Haslberger und Ministerium finden Lösung für Schwarzbau-Problem
Aus zwei mach eins – legal ist der Ziegenstall

von Sabiene Hemkes

Da kann man mal sehen. Ein Ziegenstall darf im Oberland durchaus wie eine kleine, süße Berghütte mit zwei Stockwerken und kleinen Fenstern aussehen. Der Lösungsvorschlag des Ministeriums lässt schmunzeln. Was haben die denn wieder ausbaldovert?

Haben die Umbaumaßnahmen bereits begonnen? Hinterher wird es bestimmt der tollste Ziegenstall im Tal

Im Tegernseer Tal erlangen derzeit kleine Bauprojekte wir Tanzböden, Markisen, Ziegenställe und auch Beleuchtungsanlagen große Aufmerksamkeit. Der Grund liegt auf der Hand: Die entsprechenden Bauwerke und Installationen liegen im Bereich der umstrittenen Saurüsselalm von Franz Josef Haslberger. Das, und die Tatsache, dass dem Bauherren wohl nicht alles was er oben auf knapp tausend Meter gebaut hat oder noch plant, durch das Landratsamt genehmigt wurde.

Zudem schürt die, in diesem Fall sehr zurückhaltende Auskunftspolitik der Behörde in Miesbach, zu allerlei Spekulationen. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) München ist da schon etwas mitteilungsfreudiger, wenn auch nur auf mehrfache Nachfrage. Es ist halt kompliziert.

Wie aus einer kleinen urigen Berghütte ein Ziegenstall wird

Der Sachverhalt ist unbestritten: Der Bauherr hat auf dem Gelände der Saurüsselalm ohne Baugenehmigung ein neues zweigeschossiges Gebäude gebaut. Es sieht aus wie eine Hütte, doch sollte ein Ziegenstall sein. Also befand das Landratsamt: Das ist ein Schwarzbau und forderte den Rückbau ein. In Abstimmung mit dem AELF Holzkirchen sollte Haslberger mit seinem Architekten eine Lösung für das Problem finden.

Wie ein Sprecher des AELF erklärte, haben beide Parteien einen Weg gefunden, um, wie es in dem Schreiben heißt:

Das strittige Gebäude aus landwirtschaftsfachlicher Sicht als der Landwirtschaft dienlich beurteilen zu können.

Und das wohl ganz ohne einen aufwendigen Umbau. Zwar sei ein zweigeschossiges Gebäude nicht den Anforderungen des Art. 57 BayBO entsprechend, erklärt der Pressesprecher den gefundenen Lösungsansatz, doch durch die „Entfernung der Zwischendecke könnten diese“ erfüllt werden.

Die Ziegen sind die eigentlichen Gewinner oben auf der Alm

Genial wie einfach. Das Landratsamt bestätigt zwar in seinem Schreiben nicht, durch welche bauliche Änderung aus dem Schwarzbau ein landwirtschaftlich privilegiertes Gebäude wird, doch den Vorgang der Einigung an sich. Weiter heißt es aus dem Landratsamt:

Die Vollzugsmeldung des Bauwerbers an die Baubehörde über den erfolgten Umbau ist noch nicht abschließend erfolgt.

Also wurde die Hütten/ Stalldecke bis zum letzten Freitag noch nicht entfernt. Von außen kann man das wahrscheinlich auch schlecht nachvollziehen. Laut AELF wird mit dem Umbau der Hütte auch das Leben der Saurüsselalm-Ziegen nachhaltig verbessert.

Ziegen sind Klettertiere und brauchen viel Licht und Luft. Unterschiedliche hohe Liegeflächen, die durch eine „Kletterpyramide“ erreicht werden, nehmen diese gerne an.

Also scheint der Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn doch keinen Scherz gemacht zu haben, als er letzte Woche der TS gegenüber von einer „hierarchischen Ziegen-Treppe“ sprach. Wobei weder die Pyramide noch eine Treppe für Ziegen einen Treffer bei Google landet. Das ist aber auch egal, denn immerhin bekommen die Ziegen, die zuvor etwas beengt auf einem Stockwerk leben mussten, ein innovatives und artgerechtes Zuhause.


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