persönlichkeiten, die alle für sich Großes oder Außergewöhnliches im Leben geleistet haben. Wir haben uns mit einigen Frauen getroffen. Den Start für unsere Serie „Starke Frauen am Tegernsee“ gibt Klaudia Martini.

Klaudia Martini im TS-Interview

Klaudia Martini – Juristin, Managerin, Politikerin. Seit 2008 sitzt die 68-Jährige nun für die SPD im Wiesseer Gemeinderat. Wir haben mit ihr über ihre Karriere in einer meist von Männern dominierten Branche gesprochen, wie sie mit Skeptikern umgeht und was sie besonders am Tegernseer Tal liebt.

Frau Martini, erzählen Sie mal: Woher kommen Sie und was hat Sie an den Tegernsee gezogen?

Klaudia Martini: Ich bin gebürtige Bayerin und habe in Heidelberg und München studiert. Beruflich sind mein Mann und ich sehr viele Jahre gependelt und dann mit 50 wollten wir auf Dauer sesshaft werden.

Verwaltungsrichterin, Kommunalpolitikerin, Abgeordnete und Ministerin, Ihr Leben war ganz schön bewegt.

Martini: Nach dem zweiten Staatsexamen begann ich als Richterin am Verwaltungsgericht in Augsburg. Später kamen dann Stationen als Abteilungsleiterin am Landratsamt Neu-Ulm, als Landesanwältin am Verwaltungsgericht in München und dann wieder als Richterin am Verwaltungsgericht in München hinzu. Während dieser Jahre begann mein kommunalpolitisches Engagement. Ich kandidierte zweimal für das Amt der Oberbürgermeisterin in Neu-Ulm. Beim zweiten Mal hätte es fast geklappt, ich war Stadt- und Kreisrätin für die SPD. Danach im Jahre 1986 folgte der Wechsel als Abgeordnete in den Bayerischen Landtag, dem ich bis 1991 angehörte. Ich war Berufspolitikerin geworden, mit eigenem Stimmkreis und einem Bürgerbüro.

Die Anliegen der Menschen, Hilfe zu leisten und Impulse zu setzen, waren nun meine Aufgaben.

In diese Zeit fällt mein Antrag im Bayerischen Landtag, in Neu-Ulm eine länderübergreifende Fachhochschule zu errichten. Anfangs von der CSU noch abgelehnt ist Neu-Ulm heute Hochschulstadt. Als Sozialdemokratin hatte man es auch damals nicht leicht in Bayern, leider ist das bis heute nicht einfacher geworden. Meine Tage waren lang, da ich gependelt bin. Morgens um 6 Uhr aus dem Haus und abends spät zurück, das war keine Seltenheit.

Und dann kam der Sprung in die Spitze der Landespolitik…

Martini: Rudolf Scharping, damals SPD-Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz, fragte an, ob ich in sein Schattenkabinett kommen wolle. Ich sagte zu, obwohl es ein Einsatz mit ungewissem Ausgang war. Aber das Ressort Umweltpolitik reizte mich sehr, da ich diese Aufgabe kannte und für sehr wichtig hielt. Ich war dann ab 1991 mit großer Freude über zehn Jahre lang Staatsministerin für Umwelt und Forsten in Rheinland-Pfalz.

Was waren ihre wichtigste Aufgaben?

Martini: Beispielsweise der Hochwasserschutz am Rhein, die Stilllegung des Kernkraftwerks Mühlheim-Kärlich, dessen Kühlturm erst kürzlich gesprengt wurde, und die gesamte Problematik der Abfallentsorgung. Auch der Beginn des Umbaus unserer Wälder begann in diesen Jahren, weg von Monokulturen hin zum Mischwald. So habe ich bei heutigen Debatten oft ein Déja-vu-Erlebnis. Insbesondere das Thema Nachhaltigkeit war Mittelpunkt der Politik – war ich doch 1991 bei der Konferenz in Rio Mitglied der Deutschen Delegation unter Klaus Töpfer.

Und wie kamen Sie dann in den Vorstand eines Automobilherstellers?

