Anwohnern drohen hohe Kosten

Wie berichtet soll die Karwendelstraße gegen den Willen der Anwohner ausgebaut werden – Breite, Zustand und Entwässerung müssten laut Gemeinde optimiert werden. Doch damit nicht genug: den Hauptteil der Kosten haben die Anwohner dabei wahrscheinlich selbst zu tragen.

Derzeit wird geprüft, wann der Abschnitt zwischen der Karwendelstraße 9 und der Guffertstraße 7 ursprünglich entstanden ist.
Derzeit wird geprüft, wann die Karwendelstraße ursprünglich entstanden ist.

Wie schon berichtet, befinden sich Teile der Anwohner-Grundstücke in der Karwendelstraße auf Gemeindegrund, der nun zurück gefordert wird. Laut Bürgermeister Olaf von Löwis sei zudem ein Ausbau der Straße dringend notwendig – Breite, Zustand und Entwässerung wäre nicht mehr sachgerecht. Bereits vor einigen Wochen erhoben die Anwohner Protest und sprachen sich öffentlich gegen einen Ausbau ihrer Straße aus.

Trotz der Anlieger-Proteste, hat der Holzkirchner Gemeinderat nun einstimmig für einen Ausbau der Karwendelstraße – im Bereich zwischen der Hausnummer 9 und der Guffertstraße 7 – gestimmt. “Ein Signal das nötig war”, wie von Löwis findet. Trotzdem betont er:

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Das hat weder etwas mit einer heimlichen Umgehungsstraße, noch mit einer Beschleunigung zu tun.

Derzeit werden die Fakten noch aufwändig geprüft, doch laut der Bauamtsverwaltung sei es sehr wahrscheinlich, dass eine Kostenbeteiligung erfolgen muss. In diesem Fall hätten die Anwohner 90 Prozent der Kosten zu tragen, zehnt Prozent trägt die Gemeinde selbst. Wie ein Mitarbeiter der Bauamtsverwaltung erklärt, sei für die Kostenbeteiligung vor allem das Baujahr der Straße entscheidend:

Es ist zu prüfen, ob die Straße vor oder nach 1961 gewidmet worden ist. Damals entstand nämlich das Bundesbaugesetz. Ist eine Straße vor 1961 entstanden und erfüllte die damals geltenden technischen Anforderungen, gilt sie als sogenannte “historische Straße” und die Kosten dürfen nicht auf die Anwohner umgelegt werden.

Morgen findet dazu im Rathaus eine Informationsveranstaltung statt, bei der die Anwohner umfassend über die baulichen Maßnahmen und Varianten informiert werden.

Ursprünglicher Artikel vom 21. Juli 2016 mit der Überschrift: „Wer besitzt, der muss gerüstet sein“

Erst kürzlich beschwerten sich Anwohner über den geplanten Ausbau der schmalen Karwendelstraße und bezeichneten das Vorhaben als “reine Geldverschwendung“. Nun äußert sich der Markt Holzkirchen dazu und erklärt die Gründe.

Die Anwohner der kleinen Karwendelstraße, möchten das grüne Aussehen ihrer Straße erhalten (links). Ihre Angst: Ein Ausbau könnte Autofahrer der Tölzerstraße anlocken, die den Weg als Abkürzung nehmen (rechts).
Die Anwohner der kleinen Karwendelstraße möchten das grüne Aussehen ihrer Straße erhalten (links). Ihre Angst: Ein Ausbau könnte Autofahrer der Tölzer Straße anlocken, die den Weg als Abkürzung nehmen (rechts).

Bürgermeister Olaf von Löwis ist sich über das Problem mit den unzufriedenen Anwohnern der Karwendelstraße schon seit Längerem bewusst, denn die Entscheidung über den Ausbau der Straße ist nicht neu. Wie sich schon vor einiger Zeit herausstellte, befinden sich Teile der dortigen Anwohner-Grundstücke im Eigentum der Gemeinde.

So stehen beispielsweise Gartenhäuschen oder Zäune auf Gemeindegrund. Der Verkehrsausschuss hat nun beschlossen, diesen Grund zurück zu fordern und den Bürgermeister nach eigener Aussage mehrmals darauf hingewiesen, dies in die Wege zu leiten. Von Löwis ist die ganze Sache jedoch bewusst langsam angegangen, da er bereits erkennen konnte, dass diese Entscheidung bei den Anwohnern für Unruhe sorgen würde.

Probleme mit Anwohnern waren zu erwarten

Doch auch für die Anwohner dürfte die Ankündigung über den Ausbau nicht allzu überraschend gekommen sein. Laut Olaf von Löwis wurden einige bereits im Vorfeld darüber informiert, dass die Gemeindegrundstücke zurückgefordert werden und die Straße ausgebaut wird.

Doch warum möchte die Marktgemeinde diesen Ausbau überhaupt? Laut Einschätzung der Anwohner habe die Straße bisher “in ihrem gegenwärtigen Zustand für alle Verkehrsanforderungen genügt”. Von Löwis sieht das ein wenig anders:

Das ist eine Frage des Eigentums. Die Anwohner haben den Gemeindegrund teilweise jahrzehntelang kostenlos genutzt. Da der Verkehrsausschuss nun beschlossen hat, den Grund zurück zu fordern, wollen wir die Grundabtretung auch sinnvoll nutzen. Die Karwendelstraße ist sehr schmal und im Winter nur einspurig befahrbar. So haben wir besprochen, was es für Varianten geben könnte, dies zu verbessern. 

Klar ist: die Straße soll breiter werden, so dass vor allem der Winterdienst mühelos durchfahren kann. Ob neue Bürgersteige oder Einbuchtungen gebaut werden, sei jedoch laut Löwis noch nicht sicher. Doch ebenso klar ist, dass hier kein neuer Verkehr angelockt werden soll. Und so betont von Löwis:

Wir wollen die Straße zwar vergrößern, sie aber so ausbauen, dass sie mithilfe von Parkbuchten und Bauminseln verkehrsberuhigt wirkt.

Autofahrer der Tölzer Straße, die die Karwendelstraße als Abkürzung nutzen könnten, würden dies ohnehin tun – mit oder ohne Ausbau, kommentiert von Löwis die Sorgen der Anwohner.

Horrende Kosten erwartet

Doch nicht nur die Angst vor mehr Verkehr stößt den Anliegern sauer auf. Die Kosten des ungewollten Straßenausbaus könnten möglicherweise auf die Anwohner umgelegt werden. Heißt: Die Anlieger zahlen für eine Straßenvergrößerung, die sie gar nicht wollen. Auch der Bürgermeister steht, nach eigener Aussage, vor einer Zwickmühle:

Wir können die Anwohner sehr gut verstehen, müssen aber auch der Entscheidung des Verkehrsausschusses Rechnung tragen.

Nun müsse sowieso erst einmal geprüft werden, wann die Karwendelstraße ursprünglich hergestellt wurde, so von Löwis. Denn das Entstehungsdatum der Straße entscheidet darüber, ob und wieviel jeder Anwohner für den Ausbau zahlen muss. Der Straßenausbau ist für frühestens nächstes Jahr geplant. Doch vorher wolle man, so von Löwis, eine gemeinsame Lösung mit den Anliegern finden.

In einer früheren Version des Artikels war fälschlicherweise von einem Rückbau der Gehwege in der Karwendelstraße die Rede. Das ist nicht korrekt. Die entsprechende Passage wurde ausgebessert.

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