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Flüchtlingsunterkünfte im Landkreis Miesbach

Alternative Holzhaus?

Von Franziska Hampel

Die Unterbringung der Asylbewerber beschäftigt zur Zeit den Landkreis und die Gemeinden. Bisher setzt der Landkreis Miesbach auf Container und Traglufthallen. In anderen Gemeinden wird mittlerweile mit Holz gearbeitet. Was ist der Vorteil des Materials und kommen sie für den Landkreis Miesbach in Frage?

Foto: Zolleis / Gumpp & Maier
Bei der Wohnanlage in Königsbrunn wurde auf Holzbauten gesetzt. Foto: Zolleis / Gumpp & Maier

Der Landkreis Miesbach sucht händeringend nach Wohnraum, um die Flüchtlinge unterbringen zu können. „Der Zuzugsdruck in den Landkreis Miesbach ist weiterhin sehr groß, die Zahl der Zuweisungen durch die Regierung von Oberbayern liegt weiterhin bei 33 Personen pro Woche“, erklärt der Pressesprecher des Landratsamts Miesbach, Birger Nemitz. Daher setzen die Verantwortlichen derzeit auf Traglufthallen, in denen eine größere Anzahl an Menschen Platz hat.

Die Unterbringung in Massenunterkünften ist nicht optimal. Nemitz bestätigt: „Das Landratsamt befürwortet die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen, etwa in Wohnungen oder einzelnen Häusern.“ Trotzdem kommt man um die Errichtung der Traglufthallen in Holzkirchen und Rottach-Egern aktuell nicht herum.

Holzhaus mit Vorteilen gegenüber Containern

Alternativen müssen dennoch geschaffen werden. Langfristige Lösungen, die den Flüchtlingen eine passable Unterbringung bieten können. Immer wieder hört man zuletzt von Holzhäusern für Asylbewerber. Die SZ schreibt von besserer Qualität und Ästhetik, außerdem würden die Holzbauten die regionale Wirtschaft fördern.

Zwar seien die Kosten der Anschaffung für Container etwas niedriger. Seit September komme es aber zu immer längeren Wartezeiten, weil die international tätigen Unternehmen ausgelastet sind. Auch wenn die Kosten der Anschaffung höher sind, haben die Holzhäuser einen gravierenden Pluspunkt. „Langfristig hat man wesentlich weniger Heizkosten. Die Unterhaltskosten sind niedriger“, so Günther Hartmann, Pressesprecher des Landesinnungsverbandes des bayrischen Zimmererhandwerks.

Außerdem könne man die lokalen Zimmereibetriebe in die Errichtung einbinden. „Viele Zimmereien haben im Winter Leerlauf“, argumentiert Hartmann. Genau das möchte die Initiative schneller-wohnraum der Zimmererinnung nutzen. Für den Landkreis Miesbach ist Zimmerer-Obermeister Jakob Bscheider aus Dietramszell zuständig. Er setzt sich für den Holzbau für Asylbewerber ein. Die Möglichkeiten und das Engagement der Zimmerer sei da, oft scheitere es aber an der Politik.

Bessere Wohnqualität

Dabei sieht Hartmann klare Vorteile in der Holzbauweise: „Das Aufstellen geht genauso schnell wie bei Containern, wenn nicht sogar schneller. Holzbauten sind aber gestalterisch besser in das Ortsbild einzubinden.“ Die Wahrnehmung von außen sei bedeutend für die Akzeptanz der Anlage bei den Bürgern, weiß der Experte. Ebenso sieht Hartmann Vorteile in der Qualität der Holzbauten:

Die Wohngesundheit ist besser. In den Containern bildet sich Kondenswasser. Das Holz bietet ein wesentlich angenehmeres Raumklima. Eine höhere Wohnqualität trägt auch zur Stimmung der Bewohner bei.

Das Ordnungs- und Sozialamt der Gemeinde Gräfeling kann das bisher nur bestätigen. Seit zwei Wochen wohnen nun Flüchtlinge in den Holzhäusern der Gemeinde im Landkreis München: „Bislang haben wir gute Erfahrungen mit der Ausstattung der Unterkunft gemacht, die Bewohner sind zufrieden. Es schaut schön aus.“ Gräfelfing ist das erste Projekt der Kampagne „feel home“ des Landratsamts München. In zehn Jahren sollen die Wohnmodule wieder abgebaut werden – so der Plan.

Die Gemeinde Waakirchen geht den Schritt noch etwas weiter. Sie möchte Unterkünfte bauen, die nach zehn Jahren als Sozialwohnungen zur Verfügung stehen sollen. Andreas Hagleitner vom neugegründeten Kommunalunternehmen erklärt, dass sie derzeit sowohl Angebote für Holzhäuser, als auch für Ziegelbauweise einholen. Dann wird entschieden, was langfristig sinnvoller ist.

Holzhäuser für Asylbewerber im Landkreis Miesbach

„Eine Unterbringung von Asylbewerbern in hochwertigen Holzgebäuden, etwa in Holzständer-Ausführung, wäre sehr wünschenswert“, sagt auch Nemitz. Sie begrüßen die Planungen von Gemeinden, die die Wohnungen später als Sozialwohnungen nutzen möchten. Eigeninitiative durch das Landratsamt in Sachen Holzbau ist jedoch nicht möglich. Nemitz erklärt:

Der Landkreis Miesbach hat keine eigenen Grundstücke, auf denen er selbst bauen könnte.

Bisher werden alle Unterkünfte für Flüchtlinge etwa von Privatpersonen oder Unternehmen angeboten. Ebenso weisen immer wieder Städte, Märkte oder Gemeinden das Landratsamt auf Gebäude hin oder stellen uns Gebäude zur Verfügung. Das Landratsamt ist also darauf angewiesen, dass einzelne Gemeinden oder Investoren den Bau von Holzhäusern anbieten. Dann kann das Landratsamt die Bauten für die Flüchtlinge anmieten.

Brandschutz bei Holzbau

Der Brandschutz spielt bei den Unterkünften eine enorme Rolle. Sorgen, dass bei Holzbauten schneller Feuer entflammt, widerspricht Hartmann jedoch: „Holzbau brennt nicht schneller, als andere Bauweisen.“

Auch beim Holz gibt es sehr genaue Brandschutzverordnungen. Beispielsweise werden auf die Wände Gipskartonplatten geschraubt, um das Holz vor Feuer zu schützen. „Viel gefährlicher als der Holzträger sind Holzmöbel, Teppiche oder Papier, das rumliegt, das brennt viel schneller“, weiß Hartmann.

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