Immer wenn die Tal-Gemeinde denkt, das sei es nun mit dem illegalen Bauen rund um Bauer in der Au und die Saurüsselalm gewesen, kommt ein neues diskutables Bauwerk um die Ecke.
Heute Abend um 19:00 Uhr beschäftigt sich der Bauausschuss der Gemeinde Bad Wiessee wieder einmal mit der Genehmigung eines Bauwerks des Freisinger Betonproduzenten Franz Josef Haslberger. Behandelt wird die Genehmigung einer Furt über den Söllbach. Die Besonderheit ist, oder sagen wir das inzwischen Normale, wie wir alle im Umgang mit dem Großgrundbesitzer lernen mussten: Es gibt bereits Fotos von Juni 2022, die eine ausgebaute Bach-Querung zeigen – eben eine Furt.
So wie auch bei dem nicht genehmigten Ziegenstall, der Beleuchtungsanlage, der überdimensionierten Markise oder auch dem Tanzboden oben auf der Saurüsselalm, handelt es sich hier wohl um einen Schwarzbau. Es darf Haslberger daher kaum verwundern, dass bereits das Auftauchen des Namens “Saurüsselalm” im Kontext der Formulierung “Genehmigung” auf der Tagesordnung zu hektischen Aktivitäten in den Medienredaktionen der Region führt. Besonders, wenn schon Bildmaterial vom zu genehmigenden Objekt vorliegen, wie in den meisten Fällen zuvor.
Wasserrecht; Antrag zur Errichtung einer befestigten Furt über den Söllbach auf Flurstück 571/1 und 574 nahe Söllbachaualm (“Saurüsselalm”)
Tagesordnung “öffentlicher Teil” des Bau-, Umwelt- und Landschaftsschutzausschusses Bad Wiessee
Wie immer gestaltet es sich schwierig im Vorfeld einer Sitzung Informationen über einzelne Tagesordnungspunkte zu erhalten. So auch in diesem Fall. Die Nachfrage bei Bürgermeister Robert Kühn (SPD) brachte keine neuen Erkenntnisse. Kühn verwies auf das Landratsamt für weitere Informationen. “Das Landratsamt, Fachbereich Wasserrecht, hat uns um Stellungnahme gebeten.” Immerhin diesen Hintergrund erläuterte der Bürgermeister.
Der schnellste Weg von A nach B – na klar
Zum Hintergrund: Im Jahr 2006 stellte Haslberger einen Antrag – für den Bau einer Wirtschaftswegbrücke. Dieser Antrag wurde 2020 zum fünften Mal verlängert. Wie Anton Bammer, Bauamtsleiter in Bad Wiessee, im Sommer 2021 der lokalen Zeitung gegenüber ausführte, laufe die erneute Verlängerung im Oktober 2022 ab. Ergo: Der Antrag ist aktuell abgelaufen. Bisher wurde die Brücke allerdings nicht fertiggestellt. Die Fundamente sind auf den Artikelbildern deutlich zu erkennen. Ebenso die Furt, zu deren Baugenehmigung die Gemeinde heute Stellung beziehen soll.
Warum es für Haselberger so wichtig ist, die Möglichkeit einer Querung des Söllbachs an dieser Stelle zu haben, wird bei dem Blick auf die Karte deutlich. Es ist der kürzeste Weg von seiner Saurüsselalm zum Bauer in der Au. Auf alten Karten und auch Erzählungen zufolge hat es in früheren Jahren wohl einen Steig zwischen der einsamen Alm und dem großen Bauerngehöft gegeben. Allerdings nur für das Fußvolk wie Bauern und Vieh. Die Frage, wann aus dem Steig ein für Fahrzeuge passierbarer Weg wurde, war bereits Bestandteil des Verfahrens zur Saurüsselalm.
Selbst Mitglieder des Vereins zum Schutz der Bergwelt und der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal, die gegen den Großgrundbesitzer vor Gericht stehen, üben im Vorfeld der Sitzung im Wiesseer Bauausschuss Zurückhaltung.
Ich bin sehr gespannt auf die heutige Sitzung. Die ausgebaute Furt neben dem Brückenfundament habe ich schon im Sommer 2021 entdeckt. Den aktuellen Sachstand kenne ich nicht. Fritz Joachim
Wie auch Joachim ausführt, sei es nicht einfach bei den hiesigen Behörden Informationen über die Vorgänge im Almenland hoch über dem westlichen Teil des Tegernseer Tals zu erhalten. Daher sind auch wir sehr gespannt, was es mit dem Tagesordnungspunkt 2 auf der heutigen Sitzung auf sich hat. Wir werden morgen berichten.
SOCIAL MEDIA SEITEN