Martini: Ein Headhunter sprach mich an. Opel suchte damals ein Vorstandsmitglied für den Bereich Nachhaltigkeit und Umwelt. Das reizte mich, Erfahrungen aus der Politik in die Wirtschaft zu übernehmen. Viel zu wenig geschieht dieser Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft, und umgekehrt. Wieder war Pendeln angesagt, 1000 Kilometer am Wochenende von Rüsselsheim nach Bad Wiessee. Nach dem Ende meines Vertrags bin ich als Rechtsanwältin in eine Großkanzlei in München gewechselt. Mittlerweile bin ich im Ruhestand.

Wenn Sie Ihre jetzige ehrenamtliche Tätigkeit mit Ihrer Arbeit davor vergleichen: Gibt es Parallelen? Wovon profitieren Sie?

Martini: Mit diesem beruflichen Werdegang werde ich als Frau oft mit Skepsis betrachtet.
Sicher geht mir manches auch zu langsam und ich muss mich zurücknehmen in einem Kollegialgremium. Auch benötigt man in der Kommunalpolitik immer auch die Akzeptanz in der Bevölkerung, da heißt es aufklären und überzeugen.

Meine Erfahrung aus der Kommunalpolitik von früher und mein Verständnis vom Ablauf in Wirtschaft und Politik sind ein großer Erfahrungsschatz, den ich sicherlich zum Wohle der Gemeinde einsetzten kann. Dies ist jedenfalls meine Absicht. Politische Mitbewerber sehen das sicher nicht immer so. Nachhaltigkeit im Gestalten ist noch immer das Wichtigste, vielleicht waren die neunziger Jahre einfach noch nicht reif für diese Ideen, wenn ich heute an die Klimadebatten denke…

Ist es für Frauen im Gemeinderat schwierig?

Martini: Darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Ich will Frauen ermuntern, sich einzumischen und sich nicht damit aufzuhalten, zu überlegen, ob es schwierig wird oder nicht. Die Zusammenarbeit mit den meisten Kollegen und Kolleginnen ist angenehm, wir wollen den Ort voranbringen. Aber manchmal schüttle ich schon den Kopf, beim Ein- oder Anderen scheint es eine Hemmschwelle zu geben einer Frau – noch dazu aus der SPD – Anerkennung zu zollen.

Was raten Sie Frauen? Wie hat “Frau” Erfolg?

Martini:Es gibt kein Patentrezept, aber wichtig ist, beharrlich zu bleiben, seine Aufgaben gut und engagiert zu machen, sich nicht unterbuttern lassen und vor allem nicht darüber klagen, dass man benachteiligt werde. Mit sachlichen Argumenten dafür kämpfen, dass es nicht so bleibt. In der Wirtschaft habe ich Benachteiligung erfahren, als einzige Frau in einem Vorstand der Automobilindustrie, die sehr männlich geprägt ist.

Zurück zum Tegernsee. Was gefällt Ihnen hier und was nicht?

Martini:Der Tegernsee hat eine wunderbare Landschaft, Wasser, Berge, Wald. Die Menschen sind freundlich und zugewandt. Wir haben uns hier nie fremd gefühlt, sondern sehr schnell zuhause. Die Natur und die Kultur hier im Tal ist ein sehr großer Schatz, mit dem wir behutsam umgehen müssen. Als nicht hier Geborene habe ich da vielleicht manchmal einen anderen Blickwinkel. Was mir hier nicht gefällt? Wenig.

Aber die Bedrohung des Tals durch das viele Geld, ist meine größte Sorge. Alles ist heute käuflich und wird auch ausverkauft.

Doch was machen wir, wenn Vermögende private Wälder aufkaufen oder Gaststätten, um sie dann zu schließen. Stellen Sie sich vor, jemand kauft die Aueralm und macht sie dicht. Die Allgemeinheit und die Gemeinden haben zu wenig Möglichkeiten, dies zu verhindern, auch ist es so im Baurecht. Das Verkehrsproblem ist ein weiterer Negativposten. Aber dies wird schwierig zu lösen sein. Mein Fazit: Freuen wir uns an unserer Heimat und sehen nicht immer nur das Verbesserungswürdige.

Und wie geht es für Sie politisch weiter? Kandidieren Sie im nächsten Jahr?

Martini: Ich werde wieder für den Gemeinderat und den Kreistag kandidieren. Ich gehöre ja seit 2008 dem Gemeinderat in Bad Wiessee an.

Frau Martini, vielen Dank für das Gespräch.

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