Rottacher Ehepaar teilt Erfahrungen
Auswanderer erleben Lockdown in Südafrika

von Simon Haslauer

Vor etwas weniger als einem Jahr haben Tino Schulz und seine Frau Anja Kluge beschlossen, ihr Rottacher Beach House gegen ein Gästehaus in Südafrika einzutauschen. Jetzt erzählt Tino, wie sie die letzten Monate während der Corona-Pandemie erlebt haben und ob sie das Tegernseer Tal vermissen.

Ein kleiner Einblick in Somerset West. / Quelle: Tino Schulz

Von Rottach nach Kapstadt. Acht Jahre lang betrieb Tino Schulz die Sansibar. 2017 entschied er sich für einen Tapetenwechsel. Die Sansibar wurde zu “Tinos Beach House”. Im Sommer 2019 folgte die nächste Änderung. Gemeinsam mit seiner Frau Anja Kluge wollte Tino neue Wege gehen – eine Namensänderung und neue Speisekarte reichten diesmal aber nicht. Nein, Tino und Anja wanderten aus – ab nach Somerset West in Südafrika, ins Gästehaus “Khashamongo”.

Auf nach Südafrika

“Wir haben noch mal Lust auf ein Abenteuer. Und das hat sich dann so ergeben wie Zahnräder, die ineinander fassen”, erzählte Tino damals im TS-Interview. Im Januar 2019 war man noch selbst Gast im “Khashamongo” gewesen. Als sich eines Tages der Besitzer des Gästehauses meldete und die Frage stellte, ob die Beiden denn Interesse hätten, das Gästehaus zu übernehmen, war die Überraschung zuerst groß. Nach einer kurzen Bedenkzeit entschieden sie sich für Südafrika.

Das Beach House steht natürlich nicht leer! Tino und Anja haben es in die Obhut von Felix Ulrich und seiner Frau MiSung gegeben. / Quelle: Beach House Tegernsee

Mittlerweile konnten sich Tino und Anja in Somerset West gut einleben. Knapp ein Jahr sind sie nun in Südafrika. Die erste Saison lief gut, erzählt Tino Schulz. Dann kam Corona.

Der landesweite Lockdown ließ nicht lange auf sich warten. ”Die Regierung hier in Südafrika hat ja dann ab Ende März auch gleich einen der weltweit strengsten Lockdowns eingeführt. Und: Wohl dem der nicht raucht oder trinkt. Denn Zigaretten und Alkohol gibt es immer noch nicht offiziell zu kaufen”, berichtet er und gibt dabei zu bedenken:

Nun stellen Sie sich einmal das Bräustüberl oder ganz Bayern ohne Bierausschank vor…

Mit Beginn des Lockdowns konnten dann fast drei Monate lang keine Gäste ins “Khashamongo”, dann nur Businessreisende. Mittlerweile sei man jedoch “fast schon wieder auf einem normalen Weg”. Den entscheidenden Vorteil sieht Schulz in ihrer Größe. In einem kleinen Gästehaus könnten die Hygiene- und Abstandsregeln viel leichter eingehalten werden. Größere Hotels hätte da mehr Schwierigkeiten, das Vertrauen ihrer Gäste zu bekommen.

Ein Ausblick auf den Helderberg. / Quelle: Tino Schulz

Neben all den schlechten Nachrichten, vergessen die ehemaligen Beach House Betreiber jedoch nicht, das Positive an der aktuellen Situation zu sehen: “Die Maskenpflicht wird hier im Großen und Ganzen sehr diszipliniert eingehalten. Wir haben auch das Gefühl, dass man hier gut aufeinander schaut und die gegenseitige Rücksichtnahme und der Zusammenhalt allgemein, scheinen hier gut zu funktionieren. Man hilft und behilft sich!”

Helderberg statt Wallberg

Die Natur hat es den beiden besonders angetan. Obwohl in Südafrika gerade Winter herrscht, bei Tagestemperaturen von 15 bis 23 Grad wohlgemerkt, sei die Natur atemberaubend:

Ähnlich wie am Tegernsee! Am Tegernsee schauten wir auf den Wallberg und den Alpenrand und hier ist es für uns nun der Helderberg mit den Hottentotts zu seiner rechten.

Und was hat das Tegernseer Tal mit Südafrika gemein? “Wow, was für eine Frage”, beginnt der Gastgeber des Khashamongo und erzählt: “Eine Gemeinsamkeit hier in Somerset West ist sicherlich die, das man auf dem „Lande“ lebt und in die „große Stadt“ (München / Kapstadt) zirka 50 Kilometer fahren muss. Sich dann aber umso mehr freut, wieder daheim in seinem kleinen Paradies zu sein.”

Die örtliche Flora und Fauna. / Quelle: Tino Schulz

“Wir lieben unser bayerisches zu Hause und vermissen natürlich unsere Freunde, den See, die Einheimischen, die uns mit Ihrer bayerisch-traditionell-ehrlich-heimatverbundenen Art stets freundlich aufgenommen haben”, so Tino und schwindelt noch ein kleines Kompliment für seine Anja dazwischen: “Bei meiner Frau Anja, war es etwas einfacher. Sie lebte ja schon seit fast 30 Jahren am See und sieht im Dirndl einfach wunderschön aus.”

Bei ihm selbst war es etwas anders, gibt er zu – so als geborener Berliner mit Sylter Laden, Strandkörben und Currywurstverkauf. “Doch waren die Einheimischen mit mir als zugroasten Preußen wirklich stets sehr nachsichtig”, sagt er mit einem Zwinkern. “Und sind wir ja nicht aus der Welt und wir kommen sicher wieder!”, versichert Tino abschließend.


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